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Symptomatische Verschlechterung bei COPD

07. Mai 2020

Jetzt bin ich COPD-Patient

Meine körper­liche Leistungs­fä­higkeit ließ merklich nach. Mein Hausarzt vermutete zunächst: „Sie werden einfach älter.“

Drei Jahre später wurde aufgrund einer lang anhal­tenden, starken Erkältung mit leichtem Schleim­auswurf eine Überweisung zum Lungen­facharzt notwendig. Nach Röntgen der Lunge erhielt ich ein Inhala­ti­ons­spray mit der Empfehlung: „Probieren Sie zunächst aus, ob es Ihnen unter diesem Medikament besser geht und kommen dann wieder.“ Bin ich aber nicht, denn mir ging es gut. Anstatt der Treppe, nahm ich inzwi­schen aller­dings immer den Aufzug.

Nochmals drei Jahre und einige deutliche Infekte ohne Arztbesuch weiter, dann die Diagnose in einer Lungen­fach­klinik: „Sie haben COPD und Lungen­em­physem.“ Im Röntgenbild und CT war das mögli­cher­weise durch Lungen­ent­zün­dungen vernarbte Lungen­gewebe ebenso sichtbar wie das Lungen­em­physem. Bereiche, die unwie­der­bringlich für die Atmung verloren sind.

Doch mir geht es immer noch gut, ich empfinde keine Atemnot, habe äußerst selten Husten und kaum Schleim­bildung. Nur meine Musku­latur ist spürbar weniger geworden, bei Anstren­gungen schwitze ich sofort und meine Aktivi­täten muss ich öfter unter­brechen.

Ein Jahr nach Diagno­se­stellung mit COPD und Lungen­em­physem weiß ich nun, dass ich auf meine Lunge hätte besser aufpassen sollen. Zwar habe ich bereits vor 25 Jahren mit dem Rauchen aufgehört, aber die Lunge ist und bleibt geschwächt und anfällig.

Hätte ich etwas anders gemacht, wenn mir die Diagnose eher bewusst gewesen wäre? Ja klar! Ich hätte bei den schweren Infekten frühzeitig gehandelt oder diesen vielleicht vorbeugen können, die Notwen­digkeit der Therapie erkannt und ebenso gezielt zum Erhalt meiner Muskel­masse beigetragen.

Karl-Heinz Wallbusch (63), Chemnitz, COPD II/B nach GOLD mit Lungen­em­physem und Alpha-1-Antitryp­sin­mangel, Typ PiMZ

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die chronisch obstruktive Bronchitis und das Lungen­em­physem werden überge­ordnet als COPD bezeichnet. Die Erkrankung geht mit Entzün­dungen und Verän­de­rungen am Lungen­gewebe einher.

Die Atmung betreffend verur­sacht COPD Symptome wie Atemnot, Husten und Auswurf. Insgesamt betrachtet, kann sich das Beschwer­debild sehr vielfältig und indivi­duell ausge­prägt darstellen.

Die Symptome unter­liegen dabei „normalen“ Schwan­kungen, die durch viele Faktoren beein­flusst werden. Verschlechtern sich die Beschwerden jedoch deutlich und anhaltend, liegt in den meisten Fällen eine Exazer­bation vor. Atemnot ist das ganz dominie­rende und für viele Betroffene psychisch äußerst belas­tende Symptom.

Exazer­ba­tionen, vor allem schwere und häufig wieder­keh­rende, nehmen erheb­lichen Einfluss auf den weiteren Verlauf der COPD und damit auf die Lungen­funktion.

Das wichtigste thera­peu­tische Ziel ist daher, Exazer­ba­tionen möglichst zu verhindern und eine Stabi­li­sierung zu erreichen, um die Progression der Erkrankung zu verlang­samen.

Gleicher­maßen bedeutend ist das Erkennen und frühzeitige Handeln bei sympto­ma­ti­schen Verschlech­te­rungen, um eine schwere Exazer­bation zu vermeiden.

Der Ihnen vorlie­gende Ratgeber der Patienten-Bibliothek befasst sich mit den Auswir­kungen von sympto­ma­ti­schen Verschlech­te­rungen bei COPD sowie den Möglich­keiten, diesen entge­gen­zu­wirken.

Die im Ratgeber enthal­tenen ganz persön­lichen Erfah­rungen von COPD-Patienten können helfen, Zusam­men­hänge besser zu verstehen und unter­stützend dazu beitragen, Ängste von Betrof­fenen und auch Angehö­rigen zu relati­vieren.

Aufgrund der Komple­xität ist es empfeh­lenswert, den Ratgeber mehrfach zu lesen.

