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Inhalatoren richtig reinigen

26. Juli 2020

Neben der richtigen Anwen­dungs­technik ist die korrekte Reinigung der Inhala­toren gleicher­maßen wichtig

Arznei­mittel zum Inhalieren
Um mit inhala­tiven Arznei­mitteln die bestmög­liche Wirkung zu erzielen, ist die richtige Anwen­dungs­technik das A und O. Was dabei jedoch oft vernach­lässigt wird, ist die korrekte Reinigung der Geräte. Welche Grund­regeln hierfür gelten, und was bei den einzelnen Inhala­toren speziell zu beachten ist, erfahren Sie hier.

Welchen Inhala­tortyp setze ich ein?

Im Hinblick auf die korrekte Reinigung eines Inhala­ti­ons­arz­nei­mittels gilt es als erstes die Frage zu klären: Um was für einen Gerätetyp handelt es sich bei meinem Inhalator überhaupt?

Inhala­ti­ons­arz­nei­mittel tragen gewöhnlich zwei Namen: Beim voran­ge­stellten handelt es sich in der Regel um den Wirkstoff-  bzw. den Fertig­arz­nei­mit­tel­namen, der nachge­stellte Name steht dann meist für den Inhala­tortyp. Beispiel „Foster® Nexthaler®“: Hier ist Foster® der Name des Fertig­arz­nei­mittels mit den Inhalts­stoffen Beclo­me­tason und Formo­terol. „Nexthaler®“ ist der Name des Gerätes – im Fachjargong auch Device genannt. Das Präparat Foster® gibt es mit derselben Wirkstoff­kom­bi­nation außer in Form des Pulver­in­ha­lators Nexthaler® auch noch als Dosier­ae­rosol.

Manche Devices kommen aber auch mit verschie­denen Wirkstoffen auf den Markt. So gibt es z.B. den Inhalator Turbohaler® sowohl als „Symbicort® Turbohaler®“ mit den Wirkstoffen Budesonid und Formo­terol als auch z. B. als „Oxis® Turobohaler®“, der nur Formo­terol enthält. Im Hinblick auf die ordnungs­gemäße Reinigung ist allein der Inhala­tortyp maßgebend.

Inhala­toren im Überblick

Zu inhalie­rende Arznei­mittel lassen sich in zwei große Gruppen unter­teilen:

Da gibt es zum einen die Dosier­ae­rosole. Sie enthalten eine Wirkstoff-Treib­gas­mi­schung in einer Wirkstoff­pa­trone, die in einer Kunst­stoff­hal­terung sitzt. Die entspre­chenden Arznei­mittel tragen in der Regel die Bezeichnung „Dosier­ae­rosol“. Eine Sonderform stellen atemzug­ge­trig­gerte Dosier­ae­rosole dar. Hier wird der Sprühstoß nicht durch manuellen Druck auf die Patrone, sondern durch den Atemzug ausgelöst, so z. B. beim Autohaler®, Easi-Breath® oder k‑haler®. Eine weitere Dosier­ae­rosol-Ausnahme ist der Respimat®. Er arbeitet statt mit Treibgas nach einem Düsen­prinzip.

Die zweite große und recht mannig­faltige Gruppe an inhala­tiven Arznei­formen bilden die Pulver­in­ha­la­toren. Sie enthalten den Wirkstoff nicht als Lösung oder Suspension, sondern pulver­förmig. Hier unter­scheidet man Einzel- und Mehrdo­sen­systeme. Einzel­do­sen­systeme enthalten die zu inhalie­rende Wirkstoff­menge bereits exakt einzeln vordo­siert – entweder einge­schweißt in Blister­näpfen (z. B. Diskus®, Ellipta®, Elpenhaler®, Forspiro®) oder in Form von Inhalier­kapseln, die der Anwender ins Gerät einlegen muss (z. B. Aerolizer®, Breezhaler®, Cyclohaler®, HandiHaler®, Zonda®). Da der Wirkstoff bei Einzel­do­sen­sys­temen einzeln verpackt vorliegt, sind diese Systeme bei der Reinigung weniger feuch­tig­keits­emp­findlich als Mehrdo­sen­systeme.

