Artikel

Gute Schlafhygiene

22. Jan. 2021

…bedeutet auch Prävention

Schlaf­pro­bleme waren schon vor Corona weit verbreitet. In der aktuellen Pande­mie­krise, die uns alle vor große Heraus­for­de­rungen stellt und Ängste – seien es gesund­heit­liche oder existen­zielle – mit sich bringt, liegt die Vermutung nahe, dass noch viel mehr Menschen weltweit mit Schlaf­schwie­rig­keiten hinzu gekommen sind.

Wie wirkt sich Corona auf unseren Schlaf aus? Und welche medizi­ni­schen Aspekte der Schlaf­for­schung gilt es bei SARS-CoV2-Patienten zu bedenken? Diese Fragen behan­delte die 28. Jahres­tagung der Deutschen Gesell­schaft für Schlaf­for­schung und Schlaf­me­dizin (DGSM), die vom 29.–31. Oktober 2020 virtuell stattfand. Professor Dr. Georg Nilius war einer der Kongress­prä­si­denten und ist Direktor der Klinik für Pneumo­logie der Evange­li­schen Kliniken Essen-Mitte. „Schlaf­mangel erhöht die Anfäl­ligkeit für Infek­tionen. Das wissen wir von anderen Virus­er­kran­kungen. Mögli­cher­weise ist er auch ein Risiko­faktor für schwerere Erkran­kungs­ver­läufe“, sagt er. Das spielt natürlich in der aktuellen SARS-CoV2-Pandemie eine Rolle. Denn es gibt Berufs­gruppen, wie zum Beispiel Schicht­ar­beiter und im medizi­ni­schen Sektor Tätige, die häufiger an Schlaf­mangel leiden und folglich anfäl­liger sind. Und nicht nur berufs­be­dingt bekommen viele Menschen zu wenig Schlaf. „Wer kann, sollte viel schlafen!“, so der generelle Rat von Professor Nilius, „Gerade in der jetzigen Zeit, zahlt es sich aus, besonders auf eine gute Schlaf­hy­giene und Schlaf­qua­lität zu achten. Auch das ist eine Art von Prävention“.

Inter­na­tio­nalen Studien zufolge gibt es Hinweise, dass Patienten mit bestimmten schlaf­me­di­zi­ni­schen Störungen, insbe­sondere Patienten mit Schlaf­apnoe (eine Erkrankung, bei der es zu Atemaus­setzern kommt), im Rahmen der Corona-Pandemie einem höheren Risiko ausge­setzt sind, zu erkranken bzw. schwere Krank­heits­ver­läufe zu entwi­ckeln. Weitere wissen­schaft­liche Unter­su­chungen zu dem Thema sind notwendig.

Online-Umfrage COVID-Schlaf­studie

Zusätzlich unter­sucht die Gesell­schaft auch die Auswir­kungen von COVID-19 und des Lockdown auf den Schlaf in der Allge­mein­be­völ­kerung. Diese „Inter­na­tionale COVID-Schlaf­studie” findet gemeinsam in mehreren Ländern statt. Dazu wird ein Frage­bogen auf der Homepage angeboten und sehr herzlich um öffent­liche Betei­ligung gebeten.

Eines der Ziele des Frage­bogens ist es, die möglichen Auswir­kungen von COVID-19 (Corona­virus) auf den Schlaf und den Wachzu­stand und auf das vegetative Nerven­system zu verstehen. Einige Fragen sind mögli­cher­weise sehr ähnlich und scheinen dasselbe zu erfragen und einige Fragen sind mögli­cher­weise schwer zu beant­worten. Versuchen Sie bitte trotzdem, diese Fragen zu beant­worten.

Ihre Teilnahme beinhaltet das Ausfüllen eines Frage­bogens über Ihren Schlaf (vor und während COVID-19) sowie über Ihre körper­liche Gesundheit und Ihr psychi­sches Wohlbe­finden. Dieser Frage­bogen steht nur in elektro­ni­scher Form zur Verfügung, und Sie können auf ihn über dieses Formular zugreifen, wenn Sie sich bereit erklären, ihn zu beant­worten.

Erklären Sie sich zu einer anonymen Teilnahme bereit, benötigen Sie etwa 20 Minuten, um den Frage­bogen auszu­füllen. Wenn Sie Fragen zu dieser Unter­su­chung oder zu den Auswir­kungen Ihrer Teilnahme haben, wenden Sie sich bitte an den Studi­en­leiter Professor Dr. Thomas Penzel, thomas.penzel@charite.de.

