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Lungensport per Telemeeting

12. Juli 2020

Erfah­rungen als Übungs­lei­terin

Die Vorbe­rei­tungen auf das erste virtuelle Lungen­s­port­training haben Jutta Remy-Bartsch, Westerwald, dann doch das ein oder andere graue Haar gekostet. Weniger aufgrund von   Schwie­rig­keiten bei der Instal­lation des Software­pro­gramms, vielmehr durch Erfah­rungen aus der Vergan­genheit beim „Einfangen“ von Viren. Ja, tatsächlich, auch sog. Compu­ter­viren können für echte Probleme sorgen!

Zwei Wochen nach Beginn des Corona-Lockdowns fing Jutta Remy-Bartsch zunächst damit an, kleine Video­se­quenzen zu drehen. Denn sie weiß: „Bereits zwei Wochen ohne Training machen sich bei der Atemhilfs­mus­ku­latur deutlich bemerkbar.“ Insgesamt 23 Videos mit Übungen zur Atemwahr­nehmung wurden es insgesamt, verschickt zunächst über WhatsApp.

Aber, nicht jedes Mitglied hat WhatsApp. Der Versuch, die Videos per Mail zu versenden, schei­terte am großen Daten­vo­lumen. 

Die Übungen im Detail aufzu­schreiben, dabei jeden wichtigen Einzel­schritt, die richtige Reihen­folge zu berück­sich­tigen, damit sich bei den Lesern und somit Ausfüh­renden letzt­endlich ein Automa­tismus in der Handhabung entwi­ckeln kann und in einer Atemnot­si­tuation deren Anwendung wie von selbst ausge­führt wird, war eine echte Heraus­for­derung.   

Die Unter­lagen per E‑Mail zu versenden bzw. auszu­drucken und per Post zu verschicken, war dagegen fast ein leichtes Unter­fangen.

Doch das Bewusstsein, dass nur, wenn man sich unmit­telbar sieht, direkte Einfluss­nahme, Korrek­tur­hin­weise und auch ein Mitein­ander möglich sind, beschleu­nigten die Suche nach einer optimalen Lösung: ein Training per Telemeeting.

Umsetzung

Aufgrund eines Empfeh­lungs­schreibens des Behin­der­ten­sport­bundes Rheinland-Pfalz fiel die Wahl der notwen­digen Software auf das Programm GoToMeeting. Nach Instal­lation wurde zunächst der Selbsttest durch­ge­führt.

Nach dem die Trainerin von der Sicherheit und Anwendung selbst überzeugt war, wurde an die Teilnehmer ein Rundschreiben mit Erklä­rungen geschickt. Jeder der bereit war es auszu­pro­bieren, konnte sich melden und erhielt dann eine Einladung per SMS oder E‑Mail mit einem Link. Teilnehmen kann prinzi­piell jeder, der ein Smart­phone oder einen Computer, Laptop oder Tablet mit Mikrophon und Kamera mit Inter­net­an­schluss besitzt. Um den Daten­schutz­richt­linien zu entsprechen, ist von jedem Teilnehmer im Vorfeld eine Einver­ständ­nis­er­klärung zu unter­zeichnen.

Das Procedere, um zum Meeting zu gelangen, ist denkbar einfach. Über den übersandten Link gelangt man mit ein paar Klicks zum virtu­ellen Treffen. Alle sehen sich gleich­zeitig auf dem Bildschirm, sprechen hingegen kann immer nur einer. Dabei ist es auch egal, ob man zu Hause oder vielleicht unterwegs (Urlaub/Besuch etc.) ist. Sofern man einen Inter­net­an­schluss in Reich­weite hat, kann jeder überall mitmachen.

Teilnehmer berichten von messbaren Erfolgen auch bei virtu­ellem Training

Den Schwer­punkt legt Jutta Remy-Bartsch auf Übungen der Atemwahr­nehmung und der Dehnung. „Diese Übungen können wunderbar im Sitzen, mit ausrei­chend Platz für Arme und Beine vor dem PC ausge­führt werden.“ Es ist eine etwas andere Einteilung als beim Training in der Halle, in der auch Kraft- und Ausdau­er­übungen möglich sind. Dennoch kommen auch im „Homestudio“ div. Hilfs­mittel wie z. B. Handtücher, Geträn­ke­fla­schen, Besen­stiele oder Strumpf­hosen zum Einsatz.

Maximal 15 Teilnehmer können an einem Telemeeting teilnehmen, es gelten die gleichen Regeln der Gruppen­stärke wie beim Training in der Halle. Denn nur so ist es für Übungs­leiter möglich, alle Teilnehmer „im Auge zu behalten“, um notwendige Korrek­turen vorzu­nehmen. Die Abrechnung des Video­trai­nings als Reha-Sport-Training über die gesetz­lichen Kranken­kassen D seit dem 03. April 2020 bis zunächst 30. September 2020 gestattet.

In der prakti­schen Umsetzung ist das Online­training noch etwas Neues, es bietet denen, die über das technische Equipment verfügen, eine gewisse, wenn auch nicht ganz vergleichbare Alter­native. „Auch online kann neben den gemein­samen Übungen mitein­ander gelacht und ein bisschen erzählt werden, was ein wenig der fehlenden Nähe zurück­bringt.“

Dennoch freuen sich alle auf ein Wieder­sehen in gewohnter Umgebung.

Hinweis: Infor­ma­tionen zum Lungen­sport und ein aktuelles Register bundes­weiter Lungen­s­port­gruppen finden Sie bei der AG Lungen­sport auf www.lungensport.org


Bildnachweis:
Sabine Habicht, Lindau
Augustas Cetkauskas, Adobe­Stock

Text:
Sabine Habicht, Redak­ti­ons­leitung Patienten-Bibliothek

Der Beitrag wurde in der Sommer­ausgabe 2020 der Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge veröf­fent­licht.

Schlagwörter: Atemwahrnehmung, Atemwege, COPD, Dehnung, Lunge, Lungenemphysem, Lungensport, tägliches Training, Telemeeting, Training, Webinar

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