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Passivrauchen

01. Juli 2020

Rauch, Stäube – Tabakrauch in Innenräumen

Auch Passiv­rauchen hat Einfluss auf die Gesundheit. Die Auswir­kungen von Tabak­rauch in Innen­räumen sind erschre­ckend und werden meistens unter­schätzt. Der nachfol­gende Beitrag möchte zu mehr Aufmerk­samkeit auffordern und motivieren, die Einflüsse des Passiv­rau­chens zu meiden. Insbe­sondere bereits von Atemwegs­er­kran­kungen Betroffene und natürlich Kinder – vor allem Klein­kinder – werden durch sogenannten Second Hand Smoke in Innen­räumen belastet.

Tabak­rauch ist mit Abstand der gefähr­lichste, jedoch leicht vermeidbare, Innen­raum­schad­stoff. Er ist ein komplexes Gemisch aus zahlreichen Substanzen, die beim Verbrennen des Tabaks entstehen. Das Einatmen von Tabak­rauch aus der umgebenden Luft wird als Passiv­rauchen bezeichnet.

copyright Deutsches Krebs­for­schungs­zentrum, Stabs­stelle Krebs­prä­vention, 2010

Passiv­rauchen verur­sacht eine frühzeitige Sterb­lichkeit. Es erhöht das Lungen­krebs­risiko um 20 bis 30 Prozent und das Risiko für Herz-Kreis­lauf­erkran­kungen um 25 bis 30 Prozent. Ein Report zu den Auswir­kungen von Passiv­rauchen in Innen­räumen aus dem Jahr 2006 stellt außerdem heraus, dass Kinder, die Tabak­rauch ausge­setzt sind, ein erhöhtes Risiko für den plötz­lichen Kindstod, akute Atemwegs­in­fek­tionen, Mittel­ohr­ent­zün­dungen und schweres Asthma besitzen.

Außerdem wird in dem Bericht dargelegt, dass für die Tabak­rauch­be­lastung kein Grenzwert angegeben werden kann, unterhalb dessen kein gesund­heits­schäd­liches Risiko besteht.

Zusam­men­setzung von Tabak­rauch
In frischem Tabak­rauch wurden bisher über 4 800 verschiedene Substanzen identi­fi­ziert, von denen mindestens 250 toxisch bezie­hungs­weise giftig sind. Als giftig werden Substanzen bezeichnet, die eine schäd­liche Wirkung auf Lebewesen besitzen. Die Giftigkeit ist, im Gegensatz zu den Kanze­ro­genen (krebs­er­zeu­gende Substanzen), für die keine unschäd­liche Menge angegeben werden kann, abhängig von der Konzen­tration. Von einem eigent­lichen Gift spricht man nur, wenn Substanzen auch in sehr geringen Mengen giftig sind, also im Bereich von Milli­gramm-Mengen.

Tabak­rauch enthält neben dem abhängig machenden Nikotin auch Kohlen­dioxid, Kohlen­monoxid und eine Vielzahl von Kanze­ro­genen sowie viele andere Gifte, die beim Einatmen aufge­nommen werden.

Ausge­wählte gesund­heits­ge­fähr­dende Substanzen im Tabak­rauch, ihre gewöhn­liche Verwendung und Auswir­kungen auf die Gesundheit. ® Deutsches Krebs­for­schungs­zentrum 2009, Überar­beitung: Deutsches Krebs­for­schungs­zentrum, Stabs­stelle Krebs­prä­vention, 2010

Zusatz­stoffe in Tabak­pro­dukten
Darüber hinaus sind auch viele Stoffe, die den Tabak­pro­dukten beim Herstel­lungs­prozess zugesetzt werden, gesund­heits­ge­fährdend. Diese Zusatz­stoffe dienen haupt­sächlich dazu, den Geruch und den Geschmack sowie die Inhalation für den Raucher so angenehm wie möglich zu gestalten.

So wird beispiels­weise nicht nur Menthol­zi­ga­retten sondern in geringer Menge auch Tabak fast aller Zigaret­ten­sorten Menthol zugesetzt, da es eine generelle kühlende sowie leicht betäu­bende Wirkung besitzt. Auch können in Tabak­pro­dukten Zucker sowie Lakritze, Honig oder Kakao als Aroma­stoffe enthalten sein. Andere Zusatz­stoffe dienen dazu, die Brenn­ei­gen­schaften der Zigarette zu optimieren oder den Tabak länger feucht zu halten. Die meisten der zugelas­senen Zusatz­stoffe von Tabak­pro­dukten sind zwar auch in Lebens­mitteln erlaubt, aus ihnen werden jedoch beim Verbren­nungs­prozess neue Stoffe gebildet, die hochgiftig sein können. Aus Menthol können beispiels­weise die krebs­er­zeu­genden Substanzen Benzol, Phenol und Benzo[a]pyren entstehen. Die Verwendung von Zusatz­stoffen macht ein ohnehin schon gefähr­liches Produkt noch gefähr­licher.

