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COPD und Begleiterkrankungen

29. Juni 2020

eine häufig anzutreffende Konstellation

Report vom gleich­na­migen Vortrag von Professor Dr. Kurt Rasche, Wuppertal anlässlich des 7. Symposium Lunge in Hattingen und in Anlehnung an den gleich­na­migen Ratgeber


Begleit­erkran­kungen werden auch als Komor­bi­dität – aus dem Engli­schen comor­bidity – bezeichnet. Liegt neben einer Grund­er­krankung – in diesem Fall also der COPD (chronisch obstruktive Bronchitis) – eine oder mehrere zusätz­liche Erkran­kungen vor, die diagnos­tisch als eigen­ständige Krankheit abgrenzbar sind, so werden sie als Begleit­erkrankung bezeichnet.

Begleit­erkran­kungen können eine Folge­er­krankung der Grund­er­krankung sein, müssen aber nicht. Zum Beispiel kann die Augen­er­krankung Grauer Star genauso eine Begleit­erkrankung einer COPD sein, wie eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, die mögli­cher­weise auch eine Folge­er­krankung der COPD ist.

Diese Definition macht klar, dass es ein breites Spektrum an Begleit­erkran­kungen geben kann, zumal von einer COPD häufig ältere Menschen betroffen sind. Ab einem gewissen Alter sind verschiedene chronische Erkran­kungen wie z. B. Bluthoch­druck oder Diabetes auch bei nicht von COPD betrof­fenen Patienten häufiger zu beobachten. Schät­zungen zufolge leidet jeder zweite Mensch, der älter als 65 Jahre ist, an mindestens drei Erkran­kungen.

Nicht immer einfach ist die Einordnung zusätz­licher Symptome und Befunde hinsichtlich der jewei­ligen Erkrankung bzw. Erkran­kungen. So kann z.B. Atemnot unter Belastung sowohl auf eine Koronare Herzer­krankung als auch auf eine COPD hinweisen.

Im Nachfol­genden werden die möglichen Zusam­men­hänge von COPD und Begleit­erkran­kungen aufge­zeigt und die Erkran­kungen erläutert, die häufiger als bei anderen älteren Menschen diagnos­ti­ziert werden.

COPD – eine System­er­krankung
COPD ist in erster Linie eine Erkrankung der Lunge. COPD ist jedoch auch eine System­er­krankung, d.h. die Erkrankung hat Auswir­kungen auf das ganze System der Atmung und somit auf den gesamten Körper.

Verständlich wird dies anhand der Funktion des Stoff­wechsels und des Kreis­laufs des Sauer­stoffs im Körper. Die Aufnahme von Sauer­stoff, wie auch die Aufnahme von Nahrung, sind Grund­vor­aus­setzung dafür, dass unser Körper, unsere Organe und somit jede einzelne Zelle des Körpers ausrei­chend mit Energie versorgt ist, um funktio­nieren zu können. Sowohl Sauer­stoff wie auch Nahrung kurbeln Stoff­wech­sel­vor­gänge an und stellen quasi die Energie dar, die wir zur „Befeuerung“ unserer Zellen und somit unseres Stoff­wechsels benötigen.

Wird Atemluft einge­atmet, gelangt dabei der darin enthaltene Sauer­stoff durch die Lungen­bläschen ins Blut. Das Herz sorgt dafür, dass der Sauer­stoff an seinen Bestim­mungsort trans­por­tiert wird. Es schlägt und hält so das Blut in Bewegung.
Sauer­stoff wird bei jeder Oxidation bzw. „Verbrennung“ von Nahrungs­be­stand­teilen wie Zucker, Fett und Proteinen in unseren Körper­zellen benötigt.

Voraus­setzung für das Funktio­nieren des Stoff­wechsels und damit jeder unserer Körper­zellen, sei es den Zellen in Organen, Geweben oder Muskeln, sind also eine konti­nu­ier­liche und ausrei­chende Versorgung mit Sauer­stoff und ebenso die Entsorgung des bei der „Verbrennung“ entste­henden Abfall­pro­duktes Kohlen­dioxid.

