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Mekka für Sauerstoff-Patienten

30. Mai 2020

Fragen ausdrücklich erwünscht!

Die LOT-Gruppe Augsburg feierte 2019 15 jähriges Bestehen, ein Jubiläum, das auch ganz eng mit der Geschichte von Ursula Krütt-Bockemühl verknüpft ist.

Mein Leben mit drei lebens­er­hal­tenden Therapien
Im Alter von 36 Jahren erhielt ich die Diagnose Bronchiek­tasen.

Im Jahr 2000 wurde aufgrund der *Bronchiek­tasen eine Langzeit-Sauer­stoff­the­rapie erfor­derlich – meine erste lebens­er­hal­tende Therapie. Seit dieser Zeit kommt 2‑wöchentlich der Sauer­stoff­lie­ferant, füllt jeweils den 60 Liter Tank im Haus und zusätzlich den 20 Liter Reisetank im Auto – um meine Mobilität bestmöglich zu erhalten.

Im November 2011 begann meine zweite lebens­er­hal­tende Therapie, die aufgrund von *Zysten­nieren notwendig wurde. 3x wöchent­liche „Wasch­vor­gänge“ der Dialyse als Nieren­er­satz­the­rapie, je 4,15 Stunden, sind notwen­diger Bestandteil meines Lebens.

Meine dritte lebens­er­hal­tende Therapie ist das Engagement für die Deutsche Selbst­hil­fe­gruppe der Langzeit-Sauer­stoff­the­rapie – die Deutsche Sauer­stoff- und BeatmungsLiga LOT e.V. – die mit Gründung der LOT-Gruppe Augsburg begann.

Ursula Krütt-Bockemühl (66)
Ehren­vor­sit­zende der Deutschen Sauer­stoff- und BeatmungsLiga LOT e.V.
Leiterin der Selbst­hil­fe­gruppen Augsburg, Landsberg und Lindau

LOT-Gruppe Augsburg

Wie alles begann, schil­derten bei der Jubilä­ums­feier in Augsburg Dr. Andreas Hellman, Lungen­facharzt und Armin Käsbohrer, VIVISOL Deutschland in launigen Rückblicken und spiegeln damit gleich­zeitig eine starke Verbun­denheit und tiefen gegen­sei­tigen Respekt wider.

Im Herbst des Jahres 2003 startete der Sauer­stoff­ver­sorger VIVISOL eine Kunden­zu­frie­den­heits­um­frage, so Armin Käsbohrer. Insgesamt 150 Frage­bögen wurden an zufällig ausge­wählte Sauer­stoff­pa­ti­enten versandt. Die Ergeb­nisse waren fast zu gut…bis auf einen Frage­bogen. Die Rückmeldung viel völlig aus dem Rahmen: der Absender hatte sich intensiv mit dem Frage­bogen ausein­an­der­ge­setzt, viele handschrift­liche Anmer­kungen notiert, mehr Service, Einweisung wurden gewünscht und konkrete Hinweise sowie Vorschläge aufge­zeigt, mit der klaren Botschaft: Es geht noch besser.

Grund genug, mit der Absen­derin in Kontakt zu treten, denn: „Da muss man doch was tun!“ Ein persön­licher 30-Minuten-Termin wurde vereinbart. Das intensive Gespräch zwischen Armin Käsbohrer und Ursula Krütt-Bockemühl endete nach vier Stunden mit dem Bewusstsein, viel vonein­ander lernen und bewegen zu können.   

Dr. Andreas Hellmann ermun­terte Ursula Krütt-Bockemühl ein Treffen mit Sauer­stoff­pa­ti­enten zu organi­sieren. Bereits beim ersten Treffen 2004 kamen mehr als 50 Patienten, die Selbst­hil­fe­gruppe Augsburg wurde gegründet. Seitdem werden regel­mäßig jeden Monat Treffen durch­ge­führt. Stets mit Infor­ma­tionen aus erster Hand sowie der Möglichkeit, technische Innova­tionen unmit­telbar kennen­zu­lernen. Unzählige Referenten jeglicher Fachrichtung konnten für Vorträge gewonnen werden, so dass keine Frage unbeant­wortet blieb – immer im Sinne der Hilfe zur Selbst­hilfe. 

Die Zahl der Mitpa­ti­enten in Augsburg wuchs rasch, das „Praxis-Café“ als Treff­punkt wurde bald zu klein. Die Anbindung an das „diako“ (Ev. Diako­nis­sen­an­stalt mit Krankenhaus, Ärztehaus und Senioren-Pflegeheim) wie ebenso an das Lungen­zentrum Augsburg erwies sich als eine gute Wahl, denn beide sind in Augsburg bekannt und bewährt.

Zudem etablierte sich die Lungen­praxis zu einem Kompe­tenz­zentrum für Sauer­stoff.
Ergänzt durch das VIVISOL Atemcenter und die Zweig­stelle für Konzen­tra­toren der air-be‑c Medizin­technik können in Augsburg alle Fragen zur Sauer­stoff­the­rapie fachmän­nisch geklärt werden.  

Vielleicht hat zudem die ganz persön­liche „Note“ in der Betreuung und Begleitung der Mitglieder und Aktiven ebenfalls dazu beigetragen, dass die Augsburger Gruppe als ein „Mekka“ für Sauer­stoff­pa­ti­enten angesehen wird.  

Was damals in Augsburg begann, hat sich im Laufe der Jahre zu einem regel­rechten Dreh- und Infor­ma­ti­ons­kreuz für Sauer­stoff­pa­ti­enten entwi­ckelt – weit über die Stadt­grenzen hinaus.

