Artikel

Rachenraum und Nasenschleimhaut

03. Nov. 2020

Pflege und Hygiene

Schleimhaut schützt
Nicht erst seit Corona-Zeiten ist die Schleimhaut der oberen Atemwege in höchstem Maße gefordert. Einer­seits muss sie die Atemluft möglichst perfekt für die Lungen aufbe­reiten, anderer­seits schützt sie uns vor Erregern und Umwelt­ein­flüssen aller Art. Diese, im Laufe der Evolution erworbene Fähigkeit ist aller­dings durch die Einflüsse der modernen Zivili­sation zunehmend gefordert und nicht selten auch überfordert.

Feinstaub­be­lastung, Heizungsluft und Klima­an­lagen trocknen die Schleimhaut aus. Nasen­at­mungs­be­hin­de­rungen, Verschleimung im Rachen und gehäufte Infekte sind die Folge. Auch der starke Anstieg aller­gi­scher Erkran­kungen schwächt die Schleim­haut­funktion durch eine perma­nente Überre­aktion gegen an sich harmlose Umwelt­stoffe. 40 % der Kinder in Deutschland reagieren mittler­weile auf mindestens ein Allergen.

Schleimhaut muss geschützt werden
Damit die Schleimhaut der oberen Atemwege ihren vielfäl­tigen Funktionen gerecht werden kann, ist eine Unter­stützung der natür­lichen Schleim­haut­funktion sinnvoll. Das gilt insbe­sondere bei Risiko­fak­toren wie Allergien oder nach Opera­tionen im Nasen- oder Rachen­be­reich.

Insbe­sondere Kinder und alte Menschen sind aus unter­schied­lichen Gründen anfäl­liger für akute und chronische Schleim­haut­pro­bleme. Eine präventive Schleim­haut­pflege ist daher in vielen Fällen sinnvoll, um chronische Beschwerden und Folge­er­kran­kungen zu verhindern.

Trockene Schleimhaut macht krank
Vor allem eine Austrocknung setzt der Schleimhaut der oberen Atemwege zu. Denn durch Trockenheit verändert einer­seits der Schleim seine Konsistenz und wird zäher und klebriger, zum anderen leidet die Aktivität des Flimmer­epi­thels, dessen Aufgabe es ist, den Schleim unauf­fällig von Nase und Rachen in Richtung Speise­röh­ren­eingang zu trans­por­tieren, wo er norma­ler­weise geschluckt wird. Die Folge ist, dass der Schleim nicht mehr abtrans­por­tiert wird und liegen bleibt. Das aber führt zur Bildung von Schleim­fäden in der Nase. Der Luftwi­der­stand erhöht sich und die Nasen­atmung wird schlechter. Gleich­zeitig sammelt sich zäher Schleim im Rachen und Kehlkopf­eingang, der zu einem Engegefühl und Räusper­zwang führen kann.

Zusätzlich wir die Schleimhaut rissig. Das kann man sich ungefähr so vorstellen, wie bei einem Beet, dass längere Zeit kein Wasser mehr bekommen hat. Auch hier wird die Erde rissig durch die Austrocknung. Da gerade in der Nase große arterielle Blutgefäße direkt unter der Schleimhaut liegen, werden diese nicht mehr ausrei­chend geschützt und es kann zu gehäuftem Nasen­bluten kommen.

Die körper­eigene Abwehr wird durch die Folgen der Austrocknung ebenfalls geschwächt, da die immun­kom­pe­tenten Zellen nicht mehr in Kontakt mit den Erregern kommen und diese bei einer ausge­trock­neten Schleimhaut ideale Bedin­gungen für eine Invasion vorfinden. Selbst die harmlosen Keime, die auf der gesunden Schleimhaut in fried­licher Koexistenz mit uns leben, können dann bedrohlich werden, wenn sie vom Immun­system nicht mehr in Schach gehalten werden.

Da sich die Klima­ti­sie­rungs­funktion der Schleimhaut durch eine zuneh­mende Austrocknung konti­nu­ierlich verschlechtert, wird die Luft nicht mehr ausrei­chend erwärmt, gereinigt und befeuchtet und es kommt auf Dauer auch zu einer Austrocknung der unteren Atemwege.

