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Erhebliche Vorteile durch NIV

02. Juli 2020

Nicht-invasive Beatmung – Erstmals Langzeitstudienergebnisse

Außer­kli­nische nicht-invasive Beatmung (NIV), vorwiegend in der Nacht angewendet, reduziert das Sterb­lich­keits­risiko bei COPD-Patienten mit einer schweren Erhöhung des Kohlen­di­oxids im Blut (Hyper­kapnie) um 76 Prozent.

Eine Studie der Gruppe um PD Dr. Thomas Köhnlein, zur nicht-invasiven Beatmung von Patienten mit schwerer COPD, hat den Sprung ins renom­mierte Journal The Lancet Respi­ratory Medicine geschafft. Köhnlein war lange Jahre Pneumologe an der Medizi­ni­schen Hochschule Hannover und ist seit Mai 2014 Chefarzt am Klinikum St. Georg in Leipzig.

Langfristig angewendete nicht-invasive Beatmung (NIV) wird seit Jahren bei Patienten mit fortge­schrit­tener, hyper­kapni­scher COPD angewendet. Jetzt gelang erstmals der Nachweis, dass NIV bei ausrei­chender Dosierung und dauer­hafter Anwendung die Gesamt­sterb­lichkeit (Morta­lität), die körper­liche Leistungs­fä­higkeit und die Lebens­qua­lität erheblich verbessern kann.

Bei fortge­schrit­tener COPD kommt es zur Atempum­pen­in­suf­fi­zienz, d.h. die mecha­nische Atmungs­tä­tigkeit der Patienten wird zu flach. Dies führt zur Einschränkung des Gasaus­tauschs in der Lunge, zur Anrei­cherung (Akkumu­lation) von Kohlen­dioxid im Blut und zu einer durch die Atmung verur­sachten Übersäuerung des Blutes (respi­ra­to­rische Azidose).

In einer Langzeit­studie konnte die Gruppe der Wissen­schaftler um PD Dr. Köhnlein bei 195 Patienten mit schwerer COPD zeigen, dass durch NIV die Einschränkung der Atempumpe (Atempum­pen­in­suf­fi­zienz) ausge­glichen werden kann. Aller­dings müssen Beatmungs­drucke gewählt werden, die den erhöhten Kohlen­di­oxid­gehalt im Blut deutlich senken. Die Beatmungs­zeiten sollten bei über 6 Stunden pro Tag liegen; idealer­weise sollte die NIV während des Schlafs angewendet werden. Diese Vorgaben waren bei über 90 % der Studi­en­pa­ti­enten umsetzbar.

In der Kontroll­gruppe verstarben während des einjäh­rigen Beobach­tungs­zeit­raums 33 % der Patienten, in der Beatmungs­gruppe waren es nur 12 %. Dies entspricht einer Reduktion des Sterbe­ri­sikos für Patienten mit schwerer COPD um 76 %. Die körper­liche Leistungs­fä­higkeit wurde in standar­di­sierten Tests unter­sucht. Die Beatmungs­pa­ti­enten verbes­serten ihre Leistungs­fä­higkeit deutlich (signi­fikant) gegenüber den Kontroll­pa­ti­enten. Das gleiche gilt für die gesund­heits­be­zogene Lebens­qua­lität, die mit mehreren Testsys­temen unter­sucht wurde.

Die Schluss­fol­ge­rungen der Studie sind, dass bei Patienten mit schwerer hyper­kapni­scher COPD die nicht-invasive Beatmung ein wertvoller Thera­pie­be­standteil ist. Die Daten aus dieser größten bislang publi­zierten klini­schen Studie geben ein solides Fundament für die bereits häufig durch­ge­führte außer­kli­nische NIV. Derzeit erarbeiten die ameri­ka­ni­schen und europäi­schen Fachge­sell­schaften neue Behand­lungs­richt­linien für COPD, in denen die Erkennt­nisse der aktuellen Studie Berück­sich­tigung finden werden.

PD Dr. Thomas Köhnlein während einer Vortrags­prä­sen­tation

Quelle: Forschungs­netzwerk Breath, Medizi­nische Hochschule Hannover, 1. August 2014


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  • www.dzl.de
    Das Deutsches Zentrum für Lungen­for­schung hat insgesamt fünf Forschungs­standorte in Deutschland.
  • www.copd-deutschland.de und www.lungenemphysem-copd.de
    Der Ratgeber „Nicht-invasive Beatmung“ kann online bei der Patien­ten­or­ga­ni­sation Lungem­physem – COPD Deutschland gelesen oder beim Verein COPD Deutschland e.V. bestellt werden. Beachten Sie dort die hinter­legten Versand­in­for­ma­tionen.

Der Beitrag wurde in der Fachzeit­schrift Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge veröf­fent­licht.

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Bildnachweis:
ResMed, Martinsried und Forschungs­zentrum Breath, Hannover

Schlagwörter: Atempumpe, Atemwege, COPD, Lunge, Lungenemphysem, Maskenbeatmung, nicht-invasive Beatmung, NIV, PD Dr. Thomas Köhnlein, Überlebensvorteil, Zwerchfell

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