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Pflege von Sauerstoffsystemen

22. Juli 2020

Ein wesent­licher Erfolgs­faktor

Einleitung
Die Hygiene des Sauer­stoff­systems ist ein wichtiger Baustein zur erfolg­reichen Sauer­stoff-Langzeit­the­rapie. Schließlich nützt die gewis­sen­haf­teste Einhaltung der Thera­pie­vor­schriften nichts, wenn Bakterien oder Keime aus dem System die Lunge zusätzlich belasten. Der Patient ist auf einwand­freie Geräte angewiesen, um Leistungs­fä­higkeit und Lebens­qua­lität zu erhalten bzw. zu verbessern.

Maßnahmen von Patient und Versorger

Fachhändler sind gesetzlich verpflichtet, Sauer­stoff­geräte vor jedem Anwen­der­wechsel sowie im Rhythmus der Wartung technisch zu prüfen. Zusätzlich muss eine hygie­nische Aufbe­reitung gemäß den Empfeh­lungen des Herstellers erfolgen. Das schließt z. B. den Austausch von Bakterien- und Viren­filtern im Geräte­inneren ein. Privat­ver­käufe, egal ob sie über Selbst­hil­fe­gruppen oder Platt­formen im Internet reali­siert werden, sollten diese Schutz­maß­nahmen für den neuen Nutzer ebenfalls berück­sich­tigen!

Neu- bzw. Gebraucht­geräte werden beim Fachhändler getrennt einge­lagert. Um Gefähr­dungen zu vermeiden, nehmen Fachhändler einmal gelie­fertes Zubehör, z. B. Nasen­brillen oder Schläuche, nicht zurück.

Jedes Sauer­stoff­system ist ausschließlich für den Eigen­ge­brauch gedacht. Das heißt, auch Famili­en­an­ge­hörige sollten die Geräte nicht verwenden.

Alle Sauer­stoff­systeme, also Konzen­trator, Basistank bzw. Abfüll­einheit für Flüssig­sauer­stoff, Gasdruck­flasche oder Fülleinheit, sollten vom Patienten oberflächlich gereinigt werden. Dies kann jede Woche mit einem feuchten Tuch erfolgen.

Stationäre Sauer­stoff­kon­zen­tra­toren

Alle Heimkon­zen­tra­toren besitzen Grobstaub­filter. Diese sollten wöchentlich vom Anwender ausge­wa­schen werden. Schließlich saugt das Gerät darüber die Umgebungsluft an. Es ist darauf zu achten, dass die Grobstaub­filter trocken in das Gerät eingelegt werden. Lüftungs­schiltze müssen regel­mäßig entstaubt werden. Hier gibt der Konzen­trator die Abluft ab. Somit wird das Risiko einer Überhitzung vermindert.

Zudem spielt der Standort des Thera­pie­ge­rätes eine erheb­liche Rolle. Er sollte niemals in Feucht­räumen wie Bädern oder Küche stehen. Erfahrene Versorger helfen ihren Patienten, einen geeig­neten Standort für das Sauer­stoff­gerät auszu­wählen. Dabei ist darauf zu achten, dass ein Mindest­ab­stand von 10 cm zu Wänden einge­halten wird. Zusätzlich ist direkte Sonnen­ein­strahlung zu vermeiden. Auch Teppiche mit einem hohen Flor sollten vermieden werden. Alter­nativ kann eine Wasch­ma­schi­nen­matte unter­gelegt werden. Sie vermindert außerdem die Schall­über­tragung des Konzen­trators.

Mobile Sauer­stoff­kon­zen­tra­toren

Die genannten Grobstaub­filter sollten wöchentlich gereinigt werden. Es ist möglich, diese mit Wasser abzuspülen. Zusätzlich bietet sich eine weiche Bürste an, um Grobstaub­filter und Lüftungs­schlitze staubfrei zu halten.

Basistank Flüssig­sauer­stoff

Vor jeder Abfüllung des Basis­tanks besteht die Notwen­digkeit, den Füllstutzen vollständig zu trocknen. Ansonsten besteht die Gefahr einer Vereisung, die ein erneutes Füllen verhindert. Ein regel­mä­ßiges Leeren des Kondens­was­ser­be­hälters vermeidet unerwünschte Keimbildung. Abgewischt werden sollte der Basistank mit einem feuchten Tuch.  Auch dieser sollte vor direkter Sonnen­ein­strahlung (z. B durch ein Fenster) geschützt stehen.

Mobile Abfüll­einheit

Einige Mobil­ein­heiten, z. B. Stroller, besitzen an deren Unter­seite ein Fach, welches ein Stückchen Filz beinhaltet. Dieser hat die Aufgabe, Kondens­wasser aufzu­fangen. Der Filz sollte täglich, am besten über Nacht, heraus­ge­nommen und getrocknet werden. Die Abfüll­be­hälter neigen zu Vereisung, wenn mehrmals täglich abgefüllt wird.