Ihr Jens Lingemann
Vorsit­zender COPD – Deutschland e.V.
Patien­ten­or­ga­ni­sation Lungen­em­physem-COPD Deutschland

Basisinformation COPD

Die Abkürzung COPD steht für die englische Bezeichnung chronic obstructive pulmonary disease bzw. chronisch obstruktive Bronchitis.

Chronisch bedeutet, dass eine COPD dauerhaft vorliegt, die Erkrankung bisher nicht geheilt, deren Verlauf jedoch positiv beein­flusst werden kann.

Obstruktiv heißt Verengung und verweist darauf, dass bei einer COPD die Bronchien verengt sind. Zwei wesent­liche Ursachen liegen der Verengung zugrunde: die gestei­gerte Entzün­dungs­re­aktion im Bereich der kleinen Atemwege und die Zerstörung des Lungen­ge­webes durch das Lungen­em­physem.

Bronchitis ist der medizi­nische Fachaus­druck für eine Entzündung der Bronchien. Wobei die chronische Bronchitis der Atemwegs­ob­struktion entweder zeitlich vorangeht oder dieser nachfolgen kann.

Eine COPD ist eine dauerhaft bestehende Verengung und Entzündung der Bronchien mit einher­ge­henden Verän­de­rungen am Lungen­gewebe.

Eine COPD kann mit oder ohne Lungen­em­physem auftreten. Meist entwi­ckelt sich ein Lungen­em­physem im Rahmen einer COPD, in seltenen Fällen kann jedoch z. B. ein genetisch bedingter Alpha-1-Antitryp­sin­mangel dessen Ursache sein.
Als Lungen­em­physem wird eine irrever­sible Überblähung der Lunge bezeichnet, die sich durch den Abbau bzw. die Zerstörung von Gewebe an den Lungen­bläschen (Alveolen) entwi­ckelt.

COPD und Lungen­em­physem gehen mit einer meist schlei­chenden Verschlech­terung der Lungen­funktion einher und sind vor allem durch eine Behin­derung in der Ausatmung gekenn­zeichnet. Die Auswir­kungen einer COPD betreffen den gesamten Körper.

Aveolen

Symptomatische Verschlechterung

Sympto­m­ent­wicklung
Eine COPD äußert sich vor allem mit respi­ra­to­ri­schen, die Atmung betref­fenden, Symptomen wie

  • Atemnot – als Anzeichen einer Atemwegs­ob­struktion
  • Husten und Auswurf – als Anzeichen einer Bronchitis

Als erste frühe Sympto­matik kann anhal­tender Husten auftreten (insbe­sondere bei Rauchern oder Passiv­rau­chern), was fälsch­li­cher­weise über lange Zeit toleriert bzw. als „normal“ empfunden wird. Bei Patienten, bei denen das Emphysem im Vorder­grund steht, tritt primär Atemnot unter Belastung auf, oftmals ohne Husten und Auswurf.

Atemnot zeigt sich zunächst nur unter Belastung, wie klassi­scher­weise z. B. beim Treppen­steigen oder bei anderen körper­lichen Anstren­gungen. Im weiteren Verlauf der COPD ist Atemnot latent auch in Ruhe vorhanden.

Weitere mögliche allge­meine Anzeichen:

  • Müdigkeit
  • Abnahme der Belast­barkeit
  • pfeifende Atemge­räusche
  • Engegefühl im Brustraum
  • Gewichts­ab­nahme
  • Abnahme von Muskel­masse (vor allem in Armen und Beinen)
  • Verspan­nungen der Atem(hilfs)muskulatur (Brust/Nacken etc.)
  • erhöhte Anfäl­ligkeit für Atemwegs­in­fek­tionen

In den Erkran­kungs­stadien I und II werden selbst schwere Atemwegs­in­fekte oft nicht mit einer mögli­cher­weise vorlie­genden COPD in Verbindung gebracht.

Viel zu häufig wird ein Arzt erst dann aufge­sucht, wenn der Leidens­druck sehr hoch ist, die Symptome fast unerträglich geworden sind und sich die Erkrankung bereits in einem fortge­schrit­te­neren Stadium befindet. Verlorene Lungen­funktion ist jedoch unwie­der­bringlich verloren.

Auf und Ab der Symptom­stärke
Die Ausprägung der Sympto­matik äußert sich indivi­duell sehr verschieden. Manche Patienten weisen beispiels­weise eine vielfältige Sympto­matik auf. Bei anderen Patienten dominiert dagegen insbe­sondere eine Sympto­matik deutlicher, wie beispiels­weise unpro­duk­tiver Reizhusten ohne Auswurf oder aber eine konti­nu­ier­liche Schleim­bildung etc. Die Lebens­qua­lität wird aller­dings durch das Symptom Atemnot am meisten beein­trächtigt.

