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COSYCONET-Studie

30. Juni 2020

…ein besseres Verständnis für Lungenerkrankungen

Asthma bronchiale und chronisch obstruktive Lungen­er­kran­kungen (COPD) sind bereits alleine aufgrund der Häufigkeit ihres Auftretens bedeu­tende Erkran­kungen der Atemwege. Asthma bronchiale kommt in Deutschland bei etwa fünf Prozent der Erwach­senen vor und bei etwa zehn Prozent der Kinder. Zwischen 1955 und 2004 hat sich die Krank­heits­häu­figkeit bei Heran­wach­senden verdoppelt bis verdrei­facht. Hinsichtlich der COPD dokumen­tiert eine aktuelle Studie, dass etwa 13 Prozent der Erwach­senen über 40 Jahre betroffen sind.

Um das Verständnis beider Lungen­er­kran­kungen zu vertiefen und neue Behand­lungs­mög­lich­keiten zu entwi­ckeln, wurde bereits im Jahr 2009 das krank­heits­be­zogene Kompe­tenznetz Asthma / COPD, abgekürzt AsCoNet, durch das Bundes­mi­nis­terium für Bildung und Forschung (BMBF) gegründet, wodurch die vorhandene wissen­schaft­liche Kompetenz gebündelt, Forschungen koordi­niert und eine enge Zusam­men­arbeit gefördert werden konnte. Sprecher des Kompe­tenz­netzes Asthma und COPD ist Professor Dr. Claus Vogel­meier, Marburg.

Bis zum Januar 2012 bestand AsCoNet aus zwei Forschungs­ver­bünden: COSYCONET „COPD und syste­mische Begleit­erkran­kungen“ und Asthma-MRI „Bildgebung bei obstruk­tiven Lungen­er­kran­kungen mittels Magnet­re­so­nanz­to­mo­graphie (Magnetic Resonance Imageing = MRI). COSYCONET wird bis zum Dezember 2015 im AsCoNet weiter­ge­führt und dann in das Deutsche Zentrum für Lungen­for­schung (DZL) integriert.

COSYCONET
– COPD und syste­mische Begleit­erkran­kungen
In den letzten Jahren wurde eine Reihe von Erkran­kungen außerhalb der Lunge beschrieben, die überdurch­schnittlich häufig bei COPD-Patienten auftreten. Das Spektrum reicht von Gewichts­verlust über Muskel­atrophie, Osteo­porose, kardio­vas­kuläre Erkran­kungen bis hin zu Depres­sionen und Angst­stö­rungen. Es wird vermutet, dass die kausale (ursäch­liche) Verknüpfung zwischen der Lungen­er­krankung und diesen Erkran­kungen auf eine syste­mische (den ganzen Organismus betref­fende) Entzündung zurück­zu­führen ist.

Die COSYCONET-Studie (COPD and Systemic Conse­quences – Comor­bi­dities Network) analy­siert deshalb die Frequenz von extra­pul­mo­nalen (außerhalb der Lunge auftre­tenden) Erkran­kungen bei COPD-Patienten, prüft eine mögliche Korre­lation (Wechsel­be­ziehung) zwischen syste­mi­scher Entzündung und Organ­er­kran­kungen und evaluiert (bewertet), wie sich diese Störungen auf Morbi­dität, Morta­lität und Kosten auswirken.

Beteiligt sind sieben Univer­si­täten (Marburg, München, Greifswald, Heidelberg, Medizi­nische Hochschule Hannover, Gießen, Berlin) sowie das Helmholtz-Zentrum München, das Max-Planck-Institut Bad Nauheim und 20 klinische Studi­en­zentren, die durch ca. 30 Kliniken reprä­sen­tiert werden.

