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Lippenbremse der besonderen Art

09. Mai 2020

Didge­ridoo trifft Atemthe­rapie

Im Rahmen einer Vorstudie wird an der Lungen­klinik in Bethanien in Moers ein außer­ge­wöhn­liches Experiment durch­ge­führt. Mitglieder der Atemwegs­gruppe der Patien­tenliga bringen zwei Mal täglich Didge­ridoos, das tradi­tio­nelle Blasin­strument der Urein­wohner Austra­liens, zum Tönen. Durch regel­mäßige Lungen­funk­ti­ons­mes­sungen und der Dokumen­tation von akuten Verschlech­te­rungen (Exazer­ba­tionen) soll überprüft werden, ob sich ein positiver Einfluss auf die COPD der Teilnehmer nachweisen lässt.   

Bei einer COPD (chronisch veren­gende Bronchitis und/oder Lungen­em­physem) verändern sich die Atemwege, was mit dem Gefühl einhergeht, nicht genügend Luft zu bekommen. Schwer vorstellbar also, dass Patienten mit dieser Atempro­ble­matik ein Blasin­strument spielen können, für das sie besonders tief Luft holen müssen.

Dr. Thomas Voshaar mit Teilnehmern der Studi­en­gruppe

Die Erklärung liegt in der notwen­digen Atemtechnik, die erfor­derlich ist, um das Didge­ridoo überhaupt zum Tönen zu bringen: Der Atem muss gedrosselt werden, um den charak­te­ris­tisch imposanten Ton zu erzeugen – eine Technik, die der Lippen­bremse* gleich kommt.

Fast beiläufig wird beim Erlernen der Technik des Spiels die Atemtechnik trainiert, die für COPD-Patienten besonders wichtig ist.

Und ein weiterer Effekt kommt hinzu: Die körper­eigene Vibration, die beim Spielen erzeugt wird, wirkt sich zudem positiv auf das Abhusten aus, denn dank ihr löst sich der Schleim in den Bronchien besser.

Die Teilnehmer nehmen eine positive Auswirkung auf ihr Wohlbe­finden wahr. Ob eine Verbes­serung des gesund­heit­lichen Zustandes auch messbar ist, werden die Ergeb­nisse der Vorstudie dokumen­tieren.

Dr. Thomas Voshaar, Ärztlicher Direktor der Stiftung Krankenhaus Bethanien und Leiter des Inter­dis­zi­pli­nären Lungen­zen­trums am Krankenhaus Bethanien hat die Didge­ridoos, mit denen die Studi­en­teil­nehmer täglich üben, gespendet.

Dr. Thomas Voshaar

„Gerade bei chroni­schen Erkran­kungen wie der COPD sagen wir unseren Patien­tinnen und Patienten immer wieder, dass die ärztliche Behandlung alleine nicht ausreicht, um eine gute Lebens­qua­lität zu erhalten oder zurück­zu­ge­winnen. Einen maßgeb­lichen Teil ihres Gesund­heits­zu­standes haben sie selbst in der Hand. Im Rahmen der besten Atem- und Physio­the­rapie ein Instrument zu spielen und dabei Spaß zu haben, würde ich als Königsweg bezeichnen“

so Dr. Thomas Voshaar, der die Studi­en­gruppe gemeinsam mit der Vorsit­zenden des Ortsver­bandes, Petra Arndt und der Atem- und Entspan­nungs­the­ra­peutin Beate Wargalla begleitet.

Quelle: Lungen­klinik Bethanien, Moers – www.bethanien-moers.de

Text/Redaktion: Sabine Habicht, Redak­ti­ons­leitung Patienten-Bibliothek


Deckblatt

Veröf­fent­licht in der Frühjahrs­ausgabe 2020 der Fachzeit­schrift "Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge" www.Patienten-Bibliothek.de

Fotos: Lungen­klinik Bethanien, Moers

Schlagwörter: Atemphysiotherapie, Atemtherapie, COPD, Lippenbremse, Lunge, Lungenemphysem, Lungenklinik Bethanien

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