Grund­sätzlich unter­liegt das Ausmaß der vorhan­denen Beschwerden stetigen Schwan­kungen. Viele Faktoren können darauf Einfluss nehmen, wie z. B. die persön­liche psychische Tagesform, mögli­cher­weise vorhandene Begleit­erkran­kungen, Luftschad­stoffe sowohl im Außen- (Ozon, Abgas etc.) als auch im Innen­be­reich (Reini­gungs­mittel, Duftstoffe etc.), Stress, körper­liche Anstren­gungen und vieles mehr.

Bestimmte Wetter­lagen übernehmen hinsichtlich der Schwan­kungen eine bedeu­tende Rolle. So werden Winter­monate mit Kälte, gleich­zeitig verbunden mit einer erhöhten Infekt­an­fäl­ligkeit, von vielen COPD-Patienten als schwer verträglich empfunden. Kälte hat zur Folge, dass sich Bronchien zusam­men­ziehen und weniger Sauer­stoff trans­por­tiert wird. Manchmal reichen bereits Tempe­ra­tur­schwan­kungen von wenigen Grad aus, um die persön­liche Symptom­emp­findung zu beein­flussen. Auch hohe Luftfeuch­tigkeit kann sich belastend auswirken.

In den 18 Jahren seit meiner Diagno­se­stellung, hat sich für mich persönlich zweifelsfrei gezeigt, dass in Bezug auf die durch die Erkrankung entste­henden Einschrän­kungen und körper­lichen Befind­lich­keiten, kein Tag dem anderen gleicht. Nicht selten wechselt das Empfinden der unter­schied­lichen Symptome innerhalb eines Tages. In meinem Fall sind Witte­rungs­be­din­gungen maßgeb­licher Auslöser jeglicher Schwan­kungen.
Jens Lingemann, Vorsit­zender COPD – Deutschland e.V.  www.copd-deutschland.de

Auch tages­zeitlich immer wieder­keh­rende Schwan­kungen sind für COPD charak­te­ris­tisch. Manche Patienten zeigen vor allem in den frühen Morgen­stunden eine deutlich verstärkte Sympto­matik.

Konti­nu­ier­liche Tages­schwan­kungen können in vielen Fällen durch einen optimierten Einnah­me­zeit­punkt der Inhalation reduziert oder ganz vermieden werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.

Akute sympto­ma­tische Verschlech­terung
Von den „normalen“ Symptom­schwan­kungen abzugrenzen sind die akuten, krisen­haften Verschlech­te­rungen, die phasen­weise auftreten können. Sie werden auch als Erkran­kungs­schübe bezeichnet.

Der medizi­nische Fachbe­griff für eine deutliche Verschlech­terung einer bereits bestehenden Sympto­matik lautet Exazer­bation (latei­nisch exacerbare = aufbringen, aufsta­cheln). Tritt die Verschlim­merung plötzlich auf, spricht man von einer akuten Exazer­bation.

Exazer­ba­tionen können in allen Stadien, vor allem jedoch in den Stadien II-IV, einer COPD vorkommen. Manche Patienten weisen häufiger eine akute Verschlech­terung auf, andere seltener. Während sich Patienten in der Regel von einer leichten Exazer­bation gut erholen, können schwere und immer wieder­keh­rende Exazer­ba­tionen die Prognose, d. h. den Verlauf der Erkrankung und somit weiterem Verlust von Lungen­funktion, nachhaltig beein­träch­tigen.

Definition: Eine Exazer­bation bei COPD ist eine akute, über mindestens zwei Tage anhal­tende Verschlech­terung der respi­ra­to­ri­schen Symptome (Auswurf, Husten, Atemnot) mit der Notwen­digkeit einer Inten­si­vierung der Therapie.
Quelle: COPD-Leitlinie 2018 https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/020–006.html

Eine Exazer­bation ist ein komplexes Ereignis, das meist mit verstärkter Entzündung der Atemwege, erhöhter Schleim­bildung und ausge­prägter Lungen­über­blähung einhergeht. Diese Verän­de­rungen führen zur verstärkten Atemnot, das als Leitsymptom einer Exazer­bation bezeichnet werden kann, und weiteren sympto­ma­ti­schen Anzeichen.