Ursachen für die Austrocknung
Ursache für die Austrocknung der Schleimhaut sind vor allem klima­tische Faktoren wie trockene Heizungsluft im Winter, Durchzug durch Klima­an­lagen oder hohe Raumtem­pe­ra­turen. Aber auch Erkran­kungen wie Allergien, Neuro­der­mitis oder eine Schup­pen­flechte führen zu einer schnel­leren Austrocknung. Dazu kommen bei älteren Menschen häufig Medika­mente, die die Schleimhaut trockener machen. Dazu zählen viele Blutdruck- und Herzmittel und vor allem natürlich Entwäs­se­rungs­mittel. Denn bevor diese das Herz und die Lunge entlasten, trockenen sie erst einmal die Schleimhaut der oberen Atemwege aus.

Seltene Ursachen sind voran­ge­gangene Opera­tionen der Nase oder des Rachens oder Autoim­mun­erkran­kungen wie das Sjögren-Syndrom. Besteht eine chronische Trockenheit der Schleimhaut, sollte grund­sätzlich eine Vorstellung beim HNO- und beim Hausarzt erfolgen.

Trockenheit wirksam bekämpfen
Wie aber schützt man sich vor der Austrocknung und wie macht man seine Schleimhaut wider­stands­fä­higer, um besser Luft zu bekommen und weniger Infekte.

Die einfachste Maßnahme zum Schutz der Schleimhaut ist die Verbes­serung des Raumklimas. Eine ausrei­chend hohe Luftfeuch­tigkeit, wenig Schweb­stoffe und eine moderate Raumtem­pe­ratur. Das lässt sich häufig schon durch regel­mä­ßiges Lüften erreichen. Dabei sollte man aller­dings darauf achten, nicht im Durchzug zu sitzen oder zu schlafen, da auch Wind die Schleimhaut stark austrocknet.

Auch die Flüssig­keits­zufuhr insgesamt spielt eine wichtige Rolle. Gerade in Büros mit Klima­an­lagen oder in heißen Sommern heißt es: Trinken, trinken, trinken. Gerade ältere Menschen haben kein ausrei­chendes Durst­gefühl mehr und sollten sich schon morgens 2 bis 3 Liter Wasser bereit­stellen, die sie über den Tag verteilt zu sich nehmen. Alkohol und Kaffee trocknen übrigens zusätzlich aus, weswegen es in heißen Ländern grund­sätzlich ein Glas Wasser zum Espresso gibt und beim Oktoberfest der Durst mit jedem Maß Bier eher noch zunimmt.

Aber man kann die Schleimhaut auch direkt befeuchten und sie so in ihrer natür­lichen Funktion unter­stützen. Für die Nasen­schleimhaut sind Salzwasser-Sprays entweder als physio­lo­gische Kochsalz­lösung (0,9% Salzgehalt) oder als hypertone Kochsalz­lösung (z.B. Meersalz­sprays) ein probates Mittel. Mehrfach täglich in die Nase gesprüht, befeuchtet es die Schleimhaut, löst den Schleim und verbessert den Schleim­ab­transport. Dadurch wird die Nase freier. Bei Salzwasser-Sprays gilt die Devise: viel hilft viel. Man kann sie ruhig mehrfach täglich nutzen, da eine Abhän­gigkeit wie bei abschwel­lenden Nasen­sprays nicht zu befürchten ist.

Bei starker Borken­bildung, beispiels­weise nach einer Operation, helfen tägliche Nasen­spü­lungen. Mit der richtigen Technik wird das Salzwasser mit einer Nasen­dusche durch das eine Nasenloch in die Nase einge­bracht und läuft anschließend durch das andere wieder heraus. Es löst dabei festsit­zenden Verschlei­mungen und Verkrus­tungen und reinigt und befeuchtet die Nasen­schleimhaut.

Bei starker Austrocknung, rissiger Schleimhaut oder Neigung zum Nasen­bluten sind auch Nasen­salben hilfreich. Sie lösen hartnä­ckige Verkrus­tungen und pflegen die ausge­trocknete Schleimhaut. Mehrfach täglich angewendet, erholt die Schleimhaut sich in der Regel innerhalb von einer Woche. Aber auch ein Langzeit­ge­brauch ist möglich.