Sauer­stoff­fla­schen

Sauer­stoff­fla­schen lassen sich leicht mit einem feuchten Tuch reinigen. Bei einem Wechsel der Flasche sollte der Patient darauf achten, diese immer luftleer bzw. drucklos zu machen. Der aufge­schraubte Druck­min­derer lässt sich ansonsten nicht abschrauben.

Zubehör

Zubehör, wie Nasen­brillen, Atemgas­be­feuchter, Verlän­ge­rungs­schläuche oder Schlauch­ver­binder, muss regel­mäßig ausge­wechselt und entsorgt werden. Die Hygie­ne­richt­linien des Fachver­bandes SPECTARIS empfehlen ein Auswechseln der Nasen­brille alle  3–4 Wochen. Im Falle von Erkältung oder Schnupfen kann hier natürlich öfter gewechselt werden. Eine Ausnahme bilden Nasen­brillen aus Silikon. Diese sind aus sehr weichem, robustem Material. Bei 14-tägigem Auskochen ist der Wechsel einmal im Jahr vorge­sehen.

Vor allem die Nasen­stutzen sollten täglich vom Nutzer gereinigt werden. Dafür kann warmes, klares Wasser verwendet werden.

In den Leitlinien der Lungen­ärzte zur Durch­führung einer Sauer­stoff­lang­zeit­the­rapie ab einer Sauer­stoffgabe von 2 l/min im konti­nu­ier­lichen Fluss wird eine Befeuchtung empfohlen. Wegen ungenü­gender Hygiene in der Praxis deutet sich ein Verzicht auf diese Empfehlung in den erstmals seit dem Jahr 2007 überar­bei­teten Leitlinien an.

Wer seinen Sauer­stoff anfeuchtet, sollte den Mehrweg­be­hälter halbjährlich auswechseln. Der Behälter und vor allem der Deckel mit dem Stäbchen, sollen alle 1–2 Tage mit abgekochtem oder Steril­wasser neu befüllt werden. Bei jedem Wechsel ist eine Reinigung (z. B. mit Küchen­rolle) und kompletter Wasser­aus­tausch notwendig. Die Behälter können zusätzlich wöchentlich mit 60°C in der Spülma­schine gewaschen werden.

Eine weniger aufwendige Methode ist der Einsatz fertiger Steril­was­ser­packs. Diese reichen ca. 2–3 Wochen in Abhän­gigkeit von der Nutzungs­dauer des Sauer­stoff­systems. Sie werden leer entsorgt.

Verlän­ge­rungs­schläuche sollten alle 6 Monate gewechselt werden. Sie sollten in der Wohnung so verlegt werden, dass sie keine Stolper­fallen bilden und einsehbar bleiben. Beliebt sind Verlän­ge­rungs­schläuche aus Silikon. Diese verdrehen sich nicht und können ausge­kocht werden. Sie haben eine Nutzungs­dauer von bis zu einem Jahr.

Fazit

Zusam­men­fassend bleibt zu sagen, dass gute Hygiene ein wesent­licher Erfolgs­faktor für die Durch­führung einer Sauer­stoff­lang­zeit­the­rapie ist. Der Patient sollte beachten, dass Sauer­stoff ein Brand­be­schleu­niger ist. Nicht nur aus Brand­schutz­gründen sind das Rauchen sowie offenes Feuer in der Nähe eines Sauer­stoff­systems verboten.

Autorin: Heike Naundorf
Leitung Kunden­be­ratung
air-be‑c Medizin­technik GmbH
Telefon 0365 – 20571818
www.air-be‑c.de

Bildnachweis:
Phatmann – Fotolia.com
air-be‑c, Gera
Cegla, Montabaur


Tipp

von Ursula Krütt-Bockemühl, Ehren­vor­sit­zende
Deutsche Sauer­stoff- und BeatmungsLiga LOT e.V.
www.sauerstoffliga.de

Für die praktische und schnelle Reinigung von Medizin­pro­dukten, die auskochbar und mikro­wel­len­ge­eignet sind – z. B. Inhalier­hilfen (Spacer) und Atemthe­ra­pie­geräte, eignet sich der RC-Clean Mikro­wel­len­beutel. Ein Beutel kann bis zu 20 Mal wieder­ver­wendet werden.


Der Beitrag wurde in der Herbst­ausgabe 2019 der Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge veröf­fent­licht.

Schlagwörter: Filter, Flüssigsauerstoff, Hygiene, Langzeit-Sauerstofftherapie, LOT, LTOT, Reinigung, Sauerstoff, Sauerstoff-Langzeittherapie, Sauerstoffkonzentrator, Sauerstoffsystem

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