Erste mögliche Signale für eine Verschlech­terung der Sympto­matik:

  • vermehrte Atemnot, auch in Ruhe
  • vermehrter Husten
  • Verän­de­rungen des Auswurfs (Menge, Zähigkeit, gelb-grüne Färbung bei bakte­ri­ellen Infekten)
  • vermin­derte Belast­barkeit
  • vermehrte Müdigkeit, Abgeschla­genheit
  • mögli­cher­weise Engegefühl im Brustraum
  • mögli­cher­weise Fieber
  • der Einsatz der Bedarfs­me­di­kation zeigt nicht die übliche Wirkung

Die häufigste Ursache von Exazer­ba­tionen sind voraus­ge­hende virale Atemwegs­in­fekte.

Weitere Beispiele möglicher Ursachen:

  • bakte­rielle Auslöser (Haemo­philus influ­enzae und Pneumo­kokken)
  • Schad­stoffe (Noxen) wie Rauchen, Umwelt­noxen (Smog, Ozon)

Ebenso können Begleit­erkran­kungen wie beispiels­weise chronische Herzer­kran­kungen, eine Lungen­ent­zündung (Pneumonie), der Verschluss einer oder mehrerer Lungen­ar­terien (Lungen­em­bolie) oder ein Pneumo­thorax (krank­hafte Luftan­sammlung im Brustkorb, der zu einem Kollaps eines Lungen­flügels führt) Ursache einer Exazer­bation sein, was diffe­ren­ti­al­dia­gnos­tisch abgeklärt werden muss.

Eine Exazer­bation kann in einem unter­schied­lichen Ausmaß statt­finden und wird daher unter­teilt in:

  • leicht – wird nur mit zusätz­lichen Gaben von kurz wirkenden Bronchodilata­toren (Arznei­mittel, die die Bronchien erweitern) behandelt
  • mittel­schwer ‑wird zusätzlich mit syste­misch, d. h. auf den ganzen Körper wirkenden oralen (in Tablet­tenform verab­reichten) Gluco­cor­ti­cos­te­roiden (Cortison) und/oder Antibiotika behandelt
  • schwer – Patient muss hospi­ta­li­siert, d. h. in ein Krankenhaus eingewiesen werden bzw. sucht selbst die Notauf­nahme auf

Als sehr schwere Exazer­bation werden Ereig­nisse bezeichnet, bei denen eine inten­si­vierte Therapie auf einer Inten­siv­station oder spezia­li­sierten Versor­gungs­station erfor­derlich wird.

Häufig, jedoch nicht immer, entspricht der bestehende Schwe­regrad der COPD dem der akuten Exazer­bation. Aller­dings können auch Patienten in einem frühen Stadium der Erkrankung eine schwere Exazer­bation entwi­ckeln bzw. Patienten in einem fortge­schrit­tenen Stadium eine leicht­gradige Exazer­bation.

Quelle: COPD-Leitlinie 2018 https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/020–006.html

Emotionales Wechselspiel

Die ersten Schritte
Die Diagnose der chronisch progres­siven Erkrankung COPD zu erhalten, führt oft zu großer Verun­si­cherung. Viele resignieren. Die meisten versuchen – je nachdem in welchem Stadium sich die Erkrankung und die entspre­chende Sympto­matik befindet – zunächst weiter zu leben wie bisher. Andere wollen die Erkrankung möglichst verheim­lichen und gestehen auch sich selbst gegenüber die Erkrankung nicht ein.

Um alle Möglich­keiten auszu­schöpfen, die Erkrankung im diagnos­ti­zierten Status zu stabi­li­sieren, ist ein Leben mit der Erkrankung notwendig, denn es bedarf Ihrer aktiven Mitarbeit.

Haben Sie den Mut, sich mit der Erkrankung ausein­an­der­zu­setzen, Schritt für Schritt, um frühzeitig handeln zu können.

Am Anfang, als ich die Diagnose erhielt, hatte ich überhaupt keine Ahnung, was es heißt, mit der Erkrankung zu leben, damit umzugehen. Es ging mir im Prinzip gut, nur manchmal war ich etwas „aus der Puste“. Ich machte mir keine Sorgen. Auch die erste Lungen­ent­zündung habe ich nicht richtig einge­ordnet, sie wurde ja erfolg­reich mit Antibiotika behandelt. Aber dann kam eine Verschlech­terung nach der anderen. Ich fühlte mich hilflos, wenn mich die Atemnot „lähmte“. Den Kranken­wagen rufen? Ich war mir nicht sicher, ob es nötig war.
Erst da habe ich begriffen, was COPD bedeutet und begonnen, mich aktiv mit der Erkrankung und deren Stabi­li­sierung ausein­an­der­zu­setzen.
Werner Schneider (59), München

Der Umgang mit Atemnot
Atemnot ist das am meisten belas­tende Symptom bei COPD und das Haupt­symptom bei Exazer­ba­tionen. Die Furcht vor Luftnot­an­fällen ist bei manchen Patienten stets präsent. Außen­ste­hende können dieses Gefühl nur schwer nachvoll­ziehen. Denn auch wenn die Sauer­stoff­werte in Ordnung sind, die Situation unter Kontrolle scheint, kann sich Luftnot und Angst verschlimmern oder gar Panik auslösen.