…als dritte lebens­er­hal­tende Therapie

„Ganz persönlich bin ich jedem Mitglied, jedem ´Frage­steller´, jedem ‘Aktiven´ sehr dankbar, denn unsere Treffen und unsere Gespräche empfinde ich immer als Motivation, die wiederum – davon bin ich überzeugt – vielleicht einen nicht unerheb­lichen Einfluss darauf hat, dass ich nunmehr seit 19 Jahren mit der Langzeit-Sauer­stoff­the­rapie leben“, formu­liert Ursula Krütt-Bockemühl.

Sohn Ben unter­streicht während der Jubilä­ums­feier diese Bedeutung und ermuntert alle Teilnehmer: „Die Therapie meiner Mutter sind Sie. Rufen sie Sie an, stellen Sie viele Fragen. Die Aufgaben sind eine starke Motivation und ein mentaler Antrieb. Das Schlimmste, was bei uns zu Hause passieren kann, ist daher nicht der klassische Rohrbruch, sondern der Ausfall von Internet und Telefon.“

Frauen­power – Vorstands­arbeit zusammen mit Frau Dr. Krause-Michel, 2005–2013

Viele Ideen, Aufgaben und Projekte wurden in den vergan­genen Jahrzehnten gemeinsam mit einem stetig wachsenden Netzwerk von „Sauer­stoff-Aktivisten“ und während der Zeit innerhalb  des Bundes­ver­bandes der Deutschen Sauer­stoff- und BeatmungsLiga reali­siert, wie beispiels­weise:

  • das seit 2005 jährliche Treffen „Sauer­stoff meets friends“ am Ammersee mit Dampfer­fahrt, unter­stützt von VIVISOL.
  • Beratungs- und Vortrags­ak­ti­vi­täten, z. B. mit dem LOT-Schulungs­mobil im gesamten Bundes­gebiet.
  • Aktivi­täten als Referentin und Organi­sa­torin der O2-Assis­ten­tinnen-Ausbil­dungen für Pneumo­lo­gische Fachan­ge­stellte. 

Scheuen Sie sich also nicht, Kontakt aufzu­nehmen und Fragen zur Sauer­stoff­the­rapie zu stellen!

Übrigens, der Sauer­stoff-Chat unter Moderation von Ursula Krütt-Bockemühl findet konti­nu­ierlich statt. Nähere Infor­ma­tionen dazu finden Sie auf www.sauerstoffliga.de

Kontakt
Ursula Krütt-Bockemühl
Sauer­stoff­gruppe Augsburg
Telefon 01773713517
augsburg@sauerstoffliga.de

Deutsche Sauer­stoff- und BeatmungsLiga LOT e.V.
Geschäfts­stelle – Claudia Seebacher
Frühlings­straße 1, 83435 Bad Reichenhall
Telefon 08651 – 762148
geschaeftsstelle@sauerstoffliga.de
www.sauerstoffliga.de


*Bronchiek­tasen sind krank­hafte Erwei­te­rungen bzw. Aussa­ckungen in den bronchialen Atemwegen der Lunge, die nicht rever­sibel sind. Bronchiek­tasen können angeboren sein oder infolge von häufigen Infek­tionen oder chroni­schen Lungen­er­kran­kungen, wie z. B. COPD oder Mukovis­zidose, entstehen. Häufig ist die Ursache unbekannt.

Grund­sätz­licher Auslöser sind Entzün­dungen in den Atemwegen, die das elastische Binde­gewebe der Lunge schädigen und zerstören, wodurch die Selbst­rei­nigung der Lunge gestört ist. In den betrof­fenen Abschnitten der Lunge staut sich Bronchi­al­sekret. Husten und Auswurf sind die häufigsten Symptome.

Durch eine spezielle Compu­ter­to­mo­graphie der Lunge (HR-CT) werden Bronchie­ak­tasen diagnos­tisch sichtbar.  
Quelle: www.lungeninformationsdienst.de

*Zysten­nieren ist die am häufigsten vorkom­mende erbliche Nieren­er­krankung und eine der häufigsten Erbrank­heiten überhaupt. Die Bildung einer Vielzahl (hunderte bis tausende) von Zysten an einer oder beiden Nieren wird als Zysten­nieren oder polyzys­tische Nieren bezeichnet.

Einzeln auftre­tende Zysten, die an einer oder an beiden Nieren vorkommen können, werden als Nieren­zysten bezeichnet und sind nicht zu verwechseln mit der Erkrankung Zysten­nieren. Zysten­nieren werden oftmals erst durch einen Zufalls­befund, wie z. B. bei einer Ultra­schall­un­ter­su­chung diagnos­ti­ziert. 
Quelle: Broschüre „Zysten­nieren …früh erkennen und behandeln“ www.Patienten-Bibliothek.de


Text: Sabine Habicht, Redak­ti­ons­leitung Patienten-Bibliothek

Fotos: Susi Donner, Lindau, Ursula Krütt-Bockemühl, Augsburg

Der Beitrag wurde in der Winter­ausgabe 2019 der Fachzeit­schrift “Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge” veröf­fent­licht.

Schlagwörter: Atemnot, Bronchiektasen, COPD, Langzeit-Sauerstofftherapie, LOT, LTOT, Luftnot, Lungenemphysem, Sauerstoff, SauerstoffLiga, Sauerstofftherapie, Ursula Krütt-Bockemühl

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