Für den Rachen­be­reich ist das Gurgeln mit milden, desin­fi­zie­renden Lösungen eine geeignete Maßnahme, um vermehrte Schleim­ab­la­ge­rungen mit nachfol­genden Bakte­rie­ren­be­sied­lungen zu verhindern. Das können pflanz­liche Mittel sein wie Salbei- oder Kamil­len­lö­sungen, oder Mundspü­lungen aus der Apotheke.

Da die Schleimhaut der oberen Atemwege die vorderste Front unseres Körpers gegen Umwelt­ein­flüsse und Erreger aller Art ist, lohnen sich solche Maßnahmen nicht nur, wenn es bereits zu spät ist. Denn ein wirksamer Schutz vor Austrocknung und Verschleimung erleichtert das Atmen und verhindert Infek­tionen.

Dr. Uso Walter
Facharzt für Hals-Nasen-Ohren­heil­kunde
Gemein­schafts­praxis Duisburg
www.hno-praxis-duisburg.de
Vorsit­zender HNOnet NRW
www.hnonet-nrw.de

Bildnachweis:
Dr. Uso Walter
Henrie, weerapat – Adobe­Stock


Dieser Beitrag wurde in der Herbst­ausgabe der Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge veröf­fent­licht.


Schlagwörter: Atemluft, Lunge Erreger, Nase, Nasenschleimhaut, obere Atemwege, Rachen, Rachenraum, Schleimhaut, Trockenheit, Umfelteinflüsse

Zeitschrift
Atemwege und Lunge
als Print-Ausgabe bestellen

Unsere Fachzeitschrift "Atemwege und Lunge – Eine Patienten-Bibliothek" erscheint 4x im Jahr (Frühjahr, Sommer, Herbst, Winter) – für Patienten, Angehörige, Fachpersonal, Apotheken, Selbsthilfegruppen und Arztpraxen.

Haben Sie Fragen?

Unsere Redaktion hilft Ihnen gerne weiter. Schreiben Sie einfach eine E-Mail an: info@atemwegeundlunge.de

Artikel, die Sie auch interessieren könnten:

Operationsverfahren

…operative Eingriffe an der Lunge Opera­tionen an der Lunge können im Prinzip in zwei große Gruppen einge­teilt werden. Bei der ersten...

Thorakale Transplantationen

Herz- und Lungen­trans­plan­tation Das vergangene Jahr war ein bewegtes für die Organ­trans­plan­tation in Deutschland, leider nicht immer...

Lungentransplantation

…was Lungen­pa­ti­enten wissen sollten Für viele Patienten mit endgradig fortge­schrit­tenen Lungen­er­kran­kungen bedeutet eine...

…die Lunge will bewegt werden

5 Jahre nach der Lungen­trans­plan­tation Atemnot beim Treppen­steigen war der Grund für seinen Besuch beim Arzt. Im Alter von 50 Jahren...

Von der Hantelbank in den OP

Lungen­trans­plan­tation: Nichts wird so sein wie früher Bereits frühzeitig sprach die behan­delnde Lungen­fach­ärztin das Thema...

Schlüssel zu mentaler Stärke

Kohärenz­gefühl und Resilienz An COPD erkrankte Menschen stehen vor der großen Heraus­for­derung ihr Leben und den Alltag an die...

Förderung eines gesunden Schlafs

Ratgeber Stress trägt in erheb­lichem Maße zu Schlaf­pro­blemen bei. Menschen mit Schlaf­pro­blemen entwi­ckeln Strategien, um sich dem...

Gute Schlafhygiene

…bedeutet auch Prävention Schlaf­pro­bleme waren schon vor Corona weit verbreitet. In der aktuellen Pande­mie­krise, die uns alle vor...

…die verborgene Volkskrankheit

Schlaf­apnoe in Deutschland Etwas mehr als 1 Million Menschen in Deutschland werden aktuell bereits auf Schlaf­apnoe, eine...

Lebensabschnitte souverän gestalten

Buchvor­stellung Aus der Not heraus entschied ich mich, eine ambulant betreute Wohnge­mein­schaft zu gründen. Meine Erkun­di­gungen bei...