Die Bedroh­lichkeit, die das Haupt­symptom Atemnot verur­sacht, macht ein sich gegen­sei­tiges Bedingen von körper­lichem (Atemli­mi­tation) und emotio­nalem Befinden (Not beim Atmen) jedoch verständ­licher.

Zwei Mecha­nismen können erklären, warum Angst­gefühl und Atemnot so eng mitein­ander verwoben sind:

  • Luftnot erzeugt automa­tisch, ohne willent­lichen Einfluss, Angst­ge­fühle
  • schnelle und flache Atmung verstärkt die Atemnot

Ausgelöst wird Angst durch einen Reiz, den das Gehirn automa­tisch bei Auftreten von Atemnot erhält. Die Gehirn­region der sog. Amygdala (auch Mandelkern genannt) ist an der Entstehung der Angst beteiligt. Dieser Mecha­nismus ist evolu­tionär begründet, seit Urzeiten ist der Mensch dadurch in der Lage, noch bevor ihm die Gefahr bewusst ist, blitz­schnell zu reagieren.

Auch der zweite Mecha­nismus ist ein Automa­tismus. Er betrifft den Einfluss derPsyche bzw. Emotionen auf die Atmung.
Angst beein­flusst Atmung, sie wird flacher und schneller. Aufgrund der COPD wird dadurch die Lunge zusätzlich überbläht, die Luftnot verstärkt sich.

Dieser Kreislauf, der sich steigernden Angst und Atemnot, lässt sich willentlich durch bewusstes Atmen unter­brechen. Bereits tiefes, langsames Atmen sowie atemerleich­ternde Körper­stel­lungen zeigen eine positive Wirkung. Die langsame, verzö­gerte Ausatmung verringert zunächst das Angst­gefühl, so dass die Atmung an sich ruhiger wird und der Körper entspannt.

© Dr. Oliver Göhl www.trainingbeicopd.de

Moderne thera­peu­tische Konzepte berück­sich­tigen diesen Aspekt der bewussten Einfluss­nahme der Atmung auf die Psyche bei der Behandlung von Luftnot. Es kommen sowohl physio­the­ra­peu­tische Maßnahmen als auch Entspan­nungs­tech­niken zum Einsatz.

Ergänzend stehen insbe­sondere in fortge­schrit­tenen Stadien der COPD-Medika­mente zur Verfügung. Zu den medika­men­tösen Optionen zählen z. B. sog. Anxio­lytika mit einem Angst lösenden Effekt oder auch beispiels­weise Morphin, das die Luftnot mindert und dadurch Angst lösend wirkt.

Quelle: Dr. Justus de Zeeuw, Köln

Bedeutung der eigenen Symptomatik

Sowohl die möglichen Symptome als auch das Ausmaß und die Auswir­kungen der Exazer­ba­tionen sind von Patient zu Patient indivi­duell. Umso wichtiger also, die eigene Sympto­matik zu kennen und dessen Wahrnehmung zu schärfen, um das Beschwer­debild der vorlie­genden Symptome dem behan­delnden Arzt so genau wie möglich mitteilen zu können.

Die Schwere der vorhan­denen Sympto­matik und das Exazer­ba­ti­ons­risiko (Gruppe A‑D) bilden die Grundlage für die medika­mentöse Therapie.

Die Schwe­re­grad­ein­teilung der COPD gemäß Empfeh­lungen nach GOLD beinhaltet daher ergänzend zur Messung der Lungen­funktion anhand des FEV1-Wertes (GOLD Grad 1–4) die patien­ten­re­le­vanten Kriterien der Schwere der Symptome mittels subjek­tivem Frage­bo­gentest (CAT‑, mMRC- oder CCQ-Test) und des Exazer­ba­ti­ons­ri­sikos anhand vergan­gener Exazer­ba­tionen, mit und ohne Kranken­haus­ein­weisung, innerhalb der letzten 12 Monate (Gruppe A‑D).

