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Sauerstoff für die Lunge

02. Juli 2020

…und NIV für die Atempumpe

Es gibt kaum eine Therapie, die mehr dazu beigetragen hat, dass es den COPD-Patienten besser geht. Dies betrifft sowohl die Langzeit-Sauer­stoff­the­rapie wie auch die nicht invasive Beatmung (NIV). Aktuell wird in einer Studie dokumen­tiert, dass die nicht invasive Beatmung erheblich zu einer Lebens­ver­län­gerung beiträgt.

Bei einer fortge­schrit­tenen COPD ist die Atemfunktion zunehmend einge­schränkt. Die Ursachen hierfür sind im Wesent­lichen in zwei Bereiche zu unter­teilen:

  • Belas­tungen, die insbe­sondere die Lunge betreffen.
  • Belas­tungen, die die Atemmus­ku­latur betreffen.

Die Langzeit-Sauer­stoff­the­rapie wird zur Entlastung der Lunge einge­setzt, die nicht invasive Beatmung zur Entlastung der Atemmus­ku­latur.

Das Ziel einer Therapie mit Sauer­stoff besteht langfristig darin, die bestehende Luftnot zu lindern und die körper­liche Belastung zu verbessern.

Die Leitlinie zur Langzeit-Sauer­stoff­the­rapie der Deutschen Gesell­schaft für Pneumo­logie und Beatmungs­me­dizin eV. empfiehlt:

Indikation (Notwen­digkeit)

- PaO2 kleiner oder gleich 55 mmHg
- PaO2 in Ruhe 50 – 60 mmHg bei Cor pulmonale (Lungenherz)/
- Polyglo­bulie (Erhöhung der roten Blutkör­perchen)
- PaO2 unter Belastung kleiner oder gleich 55 mmHg oder Hypoxämie im Schlaf

Verschrei­bungs­kri­terien

stabile Krankheit, optimale Therapie

Kontra­in­di­ka­tionen

keine

Anwendung

Empfohlen wird eine möglichst lange Anwendung. Es sind 24 Stunden pro Tag anzustreben, die Mindest­dauer sollte mehr oder gleich 16 Stunden pro Tag betragen. Der Haupt­anteil der Sauer­stoff­ver­ab­rei­chung kann dabei während der Nacht erfolgen.
Erfolgt die Langzeit-Sauer­stoff­the­rapie ausschließlich bei körper­licher Belastung soll die Dosierung symptom­ab­hängig durch­ge­führt werden.

PaO2 oder PO2 = Die Sauer­stoff­sät­tigung im Blut gibt den Anteil des Hämoglobins (eisen­hal­tiger roter Blutfarb­stoff in den roten Blutkör­perchen) in Prozent an, der mit Sauer­stoff gesättigt ist.

Die aktuelle Leitlinie finden Sie hier https://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/020–002.html

Akzeptanz der Therapie
Wird die medizi­nische Notwen­digkeit für eine Therapie gestellt, so bedeutet dies für Patienten oftmals eine große Heraus­for­derung. Die Akzeptanz der Therapie und insbe­sondere deren Umgang in der Öffent­lichkeit, fallen vielen Patienten am Anfang nicht leicht. Der Austausch mit anderen Betroffen kann hier helfen.

Besonders wichtig ist der Einsatz der Therapie möglichst 24 Stunden pro Tag, mindestens jedoch 16 Stunden, da nur die konse­quente Anwendung ein verlän­gertes Langzeit­über­leben erzielen kann. Dass eine kurzfristige Anwendung einen Überle­bens­vorteil bringt, belegen wissen­schaft­liche Studien.

Beatmungs­zentrum
Wird eine Nicht-invasive Beatmung notwendig, sollte deren Einleitung und Schulung unbedingt in einem Beatmungs­zentrum und während einer stabilen Phase der Erkrankung erfolgen.

Lunge und Zwerchfell – der größte Atemmuskel
Die Leitlinie zur nicht-invasiven und invasiven Beatmung der Deutschen Gesell­schaft für Pneumo­logie und Beatmungs­me­dizin empfiehlt:

- NIV ist die primäre Therapie-Option zur außer­kli­ni­schen Beatmung von Patienten mit chroni­scher venti­la­to­ri­scher Insuf­fi­zienz bei COPD.

- Wichtigste Kriterien für den Beginn einer langfris­tigen NIV sind die Hyper­kapnie in Kombi­nation mit den typischen Symptomen der venti­la­to­ri­schen Insuf­fi­zienz (die „Atempumpe“ kann die notwendige Leistung nicht mehr aufbringen), Einschränkung der Lebens­qua­lität bzw. rezidi­vie­renden Exazer­ba­tionen (wieder­keh­rende akute Verschlech­te­rungen).

- Ziel der Beatmung ist die Norma­li­sierung des PaCO2; ausrei­chend hohe Beatmungs­drücke sind hierfür notwendig.

PaCO2 = PCO2 = Kohlen­dioxid-Parti­al­druck im Blut = Wert, den das Kohlen­dioxid im Gesamt­druck des Blutgases einnimmt.

Aktuelle Leitlinie zur nicht invasiven und invasiven Beatmung https://www.pneumologie.de/fileadmin/user_upload/2017_Windisch_et_al.pdf

Die Beatmung muss vom Patienten erlernt werden. Dies benötigt Geduld und Schulung sowie ein erfah­renes Thera­peu­tenteam. Regel­mäßige Kontrollen im Beatmungs­zentrum sind ebenfalls Voraus­setzung für eine erfolg­reiche Therapie.

Oftmals werden eine Langzeit-Sauer­stoff­the­rapie und eine nicht invasive Therapie kombi­niert einge­setzt.


Zusam­men­fassung des Vortrags “Langzeit-Sauer­stoff­the­rapie und Nicht invasive Beatmung – Indika­tionen und Ziele, korrekte Durch­führung durch den Betrof­fenen” von Professor Dr. Wolfram Windisch, Lungen­klinik Köln-Merheim, während des 7. Symposium Lunge 2014 in Hattingen.



… mehr Wissen

  • www.digab.de
    Deutsche Inter­dis­zi­plinäre Gesell­schaft für Außer­kli­nische Beatmung
  • www.copd-deutschland.de und www.lungenemphysem-copd.de
    Der Ratgeber „Sauer­stoff-Langzeit­the­rapie“ kann online gelesen und bei der Patien­ten­or­ga­ni­sation Lungen­em­physem-COPD Deutschland oder beim Verein COPD – Deutschland e.V. bestellt werden. Beachten Sie dort die hinter­legten Versand­in­for­ma­tionen.


Die Zusam­men­fassung wurde in der Zeitschrift Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge veröf­fent­licht.

Text der ZU: Sabine Habicht, Redak­ti­ons­leitung Patienten-Bibliothek


Heraus­geber :
Offene Akademie und Patien­ten­Bi­bliothek gemein­nützige GmbH
Unterer Schran­nen­platz 5
88131 Lindau
www.patienten-bibliothek.de
info@patienten-bibliothek.de

Bildnachweis aus Ratgeber:
fishheye, AK-DigiArt, Alexandr Mitiuc – alle Fotolia.com

Schlagwörter: Atemnot, Atempumpe, Beatmung, chronisch obstruktive Bronchitis, COPD, Langzeit-Sauerstofftherapie, Luftnot, Lunge, Lungenemphysem, nicht invasive Therapie, NIV, Sauerstoff, Sauerstofftherapie, Zwerchfell

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