Komplexer Verbren­nungs­prozess
Tabak­rauch ist ein komplexes Gemisch von Partikeln und Gasen, die durch die Verbrennung des Tabaks und bei Zigaretten auch des Papiers sowie der Zusatz­stoffe bei hohen Tempe­ra­turen entstehen. Neben Verbren­nungs­pro­zessen finden sich überla­gernde chemische sowie Destil­la­tions- und Konden­sa­ti­ons­pro­zesse statt.

Seine komplexe Zusam­men­setzung verändert sich während seiner Verdünnung und seiner Verteilung in der Luft in Abhän­gigkeit von den Bedin­gungen sowie mit der Zeit. So ist Tabak­rauch ein sehr dynami­sches Gemisch, das seine Eigen­schaften und seine Konzen­tration mit der Zeit verändert. Die Rauch­par­tikel ändern ihre Größe und Zusam­men­setzung, gasförmige Kompo­nenten verflüch­tigen sich und der Feuch­tig­keits­gehalt ändert sich. Die gasför­migen Elemente adsor­bieren an Materialien und der Parti­kel­gehalt nimmt nicht nur durch die Verdünnung mit der umgebenden Luft ab, sondern auch durch die Anheftung an Oberflächen in Räumen sowie dadurch, dass die Partikel von anwesenden Menschen einge­atmet oder verschluckt werden.

Aufgrund dieser dynami­schen Natur des Tabak­rauchs ist eine exakte quanti­tative Definition seiner Zusam­men­setzung nicht möglich. Die Konzen­tra­tionen von Partikeln, die mit der Atemluft aufge­nommen werden, können in geschlos­senen Räumen extrem hoch sein.

Haupt­strom­rauch und Neben­strom­rauch
Tabak­rauch besteht aus einem durch die umgebende Luft verdünnten Gemisch von Haupt­strom­rauch, den der Raucher ausge­atmet, und Neben­strom­rauch, der durch die glimmende Zigarette oder ein anderes Tabak­produkt freige­setzt wird. Während der Haupt­strom­rauch etwa 15 Prozent des Tabak­rauchs ausmacht und am Mundende der Zigarette während des Ziehens sowie beim Ausstoßen der Luft durch den Raucher entsteht, ist der Neben­strom­rauch mit einem Anteil von 85 Prozent der gesamte durch eine Zigarette erzeugte Rauch.

Den Haupt­anteil am Neben­strom­rauch, etwa 95 Prozent, macht der Rauch aus, der in den Phasen entsteht, während derer nicht an der Zigarette gezogen wird und in denen die Zigarette lediglich glimmt und der aufgrund der Auftriebs­kraft nach oben steigt. Ein geringer Anteil entweicht auch beim Glimmen am Mundende der Zigarette und ein weiterer kleiner Anteil der Gase diffun­diert während beider Phasen aus dem Tabakstrang heraus.

® Deutsches Krebs­for­schungs­zentrum, Stabs­stelle Krebs­prä­vention, 2010

Neben­strom­rauch enthält prinzi­piell die gleichen Inhalts­stoffe wie der Haupt­strom­rauch. Lediglich die Anteile und das Mengen­ver­hältnis der einzelnen Kompo­nenten unter­scheiden sich. Weil Neben­strom­rauch bei einer niedri­geren Tempe­ratur entsteht als Haupt­strom­rauch, sind viele der toxischen Substanzen in ihm zunächst höher konzen­triert. Der Neben­strom­rauch vermischt sich relativ schnell mit der umgebenden Luft, so dass die Konzen­tration der Inhalts­stoffe mit der Zeit sinkt.
Die rasche Verdünnung des Neben­strom­rauchs bedeutet jedoch nicht, dass dadurch auch die Toxizität abnimmt, denn aus Tabak­in­dus­trie­do­ku­menten über die Forschung von Philip Morris am firmen­ei­genen Institut für Biolo­gische Forschung (INBIFO) geht hervor, dass Neben­strom­rauch unmit­telbar nach seiner Bildung etwa viermal toxischer pro Gramm der gesamten Menge an Rauch­par­tikeln ist als Haupt­strom­rauch.

Dritt­hand­rauch – Thirdhand Smoke
Sobald eine Zigarette in einem Raum geraucht wird, steigen die Konzen­tra­tionen der Tabak­rauch­kom­po­nenten in der Luft an und sinken dann exponen­tiell in Abhän­gigkeit von der Belüftung, der Tempe­ratur, der relativen Luftfeuch­tigkeit und der Luftzir­ku­lation.