GOLD 1      FEV1 ≥ 80 % des Sollwertes
GOLD 2      FEV1 < 79 % und ≥ 50 % des Sollwertes
GOLD 3      FEV1 < 49 % und ≥ 30 % des Sollwertes
GOLD 4      FEV1 < 29 % des Sollwertes

Gruppe A   0–1 Exazer­bation im letzten Jahr, die nicht im Krankenhaus behandelt werden musste; wenige Symptome (CAT < 10; mMRC ≤ 1, CCQ < 1)

Gruppe B   0–1 Exazer­bation im letzten Jahr, die nicht im Krankenhaus behandelt werden musste, mehr Symptome (CAT ≥ 10, mMRC ≥ 2, CCQ ≥ 1)

Gruppe C   ≥ 2 Exazer­ba­tionen im letzten Jahr ohne Krankenhaus oder ≥ 1 Exazer­bation im Krankenhaus; wenige Symptome (CAT < 10, mMRC ≤ 1, CCQ < 1)

Gruppe D   ≥ 2 Exazer­ba­tionen im letzten Jahr ohne Krankenhaus oder ≥ 1 Exazer­bation im Krankenhaus, mehr Symptome (CAT ≥ 10, mMRC ≥ 2, CCQ ≥ 1 )

A oder B = geringes Exazer­ba­ti­ons­risiko, C oder D = hohes Exazer­ba­ti­ons­risiko
A oder C = geringe Symptome, B oder D = höher­gradige Symptome

Quelle: GOLD-Empfeh­lungen 2018 und COPD-Leitlinie 2018 https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/020–006.html

Bereits statt­ge­fundene Exazer­ba­tionen stellen das größte Risiko dar, weitere Exazer­ba­tionen zu erleiden. Die GOLD-Einteilung verdeut­licht, dass die Schwere der Symptome und die Anzahl der Exazer­ba­tionen, nicht abhängig sind vom Grad der vorhan­denen Lungen­funktion.

Persönliches Erleben

Verstärkte Atemnot ist das Haupt­symptom einer akuten Verschlech­terung. Doch ebenso können sich andere Symptome der Lungen­er­krankung verstärken oder neue Symptome hinzu­kommen. Die Ausprä­gungen und ebenso die Auswir­kungen sind indivi­duell und vielfältig. Zum besseren Verständnis schildern einige COPD-Patienten hier ihre ganz persön­lichen Erfah­rungen:

„Entdeckt wurde das Vorliegen der COPD in Zusam­menhang mit einer Lungen­ent­zündung im Jahr 2000.
Deutliche Luftnot war aller­dings bereits früher 
vorhanden, die ich als Raucherin fälsch­li­cher­weise als normal einge­stuft habe. Nach der Diagnose erfolgte der Rauch­stopp und ich wurde medika­mentös einge­stellt. Die Erkrankung entwi­ckelte sich konti­nu­ierlich weiter, jedoch langsam, so dass ich meinen Beruf trotzdem bis zu meinem 60igsten Lebensjahr ausüben konnte“, schildert Gundel Wegener (66), Osnabrück.
„Das Erkennen von Vorzeichen einer Exazer­bation in Zusam­menhang mit meiner indivi­du­ellen Situation musste ich erst durch Gespräche mit meinem Lungen­facharzt und durch Schulungen während einer Rehabi­li­tation erlernen. Vorher habe ich zwei Situa­tionen erlebt, bei denen es mir einige Tage sympto­ma­tisch insgesamt zwar etwas schlechter ging, dies von mir jedoch nicht weiter beachtet wurde und dann urplötzlich innerhalb weniger Minuten eine so starke Verschlech­terung mit ausge­prägter Atemnot auftrat, dass ich den Notarzt rufen musste. Heute kann ich die Anzeichen besser erkennen und weiß zudem, welche Maßnahmen ich selbst frühzeitig einleiten kann. Eine Notsi­tuation habe ich seither nicht mehr erlebt.“

„COPD wurde bei mir im Jahr 2008 diagnos­ti­ziert. Viele Jahre ging es mir mit der Erkrankung einiger­maßen gut. Anfangs bei einem FEV1-Wert (Lungen­funk­ti­onswert, sog. Einse­kun­den­ka­pa­zität) von 64 % des Normwertes. Im Laufe der Zeit dann mit 54 %. Mein Leben konnte ich fast wie vor der Diagnose führen, sogar Skilaufen war möglich. Lediglich die große Müdigkeit, die ich häufig verspürte, machte mir zu schaffen – obwohl auch das noch erträglich war“, berichtet Barbara Durand (56), München.
Vor drei Jahren verschlech­terte sich die Situation schlag­artig aufgrund einer ziemlich heftigen akuten Exazer­bation mit Kranken­haus­auf­enthalt. Der EV1-Wert ist inzwi­schen auf 39 % abgesunken. Trotzdem verfüge ich immer noch über relativ viel Kraft – was ich auf meine sport­liche Konsti­tution zurück­führe. Medika­mentös bin ich optimal einge­stellt. Mit dem Symptom Atemnot besser umzugehen, habe ich in der Atemnot-Ambulanz in München gelernt.

