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FeNO-Messung bei Asthma

25. Juli 2020

FeNO – Hilfreich bei Diagnostik und Langzeit­the­rapie

Sie haben einen Arzt aufge­sucht wegen anfalls­artig auftre­tender Luftnot, weil Sie Beschwerden („Giemen“) beim Ausatmen verspüren, trockenen Husten haben und manchmal beim Atmen unter Engegefühl in der Brust leiden? Nach Schil­derung Ihrer Symptome wurde ein Asthma bronchiale vermutet, da solche Beschwerden typisch sind für diese Erkrankung der Bronchi­al­schleimhaut. Asthma ist eine der häufigsten Erkran­kungen der unteren Atemwege. Ob der Arzt mit seinem Verdacht richtig lag, sollte beim Lungenarzt genauer abgeklärt werden. Dafür gibt es mehrere diagnos­tische Verfahren.

Die beschrie­benen Beschwerden sind die Folge einer Schleim­haut­ent­zündung. Je ausge­prägter die Entzündung ist, desto schlechter geht es dem Patienten und desto inten­siver muss die Therapie sein. Wurde die Ursache der Beschwerden erst einmal gefunden, ist ein Asthma in den meisten Fällen sehr gut behan­delbar.

Um den Asthma­ver­dacht zu bestä­tigen, stehen dem Lungenarzt verschiedene diagnos­tische Methoden zur Verfügung. Er kann damit verschie­denen Asthma­formen diffe­ren­zieren, eine Abgrenzung zu anderen chroni­schen Lungen­er­kran­kungen wie z. B. der COPD vornehmen sowie den Schwe­regrad und die Entzün­dungs­in­ten­sität beurteilen. Neben der ausführ­lichen Befragung des Patienten nutzt er auch technische Messver­fahren wie die Lungen­funk­ti­ons­un­ter­su­chung (Spiro­metrie oder abgekürzt auch als Lufu bezeichnet), die Peak-Flow-Messung oder den bronchialen Provo­ka­ti­onstest. Oft wird die Spiro­metrie (Lungen­funk­ti­ons­messung) ausreichen, um die Diagnose zu bestä­tigen. Aber nicht in jedem Fall erhält der Arzt alle erfor­der­lichen Infor­ma­tionen, da zum Zeitpunkt der ärztlichen Unter­su­chung mögli­cher­weise keine Bronchi­en­ver­engung vorliegt.

Ergän­zende Unter­su­chungs­me­thoden, wie die sog. FeNo-Messung (fraktio­niertes exhaliertes NO = Messung von Stick­stoff­monoxid in der Ausatemluft), können einge­setzt werden, um das Ausmaß der eosino­philen Atemwegsnt­zündung beim aller­gisch bedingten Asthma, was bei 70 % der Patienten der Fall ist, zu bestimmen. Erhöhte Entzün­dungs­werte können bereits vor dem Auftreten von Symptomen oder Lungen­funk­ti­ons­ver­än­de­rungen auf ein sich entwi­ckelndes Asthma hinweisen.

Was ist NO?

Stick­stoff­monoxid (NO) ist ein wichtiger Boten­stoff, der an verschie­denen Stellen im Organismus gebildet wird, unter anderem im Blutge­fäß­system, in den Atemwegen und im Nerven­system. Darüber hinaus spielt NO bei der Abwehr von Infek­tionen und bei verschie­denen Entzün­dungs­pro­zessen eine Rolle.

In den Atemwegen wird NO haupt­sächlich von den Bronchien ausklei­denden Schleim­haut­zellen (Epithel­zellen) produ­ziert. Dabei treten die höchsten Konzen­tra­tionen in den Nasen­ne­ben­höhlen auf, im Bronchi­al­system sind die Konzen­tra­tionen um ein Vielfaches niedriger.

Wie wird gemessen?

Der Patient atmet zunächst tief aus, dann folgt ein tiefer Einatemzug über das Gerät. Dabei wird durch einen Filter das einge­atmete NO aus der Umgebungsluft entfernt, sodass der Patient NO-freie Luft einatmet. Über einen Zeitraum von zehn Sekunden muss langsam und gleich­mäßig gegen einen Wider­stand ausatmen.

Die Normal­werte hängen u. a. von der Körper­größe und vom Geschlecht ab, Frauen haben niedrigere Werte als Männer, Kinder niedrigere Werte als Erwachsene. Gemessen wird in der Einheit ppb (parts per billion).