Pulver­in­ha­la­toren

Letztere enthalten ein Pulver­re­servoir, aus dem beim Betätigen des Geräts die zu inhalie­rende Pulver­menge durch einen mecha­ni­schen Vorgang abgeteilt wird (z. B. Easyhaler®, Genuair®, Nexthaler®, Novolizer®, Spiromax®, Turbohaler®). Voraus­setzung für ihre einwand­freie Funktion ist die gute Riesel­fä­higkeit der enthal­tenen Wirkstoff-Hilfs­stoff-Pulver­mi­schung, weshalb diese Geräte niemals mit Feuch­tigkeit in Kontakt kommen dürfen!

Faust­regel

Aus dieser Geräte­sys­te­matik ergibt sich bezüglich Reinigung eine grobe Faust­regel:

Dosier­ae­rosole sind recht feuch­tig­keits­re­sistent und können feucht bzw. ihr Gehäuse unter fließendem Wasser gereinigt werden. Ausnahmen sind dabei zu beachten.

Pulver­in­ha­la­toren mit Einzel­do­sen­system müssen nach feuchter Reinigung bis zur nächsten Anwendung gut trocknen. Bei der Reinigung von Mehrdosen-Pulver­in­ha­la­toren darf in der Regel nur mit einem trockenen Tuch oder Pinsel hantiert werden.

Was die Reini­gungs­fre­quenz angeht, so wird in den Gebrauchs­in­for­ma­tionen meist eine einmal wöchent­liche, manchmal aber auch eine mehrmals wöchent­liche Reinigung vorge­geben. Letztlich sollte für den Anwender aber der Verschmut­zungsgrad ausschlag­gebend sein. In beson­deren Situa­tionen wie z. B. während eines Atemweg­in­fekts empfiehlt es sich aus hygie­ni­schen Gründen, das Mundstück nach jeder Anwendung zu säubern.

Dosier­ae­rosole

Reinigung von Dosier­ae­ro­solen
Das Mundstück gewöhn­licher Dosier­ae­rosole kann, nachdem die Verschluss­kappe abgenommen wurde, an Außen- und Innen­seite mit einem feuchten Tuch abgewischt werden. Alter­nativ zieht man die Patrone aus dem Gehäuse heraus und spült letzteres unter fließendem Wasser aus. Anschließend muss das Gehäuse gut abtrocken, bevor die Wirkstoff­pa­trone wieder einge­setzt wird. Die Wirkstoff­pa­trone selbst darf weder unter dem Wasserhahn abgespült noch ins Wasser getaucht werden!

Beispiel für Dosier­ae­rosol

Vor allem Dosier­ae­rosole, die eine Suspension enthalten, z. B. mit den Wirkstoffen Salbu­tamol, Salme­terol etc„ neigen zur Bildung weißer Ablage­rungen von Wirkstoff­resten an der Ventil­öffnung. Diese dürfen nicht mecha­nisch bearbeitet werden! Lassen sich die weißen Verkrus­tungen mit Wasser nicht vollständig entfernen, kann ein Watte­stäbchen zu Hilfe genommen werden – niemals jedoch spitze oder harte Gegen­stände.

Der atemzug­ge­trig­gerte Easi-Breathe® muss vor der Reinigung ausein­an­der­ge­schraubt werden: Hierzu wird das obere Gehäu­seteil aufge­dreht, die Wirkstoff­pa­trone heraus­ge­nommen und dann das Kunst­stoff­ge­häuse mit Wasser gereinigt. Auch hier gilt: Vor dem Zusam­men­bauen gut austrocknen lassen!

Andere atemzug­ge­trig­gerte Dosier­ae­rosole wie der Autohaler® oder k‑haler® dürfen dagegen zur Reinigung nicht ausein­an­der­gebaut werden. Hier können Innen- und Außen­seite des Mundstücks mit einem trockenen Tuch abgewischt werden.