„Aufgrund eines schweren viralen und im späteren Verlauf auch bakte­ri­ellen Infektes mit deutlicher Verschlech­terung aller Symptome wurde ich ohne Notsi­tuation von meinem Arzt ins Krankenhaus einge­wiesen. Nach Abklingen der Infekte war mein FEV1-Wert auf 24 % gesunken und eine stationäre Rehabi­li­tation in einer Lungen­klinik als Anschluss­heil­be­handlung wurde einge­leitet. Wieder zu Hause konnte ich den Lungen­sport und die Atemthe­rapie fortsetzen. Die aktuelle Unter­su­chung bei meinem Lungen­facharzt ergab einen Wieder­an­stieg auf meinen ursprüng­lichen FEV1-Wert von 33 %“, dokumen­tiert Heiner Baumann (64), Lindlar.

Die Diagnose COPD erhielt Michael Fischers­worring (52) im Jahr 2004. „Ich habe die Erkrankung zunächst als gegeben hinge­nommen, ohne mich jedoch näher damit zu befassen, denn die Einschrän­kungen waren noch nicht so gravierend. Die verord­neten Medika­mente habe ich einge­nommen und fröhlich weiter geraucht.“
Ab 2011 verschlech­terten sich jedoch Sympto­matik und Belast­barkeit sukzessive. Im Dezember 2016 erfolgte dann der große Einbruch. Aufgrund eines Infektes hatte Michael Fischers­worring eine akute Exazer­bation. „Es ging mit total schlecht. Ich war nicht einmal mehr in der Lage, auch nur die kleinste Kleinigkeit zu erledigen.“ Ehefrau Marion rief den Notarzt. Es wurde ein starker Anstieg des Kohlen­di­oxid­ge­haltes im Blut festge­stellt und eine damit einher­ge­hende CO2-Narkose mit Bewusst­seins­stö­rungen und zuneh­mender Schläf­rigkeit. „14 Tage habe ich insgesamt auf der Inten­siv­station gelegen, viel Zeit um nachzu­denken und auch zu überlegen, wie es weiter­gehen soll.“ Der erste daraus folgende Entschluss war der Rauch­stopp. Medika­mentös wurde Michael Fischers­worring neu einge­stellt.
Zudem wurde eine Langzeit-Sauer­stoff­the­rapie (LOT) notwendig, in der Nacht entlastet zusätzlich eine nicht-invasive Beatmung (NIV) über einen Zeitraum von acht Stunden die Atemmus­ku­latur und verbessert gleich­zeitig die Blutgas­werte. „Meine Lebens­qua­lität hat sich seither um 100 % verbessert. Bereits vier Wochen nach dem Rauch­stopp war die morgendlich sehr belas­tende Sympto­matik des Hustens komplett verschwunden. Auch mit der medika­men­tösen Therapie komme ich gut zurecht und fühle mich seit der Neuein­stellung weniger einge­schränkt. Ich führe trotz fortge­schrit­tenem COPD-Stadium ein relativ aktives Leben und kann sogar weiterhin täglich etwa drei Stunden als Wartungs­monteur für Verkehrs­si­cher­heits­systeme arbeiten. Ich habe erfahren, wie wichtig es ist, sich zu infor­mieren, über die Erkrankung zu sprechen, auch mit seinem Umfeld, und zudem niemals aufzu­geben.“

Mehr über Michael Fischers­worring finden Sie in der Winter­ausgabe 2017 der Patienten-Bibliothek / COPD in Deutschland auf www.Patienten-Bibliothek.de.

Bedarfsmedikation und Notfallmedikation

Neben der täglichen Dauer­me­di­kation bei COPD, bei der es sich um Medika­mente zur Inhalation mit einer Wirkung über 12–24 Stunden handelt, stehen ergänzend Medika­tionen für den Bedarf und für den Notfall zur Verfügung.

Fälsch­li­cher­weise wird eine Bedarfs­me­di­kation oft bereits als Notfall­me­di­kation bezeichnet. Womit jedoch das wichtige Ziel einer Bedarfs­me­di­kation, Atemnot­si­tua­tionen vorzu­beugen und zu thera­pieren, verloren geht.

Bedarfs­me­di­kation
Wie der Name schon verdeut­licht, wird eine Bedarfs­me­di­kation nicht regel­mäßig, sondern nur im Bedarfsfall einge­setzt. Es handelt sich dabei um schnell wirksame, die Bronchien erwei­ternde Medika­mente zur Inhalation, dessen Wirkung im Mittel etwa 4 Stunden anhält.