Den Frage­bogen finden Sie auf den Seiten der Deutschen Gesell­schaft für Schlaf­for­schung und Schlaf­me­dizin:

www.dgsm.de/downloads/aktuelles/COVID19_und_Schlaf-Fragebogen.pdf

Aktuelle Studi­en­ergeb­nisse

Aktuelle Studien zum Schlaf­ver­halten während Corona und des Lockdown fanden u.a. heraus:

  • dass sich die Diskrepanz zwischen dem sozialen Jetlag und unserem biolo­gi­schen Schlaf-Wach-Rhythmus verringert hat; also verein­facht, dass die Menschen ihrem geneti­schen (natür­lichen) Schlaf­be­dürfnis entspre­chender geschlafen haben
  • daneben ergaben die Studien, dass sich die Schlaf­qua­lität verschlechtert hat, mögli­cher­weise im Zusam­menhang mit der Ausprägung von Ängsten, depres­siven Verstim­mungen und fehlender körper­licher Aktivität
  • Frauen gaben dabei häufiger an, unter mentalen Verstim­mungen zu leiden als Männer; Berufs­tätige gaben in den Unter­su­chungen am häufigsten an, mehr zu schlafen als vor der Pandemie und begrün­deten dies mit flexi­bleren Arbeits­mo­dellen

Quellen: www.dgsm-kongress.de Deutsche Gesell­schaft für Schlaf­for­schung und Schlaf­me­dizin e.V. (DGSM), Presse­kon­ferenz 28. Jahres­tagung, Oktober 2020


Regeln der Schlaf­hy­giene

  • Stehen Sie jeden Tag um dieselbe Zeit auf
  • Gehen Sie nur schlafen, wenn Sie wirklich müde und schläfrig sind.
  • Üben Sie entspan­nungs­för­dernde Schlaf­ri­tuale vor dem Zubett­gehen aus.
  • Treiben Sie regel­mäßig Sport.
  • Nehmen Sie in den vier Stunden vor dem Zubett­gehen keine koffe­in­hal­tigen Getränke oder Medika­mente ein.
  • Rauchen Sie nicht kurz vor dem Schlafen.
  • Vermeiden Sie einen Mittags­schlaf.
  • Reduzieren Sie Ihren Alkohol­konsum oder verzichten Sie im Falle von Schlaf­stö­rungen auf Alkohol.
  • Meiden Sie Schlaf­ta­bletten oder gehen Sie vorsichtig und sparsam mit ihnen um. Meistens verschreiben Ärzte Schlaf­mittel maximal vier Wochen. Nehmen Sie nie Schlaf­mittel zusammen mit Alkohol ein.

Bildnachweis:
Ljubko Smokovski, Prostock-studio – Adobe­Stock


Dieser Beitrag wurde in der Winter­ausgabe 2020 der Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge veröf­fent­licht.

Schlagwörter: Corona, CoVid, Pandemie, Schlaf, Schlafhygiene, Schlafmedizin, Schlafstörungen

Zeitschrift
Atemwege und Lunge
als Print-Ausgabe bestellen

Unsere Fachzeitschrift "Atemwege und Lunge – Eine Patienten-Bibliothek" erscheint 4x im Jahr (Frühjahr, Sommer, Herbst, Winter) – für Patienten, Angehörige, Fachpersonal, Apotheken, Selbsthilfegruppen und Arztpraxen.

Haben Sie Fragen?

Unsere Redaktion hilft Ihnen gerne weiter. Schreiben Sie einfach eine E-Mail an: info@atemwegeundlunge.de

Artikel, die Sie auch interessieren könnten:

Operationsverfahren

…operative Eingriffe an der Lunge Opera­tionen an der Lunge können im Prinzip in zwei große Gruppen einge­teilt werden. Bei der ersten...

Thorakale Transplantationen

Herz- und Lungen­trans­plan­tation Das vergangene Jahr war ein bewegtes für die Organ­trans­plan­tation in Deutschland, leider nicht immer...

Lungentransplantation

…was Lungen­pa­ti­enten wissen sollten Für viele Patienten mit endgradig fortge­schrit­tenen Lungen­er­kran­kungen bedeutet eine...

…die Lunge will bewegt werden

5 Jahre nach der Lungen­trans­plan­tation Atemnot beim Treppen­steigen war der Grund für seinen Besuch beim Arzt. Im Alter von 50 Jahren...

Von der Hantelbank in den OP

Lungen­trans­plan­tation: Nichts wird so sein wie früher Bereits frühzeitig sprach die behan­delnde Lungen­fach­ärztin das Thema...

Schlüssel zu mentaler Stärke

Kohärenz­gefühl und Resilienz An COPD erkrankte Menschen stehen vor der großen Heraus­for­derung ihr Leben und den Alltag an die...

Förderung eines gesunden Schlafs

Ratgeber Stress trägt in erheb­lichem Maße zu Schlaf­pro­blemen bei. Menschen mit Schlaf­pro­blemen entwi­ckeln Strategien, um sich dem...

Gute Schlafhygiene

…bedeutet auch Prävention Schlaf­pro­bleme waren schon vor Corona weit verbreitet. In der aktuellen Pande­mie­krise, die uns alle vor...

…die verborgene Volkskrankheit

Schlaf­apnoe in Deutschland Etwas mehr als 1 Million Menschen in Deutschland werden aktuell bereits auf Schlaf­apnoe, eine...

Lebensabschnitte souverän gestalten

Buchvor­stellung Aus der Not heraus entschied ich mich, eine ambulant betreute Wohnge­mein­schaft zu gründen. Meine Erkun­di­gungen bei...