COPD ist eine Erkrankung, die nicht nur die Lunge betrifft


Mögliche Ursachen – gegen­seitige Beein­flussung
Die Erläu­te­rungen, warum COPD eine System­er­krankung ist, zeigen grund­sätzlich auf, welche Bedeutung die Sauer­stoff­auf­nahme und die Kohlen­di­oxid­abgabe für die Funktion unseres gesamten Körpers haben und dass bei einer Störung des „Atmungs­systems“ eine Auslösung anderer Erkran­kungen möglich sein kann.

Welche Verbin­dungen oder Verknüp­fungen zwischen der COPD und den verschie­denen Begleit­erkran­kungen bestehen, ist bisher nicht geklärt. Studien befassen sich seit einigen Jahren mit der Thematik und suchen nach Antworten.

Eine Reihe von Faktoren kann die Entstehung von Begleit­erkran­kungen fördern:

  • COPD-Entzündung als „System­er­krankung“
    Die bei einer COPD vorlie­gende chronische Entzündung bleibt vermutlich nicht auf das Organ Lunge beschränkt, sondern „läuft über“ und begünstigt auch die Entstehung anderer Erkran­kungen.
  • Inhala­tives Zigaret­ten­rauchen: gemein­samer Risiko­faktor!
    Das jahrzehn­te­lange Rauchen ist nicht nur der Haupt­aus­löser für COPD sondern fördert ebenso die Entstehung weiterer Erkran­kungen wie Herz-Kreislauf-Erkran­kungen, häufigere Infekte, bösartige Lungen­tumore.
  • Folge­er­kran­kungen der Krank­heits­er­schei­nungen der COPD:
Luftnot► Bewegungs­mangel► Herz-Kreislauf-Erkran­kungen
► Muskel- und Knochen­abbau
► Zunahme des Körper­ge­wichts
► Nahrungs­auf­nahme► Abnahme des Körper­ge­wichts
► psychische Belastung► soziale Isolation
► Angst / Depression
Husten► Weckre­ak­tionen im Schlaf► Schlaf­stö­rungen
► Druck­erhö­hungen im Bauchraum► Harnin­kon­tinenz
  • Mögliche Neben­wir­kungen der COPD-Medika­mente:
Anticho­li­nergika► Herzrhyth­mus­stö­rungen
► Mundtro­ckenheit
► Verstopfung
β2‑Symptomimetika► Herzrhyt­mus­stö­rungen
► Unruhe, Zittern
Theophillin► Herzrhyth­mus­stö­rungen
► Unruhe
► Magen-Darm-Beschwerden
Cortison► inhalativ► Heiserkeit
► Atemwegs­in­fekte
► syste­misch (Tablette)► Osteo­porose
► Hauter­schei­nungen
► Magen-Darm-Beschwerden


Die gegen­seitige Beein­flussung der verschie­denen Erkran­kungen ähnelt einer „Henne-Ei-Situation“, was die ungeklärte Frage: „Beein­flusst insbe­sondere die COPD die Begleit­erkran­kungen oder beein­flussen die Begleit­erkran­kungen die COPD?“ dokumen­tiert.

Vom Schwe­regrad der COPD scheint das Auftreten von Begleit­erkran­kungen nicht zwangs­läufig in Abhän­gigkeit zu stehen. Begleit­erkran­kungen können in jedem Stadium der COPD auftreten.

Häufig­keiten
Fragen, wie hoch die Wahrschein­lichkeit ist, an einer Begleit­erkrankung zu erkranken bzw. wie häufig die einzelnen Begleit­erkran­kungen auftreten, können nach dem heutigen Stand der Wissen­schaft nicht eindeutig beant­wortet werden und sind zudem sehr indivi­duell mit der Situation des Patienten verbunden.

Da Lunge und Herz unmit­telbar über den kleinen Blutkreislauf, auch Lunge­kreislauf genannt, mitein­ander verbunden sind, werden Herz-Kreislauf-Erkran­kungen in Zusam­menhang mit COPD oft diagnos­ti­ziert. Bluthoch­druck (Hyper­tonie) gilt als häufigste Begleit­erkrankung bei COPD, als zweit­häu­figste der Diabetes mellitus.