Spezielle Vorgaben beachten
Bei manchen Dosier­ae­rosol-Fertig­prä­pa­raten sind bei der Reinigung spezielle Vorgaben zu beachten.

Beispiel Foster® Dosier­ae­rosol: Hier weist die Gebrauchs­an­weisung darauf hin, dass das Druck­be­hältnis nicht aus dem Gehäuse entfernt und kein Wasser zur Reinigung verwendet werden darf. Hinter­grund ist, dass bei unzurei­chender Trocknung am Düsen­aus­tritt Wirkstoff­an­teile ausflocken und die Öffnung verstopfen könnten. Das Reinigen mit einem trockenen Watte­stäbchen ist auch hier eine mögliche Alter­native.

Obwohl der Respimat® recht feuch­tig­keits­un­emp­findlich ist, wird in der Gebrauchs­an­weisung für die Reinigung des Mundstücks einschließlich der darin liegenden Metalldüse ein feuchtes Tuch oder Papiertuch vorge­schlagen.

Was gilt für Spacer?

Auch Spacer, die vor allem in Kombi­nation mit korti­ko­id­hal­tigen Dosier­ae­ro­solen sehr sinnvoll sind, wollen gereinigt werden. Die Detail­vor­gaben sind auch hier von Gerät zu Gerät unter­schiedlich. So gilt z.B. für die Vortex®, dass zur regel­mä­ßigen Reinigung die blaue Schutz­kappe geöffnet und das Mundstück von der Inhalier­kammer abgenommen wird – der blaue Anschlussring bleibt aufge­setzt.

Alle Teile werden in warmes Leitungs­wasser mit etwas Spülmittel gelegt und anschließend mit klarem Wasser nachge­spült. Alter­nativ können die Spacer-Teile stehend im Geschirrkorb der Spülma­schine bei mindestens 50 Grad gereinigt werden.

Spacer mit Dosier­ae­rosol

Der Hersteller empfiehlt außerdem mindestens einmal wöchentlich, bei akuten Infekten sogar täglich, den Spacer zu desin­fi­zieren. Hierzu werden die Teile entweder in einen Vapori­sator oder 5 Minuten schwimmend in kochendes Wasser gelegt. Anschließend müssen die Einzel­teile ausge­breitet bei Raumtem­pe­ratur austrocknen. Dank ihrer antista­ti­schen Eigen­schaft, die z. B. auch Aero Chamber® besitzt, kann der Spacer ebenso mit einem fussel­freien Geschirrtuch abgetrocknet werden.

Pulver­in­ha­la­toren

Feuch­tig­keits­emp­find­liche Inhalier­kapseln
Sämtliche Inhala­toren, die mit Inhalier­kapseln bestückt werden, müssen vor der Anwendung komplett trocken sein. Nur dann lässt sich die Kapsel mit den im Device einge­bauten Lanzetten exakt anstechen und der Pulver­inhalt kann beim Inhalieren vollständig aus der Kapsel heraus­ge­wirbelt werden.

Trotz dieses überein­stim­menden Prinzips sind die Firmen­an­gaben zur Reinigung der einzelnen Geräte sehr unter­schiedlich: z. B. dürfen Aerolizer® Breezhaler® und Zonda® demnach niemals mit Wasser, sondern nur mit einem trockenen Tuch (Mundstück) oder Pinsel (Kapsel­kammer) gesäubert werden. Beim  Cyclohaler® soll das Mundstück zuvor vom Inhala­tor­ge­häuse abgenommen und dann mit lauwarmem Wasser ausge­spült werden und bis zum nächsten Gebrauch komplett austrocknen. Das Inhala­tor­ge­häuse sowie insbe­sondere die gedrückten Perfo­ra­ti­ons­nadeln sollen mit einem Pinsel, nicht mit Wasser gereinigt werden.