So kann die schäd­liche Wirkung von Tabak­rauch in klima­ti­sierten Räumen aufgrund einer gerin­geren Venti­la­ti­onsrate doppelt so hoch sein wie in nicht klima­ti­sierten Räumen. Außerdem lagern sich die Tabak­rauch­par­tikel auf Oberflächen in der Umgebung ab.

Die Bildung von tabak­spe­zi­fi­schen Nitros­aminen aus der Reaktion von Nikotin des Tabak­rauchs, das an Oberflächen in Innen­räumen, wie Wänden, Möbeln, Teppichen, Kleidung und auch an der Haut, gebunden ist, mit salpe­triger Säure bietet eine Erklärung für ein zusätz­liches Gesund­heits­risiko durch „Dritt­hand­rauch“ (Thirdhand Smoke). Dieser Begriff bezeichnet die Konta­mi­nation durch Tabak­rauch, die zurück­bleibt, nachdem die Zigarette ausge­löscht wurde.

Durch den Kontakt mit Oberflächen, die mit den Gasen und Partikeln aus dem Tabak­rauch konta­mi­niert sind, werden diese Substanzen und die Reakti­ons­pro­dukte, die anfänglich noch nicht oder nur in geringer Menge im Tabak­rauch enthalten waren, in den Körper aufge­nommen. Besonders Kinder sind durch Thirdhand Smoke gefährdet, da sie oft mit Oberflächen, zum Beispiel von Polstern und Teppichen, in Kontakt kommen. Hinzu kommt die Adsorption an ihre eigene Haut, die Umwandlung zu kanze­ro­genen und erbgut­ver­än­dernden Metaboliten sowie deren trans­dermale Aufnahme. So ist erwiesen, dass Kinder mehr als doppelt so viel Staub – und damit auch Tabak­ka­n­ze­rogene – aufnehmen als Erwachsene.

Dr. Martina Pötschke-Langer
Leiterin der Stabs­stelle Krebs­prä­vention
und des WHO-Kolla­bo­ra­ti­ons­zen­trums für
Tabak­kon­trolle, Deutsches Krebs­for­schungs­zentrum, Heidelberg
www.dkfz.de / www.tabakkontrolle.de

Quelle: Rote Reihe, Tabak­prä­vention und Tabak­kon­trolle, Schutz der Familie vor Tabak­rauch Band 14, Deutsches Krebs­for­schungs­zentrum, Heidelberg, 2010 sowie 7. Patien­ten­forum Lunge, 2014 des Lungen­in­for­ma­ti­ons­dienstes

Kernaus­sagen

  • Tabak­rauch enthält mehr als 4 800 verschiedene Substanzen, von denen mindestens 250 toxisch sind und deswegen eine gesund­heits­schäd­liche Wirkung besitzen.
  • 90 Inhalts­stoffe des Tabak­rauchs wurden bisher als krebs­er­zeugend oder mögli­cher­weise krebs­er­zeugend einge­stuft.
  • Tabak­rauch ist ein sehr komplexes und dynami­sches Gemisch aus Partikeln und Gasen, das seine Eigen­schaften und seine Konzen­tration in Abhän­gigkeit von den Umgebungs­be­din­gungen und von der Zeit ändert.
  • Der Tabak­rauch in der Raumluft besteht zu 85 Prozent aus Neben­strom­rauch, der haupt­sächlich zwischen den Zugphasen der Zigarette entweicht, und zu 15 Prozent aus Haupt­strom­rauch, der vom Raucher nach dem Ziehen an der Zigarette ausge­atmet wird.
  • Weil Neben­strom­rauch bei niedri­geren Tempe­ra­turen durch zum Teil unvoll­ständige Verbren­nungs­pro­zesse entsteht, enthält er unver­dünnt einige der gesund­heits­schäd­lichen Substanzen in höherer Konzen­tration, so dass er giftiger als der Haupt­strom­rauch ist.
  • Die Toxizität des Tabak­rauchs nimmt mit der Zeit zu, da sich die Konzen­tration mancher der Kanze­rogene und Gifte im Laufe der Zeit durch weitere chemische Reaktionen erhöht und andere zusätzlich entstehen.


Heraus­geber:
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88131 Lindau
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Bildnachweis:
Deutsches Krebs­for­schungs­zentrum, Heidelberg
Kitty – Adobe­Stock

Schlagwörter: Asthma, Innenräume, Innenraumschadstoff, Kanzerogene, Krebsforschungszentrum, Lungenemphysem, Passivrauch, Rauch, Stäube, Tabak, Tabakprävention, Tabakrauch, Verbrennungsprozess

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