Erkran­kungen des Herz-Kreis­lauf­systems, Lungen­krebs, Osteo­porose, Muskel­schwäche und Kachexie (körper­liche Auszehrung) zählen zu den gravie­rendsten Begleit­erkran­kungen der COPD.

Die nachfol­gende Auflistung dokumen­tiert häufig vorkom­mende Begleit­erkran­kungen der COPD:

Herz-Kreislauf-Erkran­kungen

o Pulmonale Hyper­tonie
o Herzin­suf­fi­zienz
o Koronare Herzkrankheit

Metabo­li­sches Syndrom

o Überge­wicht
o Diabetes
o Hyper­tonie

Obstruk­tives Schlaf­apnoe­syndrom

Infekte der Atmungs­organe

Störungen des Bewegungs­ap­pa­rates

o Verlust von Sklett­mus­kel­masse
o Kachexie (Verlust fettfreier Masse)
o Osteo­porose

Normo­zytäre Anämie

Lungen­krebs

Harnin­kon­tinenz

Depression

Alles hängt mit Allem zusammen…

Hinweis: Nähere Erläu­te­rungen und Basis­in­for­ma­tionen zu den hier aufge­führten möglichen Begleit­erkran­kungen können Sie im Ratgeber „COPD und mögliche Begleit­erkran­kungen“ nachlesen, den Sie über den Heraus­geber COPD – Deutschland e.V. erhalten können.
www.copd-deutschland.de

Mögliche Auswir­kungen
Grund­sätzlich belasten Begleit­erkran­kungen den Patienten zusätzlich und können zudem den Verlauf der COPD erheblich beein­flussen. Sie tragen zu einem schlech­teren Gesund­heits­zu­stand, mögli­cher­weise Kranken­haus­ein­wei­sungen und zu einer Sterb­lichkeit von COPD-Patienten bei.

COPD-Patienten sterben meist nicht unmit­telbar durch die Folgen der COPD sondern durch deren Auswir­kungen wie beispiels­weise einer Überlastung des Herz-Kreislauf-Systems, eines Herzin­farkts oder Schlag­an­falls.

Die Erkenntnis darüber, dass oftmals eine Vielzahl von Begleit­erkran­kungen mit einer COPD einher geht und einen erheb­lichen Einfluss auf den Verlauf der COPD hat, hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass der Thematik mehr Beachtung geschenkt wird. Wissen­schaft­liche Leitlinien empfehlen daher eine gezielte Suche von möglichen Begleit­erkran­kungen, deren entspre­chende Behandlung sowie den Einsatz präven­tiver Maßnahmen.

Thera­peu­tische Möglich­keiten
Bei Patienten mit COPD werden die Begleit­erkran­kungen so behandelt, wie sie auch ohne chronisch obstruktive Lungen­krankheit thera­piert werden – d.h. jede diagnos­tisch identi­fi­zierte Erkrankung wird indivi­duell behandelt.

Quelle: Prof. Dr. H. Worth, Fürth, Leitli­ni­en­ge­rechte Diagnostik und Therapie der COPD, der nieder­ge­lassene arzt, 5/2013

Durch Studien wie COSYCONET können mögli­cher­weise in der Zukunft noch passge­nauere Behand­lungs­maß­nahmen entwi­ckelt werden, die die Zusam­men­hänge und Wechsel­wir­kungen mehr berück­sich­tigen.
http://www.asconet.net/html/cosyconet



Heraus­geber:
Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge
Offene Akademie und Patien­ten­Bi­bliothek gemein­nützige GmbH
Unterer Schran­nen­platz 5
88131 Lindau
www.patienten-bibliothek.de
info@patienten-bibliothek.de

Bildnachweis:
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hasinadav – Fotolia.com

Text/Zusammenfassung:
Sabine Habicht, Redak­ti­ons­leitung Patienten-Bibliothek

Schlagwörter: Atemnot, Begleiterkrankungen, chronisch obstruktive Bronchitis, COPD, Depression, Diabetes, Herz, Husten, Komorbidität, Luftnot, Lungenemphysem, Systemerkrankung

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