Register bildet das zentrale Element
Den zentralen Teil des COSYCONET-Konsor­tiums bildet ein Register, welches das Kompe­tenz­netzwerk aufbaut. Es handelt sich hierbei um etwa 3000 Patienten mit allen COPD-Schwe­re­graden, die in einer Langzeit­studie evaluiert (wissen­schaftlich analy­siert) werden sollen. Die Befunde aus diesem Register sollen zudem mit verschie­denen weiteren Studi­en­ergeb­nissen aus Mecklenburg-Vorpommern (SHIP, Study of Health in Pomerania) und Süddeutschland (KORA, Koope­rative Gesund­heits­for­schung in der Region Augsburg) verglichen werden.
Darüber hinaus ist vorge­sehen, eine Biobank und eine Bildda­tenbank aufzu­bauen und eine gesund­heits­öko­no­mische Analyse durch­zu­führen. Schließlich sind weiter­füh­rende Studien geplant, die die Auslöser für und die Konse­quenzen einer syste­mi­schen Entzündung sowohl an Tiermo­dellen als auch an biolo­gi­schen Proben von Patienten beschreiben sollen.

Verbes­serte Diagnostik mittels MRT
Obstruktive Lungen­er­kran­kungen werden in der klini­schen Routine mithilfe der Lungen­funk­ti­ons­prüfung analy­siert. Demge­genüber spielt die radio­lo­gische Bildgebung in der Diagnostik von COPD derzeit nur eine sehr begrenzte Rolle. So kann die hochauf­lö­sende Compu­ter­to­mo­grafie (CT) zwar detail­lierte Bilder der Lunge und der Atemwege einschließlich ihrer Wände liefern – doch die klini­schen Bilder besagen nicht eindeutig, wie schwer ein Patient an COPD erkrankt ist.

Die COPD umfasst eine Reihe von Phäno­typen (Erschei­nungs­formen) – ähnlich wie bei einem Asthma bronchiale. Bei ähnlichem Schwe­regrad kann die Ursache entweder in den Atemwegen oder in einer Zerstörung des umgebenden Gewebes, einem Emphysem, liegen. Die Lungen­funk­ti­ons­prüfung ist als Messver­fahren nur begrenzt geeignet, diese Subtypen zu unter­scheiden.

Sowohl die steigende Zahl der thera­peu­ti­schen Optionen – insbe­sondere bei fortge­schrit­tener COPD – als auch Überle­gungen zum Thera­pie­beginn in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung verlangen ein nicht-invasives bildge­bendes Verfahren, mit dem diese Phäno­typen diffe­ren­ziert erkennbar werden.

Angestrebt wird ein radio­lo­gisch bildge­bendes Verfahren, das – ohne Strah­len­be­lastung – die unter­schied­lichen Typen darstellen und messen kann. Damit wären das Fortschreiten der Erkrankung, der richtige Zeitpunkt für einen Behand­lungs­beginn als auch der voraus­sicht­liche Erfolg einer Behandlung besser abschätzbar als mit der Lungen­funk­ti­ons­prüfung.


Für diesen Zweck bietet sich die Magnet­re­so­nanz­to­mo­grafie (MRT), die Bilder mit Magnet­feldern statt mit Röntgen­strahlen erzeugt, als geeig­netes Verfahren an. Die MRT der Lunge ist aufgrund der komplexen Diagnostik von Atemwegs­er­kran­kungen noch nicht weit verbreitet. Sie bietet aber ein breites Spektrum von Unter­su­chungs­formen, das eine struk­tu­relle und funktio­nelle Charak­te­ri­sierung der Subtypen von COPD und Asthma erlaubt. Hierzu gehören die Erfassung von Entzün­dungs­vor­gängen, Überblähung, Zerstörung des Gewebes, Belüftung, Durch­blutung, Blutdruck in den Lungen­ge­fäßen sowie Verän­de­rungen am Herzen.

Das Projekt Asthma-MRI – durch­ge­führt an den Univer­si­täten Heidelberg, Würzburg, Mainz und am Fraun­hofer Mevis Bremen – will innerhalb von drei Jahren die verschie­denen Methoden der MRT der Lunge zuver­lässig für eine breite Anwendung verfügbar machen und die klinische Aussa­ge­kraft der Messwerte belegen. Für die standar­di­sierte compu­ter­ge­stützte Auswertung werden die Methoden zur Analyse der Lungen-MRT auf einer Software-Plattform entwi­ckelt und zusam­men­ge­führt. In der zweiten Förder­pe­riode (2012 – 2015) sollen die Methoden und Ergeb­nisse von Asthma-MRI sämtlichen Zentren von AsCoNet bereit­ge­stellt und dann auch in der COSYCONET Studie einge­setzt werden.