Ganz anders der HandiHaler®: Hier ist gemäß Firmen­an­gaben einmal pro Monat eine gründ­liche Reinigung durch­zu­führen. Hierzu werden Schutz­kappe, Mundstück und Geräte­un­terteil aufge­klappt und das komplette Gerät unter fließend lauwarmem Wasser ausge­spült. Anschließend wird das aufge­klappte Gerät auf einem trockenen Tuch 24 Stunden ausgelegt, damit es bis zur nächsten Anwendung vollkommen ausge­trocknet ist. Zwischen den Anwen­dungen kann die Außen­seite des Mundstücks mit einem feuchten Tuch abgewischt werden.

Ausein­an­der­baubare Ausnahme
Obwohl Einzel­do­sen­systeme, die mit in Blister verpackten Pulver­por­tionen arbeiten, relativ feuch­tig­keits­un­emp­findlich sind, weisen die zustän­digen Firmen bei z. B. Diskus®, Ellipta®, Elpenhaler®, Forspiro® darauf hin, dass zur Reinigung des Mundstücks nur ein trockenes Tuch verwendet werden darf. Abgesehen vom Elpenhaler® können die Devices auch nicht geöffnet werden. Pulver­reste, die sich nach mehrma­ligem Bedienen manchmal im Gehäuse ansammeln, können also nicht entfernt werden. Das beein­trächtigt die Funkti­ons­fä­higkeit der Geräte aber in der Regel nicht.

Unter den Mehrdo­sen­pul­ver­in­ha­la­toren nimmt der Novolizer® eine Sonder­stellung ein, denn er ist wieder­be­füllbar und sollte zumindest vor jedem Patro­nen­wechsel gereinigt werden. Hierzu wird zunächst die Schutz­kappe vom Mundstück entfernt und dieses dann durch kurzes Drehen gegen den Uhrzei­gersinn gelockert, so dass es sich abnehmen lässt. Anschließend wird der sogenannte Dosier­schlitten, der als schmale Schiene an der Gehäu­se­un­ter­seite sitzt, nach vorne abgezogen. Im Gerät vorhandene Pulver­reste können nun durch leichtes Ausklopfen und ein fussel­freies trockenes Tuch entfernt werden – niemals jedoch mit Wasser oder sonstigen Reini­gungs­mitteln.

Nur mit einem trockenen Tuch
Obwohl der Genuair® äußerlich und im Anwen­dungs­ablauf dem Novolizer® sehr ähnelt, kann dieser nicht wieder befüllt und zur Reinigung auch nicht ausein­an­der­gebaut werden. Für den Genuair® gilt analog zu den anderen Mehrdo­sen­sys­temen mit einge­bautem Pulver­re­servoir wie z. B. Easyhaler®, Nexthaler®, Turob­haler®, Spiromax®: Die Reinigung des Mundstücks ist nur mit einem trockenen Tuch erlaubt.

Die genannten Mehrdo­sen­pul­ver­in­ha­la­toren dürfen wegen der Feuch­tig­keits­emp­find­lichkeit des einge­bauten Pulver­re­ser­voirs niemals mit Wasser oder anderen Flüssig­keiten in Kontakt gebracht werden.

Deshalb ist es bei diesen Geräten auch so wichtig, beim Inhalier­vorgang niemals verse­hentlich ins Gerät hinein zu atmen und sie nach der Anwendung sofort wieder zu verschließen.

Übrigens: Aus demselben Grund sollten Sie diese Devices nicht in feuchten Räumen wie Badezimmer oder Küche aufbe­wahren und Feuch­tig­keits­schutz­boxen, wie sie z. B. zum Easyhaler® kostenfrei in der Apotheke angeboten werden, in jedem Fall nutzen.


Autorin: Chris­tiane Weber
Apothe­kerin und Fachjour­na­listin
Reutlingen

Bildnach­weise:
Chris­tiane Weber, Reutlingen
Deutsche Atemwegsliga e.V. www.atemwegsliga.de
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Dieser Beitrag wurde in der Herbst­ausgabe 2019 der Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge veröf­fent­licht.

Schlagwörter: Anwendungstechnik, Asthma, COPD, Device, Dosieraerosol, Hygiene, inhalative Arzneimittel, Inhalator, Inhalatoren, Lungenemphysem, Lungenfibrose, Pulverinhalation, Reinigung, Respimat, Spacer

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