Als Normwerte gelten kleiner als 25 ppb bei Erwach­senen (bei Kindern <20 ppb).

Werte über 50 ppb (bei Kindern >35 ppb) hingegen weisen auf eine aktive Entzündung der Atemwege hin.

Was ist hinsichtlich der Messung zu beachten?

Folgende Infor­ma­tionen sind im Zusam­menhang mit einer FeNO-Messung zu beachten:

  • Die Messung sollte möglichst vor einer Lungen­funk­ti­ons­messung bzw. der damit einher­ge­henden Bronchi­e­n­er­wei­terung (Broncho­di­lation) erfolgen, da diese zu falsch niedrigen Werten führen kann.
  • Nitrat­haltige Nahrungs­mittel, wie z. B. Salat, gepökelte Fleisch­waren, Spinat, Kohlgemüse etc., können die FeNO-Werte erhöhen. Am Tag der Messung sollten daher nitrat­haltige Nahrungs­mittel gemieden werden.
  • Vorlie­gende Infekte, wie z. B. eine Erkältung, Schnupfen, können die Werte erhöhen.
  • Rauchen kann zu niedri­geren Messwerten führen, daher ist es wichtig, den Arzt  darüber infor­mieren.  

Wann kann der Einsatz einer FeNO-Messung bei Asthma oder anderen chroni­schen Atemwegs­er­kran­kungen sinnvoll sein?

Indivi­duell je nach Erkran­kungs­si­tuation kann eine ergän­zende FeNO-Messung hilfreich in Diagnostik und Langzeit­the­rapie sein:

  • als Hinweis auf eine eosino­phile Atemwegs­ent­zündung innerhalb der Diagnostik eines Asthma bronchiale
  • als Entschei­dungs­hilfe bei Asthma als auch COPD und anderen chroni­schen Erkran­kungen der Atemwege, ob ein Thera­pie­versuch mit Kortison sinnvoll ist
  • zur Thera­pie­ver­laufs­kon­trolle, ob die antient­zünd­liche Therapie ausrei­chend ist bzw. gemäß der Verordnung angewendet wird
  • zur Risiko­ein­schätzung nach Absetzen einer inhala­tiven Korti­son­the­rapie, zur Klärung der Frage, ob ein erhöhtes Risiko für eine erneute Verschlech­terung vorliegt

In der aktuellen Natio­nalen Versor­gungs­Leit­linie Asthma vom 21 .09.2018 ist folgendes Statement zur FeNO-Messung abgebildet:

Der diagnos­tische Zusatz­nutzen von FeNO in der Primär­dia­gnostik ist Gegen­stand aktueller Forschung. Konfir­ma­to­rische Studien (d.h. Studien, die die berech­tigte Annahme der Wirksamkeit überprüfen sollen) liegen noch nicht vor. Das Vorliegen von hohen FeNO-Werten erhöht die Wahrschein­lichkeit für die Diagnose Asthma und für das Ansprechen auf ICS (Kortison). Ein niedriger FeNO-Wert schließt die Diagnose Asthma nicht aus.

Werden die Kosten einer FeNO-Messung erstattet?

Nein, derzeit zählt die FeNO-Messung zu den sog. indivi­du­ellen Gesund­heits­leis­tungen (IGeL) und werden nicht von der gesetz­lichen Kranken­ver­si­cherung übernommen. Gesetzlich Versi­cherte müssen ca. 20–30 Euro selbst zahlen.

Private Kranken­ver­si­che­rungen erstatten die Messung nach der für Ärzte geltenden Gebüh­ren­ordnung. 

Weitere Infor­ma­tionen zur FeNO-Messung finden Sie im gleich­na­migen Infor­ma­ti­ons­flyer der Deutschen Atemwegsliga e.V. – siehe www.atemwegsliga.de.


Bildnachweis:
FeNOM Pro

Text:
Elke Klug, freie Medizin­jour­na­listin, Berlin und Sabine Habicht, Redak­ti­ons­leitung Patienten-Bibliothek

Quellen/Auszug:
Infor­ma­ti­ons­flyer der Atemwegsliga, Leitlinie Asthma 2018


Dieser Beitrag wurde in der Herbst­ausgabe 2019 der Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge veröf­fent­licht.

Schlagwörter: Asthma, Atemwege, Ausatemluft, Entzündungsprozess, FeNO, FeNO-Messung, Infektion, NO, Stickstoffmonoxid

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