Bis die Ergeb­nisse der Studien dokumen­tiert und präsen­tiert werden wird es einige Jahre dauern. Die COPD in Deutschland wird hierüber konti­nu­ierlich berichten.

Quellen: Bundes­mi­nis­terium für Bildung und Forschung, 23.10.2014 und Kompe­tenznetz Asthma und COPD


… mehr Wissen

  • Kompe­tenznetz Asthma und COPD
    Philipps-Univer­sität Marburg
    Baldin­ger­straße, 35043 Marburg
    Telefon 06421 – 5864533
    kokot@asconet.net
    www.asconet.net
    Projekt­ko­or­di­nation / Öffent­lich­keits­arbeit Inge Kokot

    Detail­lierte Hinter­grund­in­for­ma­tionen zu den Teilpro­jekten der Studie sowie spezielle Basis­in­for­ma­tionen für Patienten, insbe­sondere auch für Patienten, die in die Studie einge­bunden sind.
  • Deutsches Zentrum für Lungen­for­schung (DZL)
    Aulweg 130, 35392 Gießen
    Telefon 0641 – 99–467-21/24
    www.dzl.de

    Das Deutsche Zentrum für Lungen­for­schung wurde im November 2011 auf Initiative des Bundes­mi­nis­te­riums für Bildung und Forschung (BMBF) gegründet.
    Im DZL arbeiten über 170 Wissen­schaftler und deren Arbeits­gruppen aus 18 univer­si­tären und außer­uni­ver­si­tären Forschungs­ein­rich­tungen an fünf Stand­orten zusammen. Ihr Ziel ist es, die acht im Fokus stehenden Krank­heiten oder Krank­heits­gruppen Asthma und Allergien, die chronisch obstruktive Lungen­er­krankung COPD, Mukovis­zidose, akute Lungen­schä­di­gungen und Lungen­ver­sagen, inters­ti­tielle Lungen­er­kran­kungen sowie Lungen­hoch­druck, schwere Lungen­er­kran­kungen im Endstadium und Lungen­krebs umfassend zu unter­suchen.

  • Lungen­in­for­ma­ti­ons­dienst
    Telefon 089 – 3187–2526
    Telefax 089 – 3187–3324
    info@lungeninformationsdienst.de
    www.lungeninformationsdienst.de

    Im Auftrag des Deutschen Zentrums für Lungen­for­schung bietet der Lungen­in­for­ma­ti­ons­dienst des Helmholtz Zentrum München seit Juni 2011 Patienten und der inter­es­sierten Öffent­lichkeit Infor­ma­tionen zu Diagnostik, Therapie und Prävention von Lungen­er­kran­kungen und stellt aktuelle Forschungs­er­geb­nisse vor. Zugleich bildet der Lungen­in­for­ma­ti­ons­dienst eine Plattform, auf der sich Patienten, Selbst­hil­fe­gruppen und Wissen­schaftler austau­schen können.

    Neben dem sehr umfang­reichen Infor­ma­ti­ons­an­gebot im Internet bietet der Lungen­in­for­ma­ti­ons­dienst regel­mäßig Patien­ten­ver­an­stal­tungen (Patien­ten­foren) zu Schwer­punkt­themen an.


Heraus­geber der Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge:
Offene Akademie und Patienten Bibliothek gemein­nützige GmbH
Unterer Schran­nen­platz 5
88131 Lindau
www.patienten-bibliothek.de
info@patienten-bibliothek.de

Bildnachweis:
Monkey Business – Fotolia.com

Redaktion:
Sabine Habicht, Redak­ti­ons­leitung Patienten-Bibliothek

Schlagwörter: Asthma, chronische Bronchitis, COPD, COSYCONET, DZL, Kompetenznetz, Lungenemphysem, Lungenerkrankungen, Lungeninformationsdienst

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