Eine Bedarfs­me­di­kation wird einge­setzt, um:

  • Atemnot­si­tua­tionen vorzu­beugen z. B. vor Situa­tionen, bei denen man weiß, dass sich voraus­sichtlich Atemnot einstellen wird, wie sport­liche Betäti­gungen, Einkaufen etc.
  • akute, plötzlich auftre­tende Luftnot­si­tuationen zu thera­pieren z. B. bei einem nächt­lichen Aufwachen mit Atemnot, witte­rungs­be­dingten Einflüssen

Eine Erstver­ordnung sollte nicht nur eine Dauer­me­di­kation beinhalten, sondern immer auch eine Bedarfs­me­di­kation.

Wann ein Bedarf besteht, kann im Prinzip nur vom Patienten selbst definiert werden, nur er selbst spürt die sympto­ma­tische Verän­derung. Zu beachten ist: Ist der zusätz­liche Einsatz eines Bedarfs­sprays konti­nu­ierlich sehr häufig notwendig, sollte die Dauer­me­di­kation überprüft und optimiert werden.

Die Anwendung des Inhala­ti­ons­systems (Device) zur Bedarfs­me­di­kation muss ebenso wie das der Dauer­me­di­kation geübt werden – alleine schon vor dem Hinter­grund, dass ein Bedarfs­me­di­kament nicht so oft einge­setzt wird. Der richtige Umgang mit dem Inhala­ti­ons­system ist die wichtigste Grundlage der Therapie.

Notfall­me­di­kation
Eine Bedarfs­me­di­kation sollte zu jeder Zeit griff­bereit sein, d. h. unmit­telbar bei sich getragen werden, um einen Notfall möglichst zu vermeiden.

Partner oder Angehörige sollten gleicher­maßen über die Anwendung und die Verwahrung infor­miert sein und für den Fall, dass die Wirkung des Bedarfs­sprays nicht, wie erwartet, eintritt, das Procedere einer Notfall­si­tuation bzw. bei akuter schwerer Luftnot die Rufnummern des behan­delnden Arztes bzw. Notarztes kennen.

Wenn ein Bedarfs­spray nicht mehr wie gewohnt wirkt, ist dies ein deutliches Zeichen für eine Exazer­bation.

Zu den Notfall­me­di­ka­menten zählen Cortison in Tablet­tenform und Antibiotika.

Um eine bedarfs­ge­rechte Anwendung sicher­zu­stellen, können diese Medika­mente zur Selbst­me­di­kation im Notfall aller­dings nur entspre­chend eschulten Patienten verordnet werden.

Cortison hat eine rasche Wirkung auf die Entzündung, die mit einer Exazer­bation einhergeht und somit auch auf die Atemnot. Liegt eine schwerg­radige Lungen­funk­ti­ons­ein­schränkung von unter 50 % FEV1 vor, kann sich die Lunge durch den Einsatz von Cortison schneller wieder erholen und die Sympto­matik norma­li­sieren.

Antibiotika werden insbe­sondere bei einem deutlichen Anstieg des Sekrets mit eitriger Verfärbung als Ausdruck einer bakte­ri­ellen Infektion sowie deutlicher Atemnot verab­reicht.

Eine Notfall­me­di­kation wird einge­setzt, um:

  • in Ergänzung zum Bedarfs­spray akute, plötz­liche Atemnot zu thera­pieren
  • Entzün­dungen rasch zu reduzieren und der Entwicklung einer schweren Exazer­bation entge­gen­zu­wirken

Erkennen und frühzeitig handeln

Symptom­analyse: Richtige Einschätzung der aktuellen Situation

Stabile Lunge
• Sie haben tagsüber selten Atemnot
• Sie haben kaum Husten
• Sie haben wenig Auswurf
• Sie sind normal belastbar
• Der Verbrauch Ihres Bedarfs­sprays ist unver­ändert
• Keine Zeichen eines Infektes
• Ihr Peak-Flow-Wert entspricht Ihrem persön­lichen Bestwert

Instabile Lunge
• Sie haben tagsüber öfter Atemnot
• Der Husten verstärkt sich
• Der Auswurf nimmt zu und verändert sich
• Ihre Belastung nimmt ab
• Sie müssen Ihr Bedarfs­spray öfter anwenden
• Zeichen eines Infektes können auftreten
• Ihre Peak-Flow-Werte sinken

Infekt
• Verstärkte Atemnot
• Vermehrt Husten
• Zunahme von Menge und Zähigkeit des Auswurfs, der sich bei einem bakte­ri­ellen Infekt gelb-grün verfärbt
• Deutlich einge­schränkte Belast­barkeit
• Sie müssen Ihr Bedarfs­spray häufig anwenden
• Allge­meines Krank­heits­gefühl, Schwitzen, Halsschmerzen, Fieber
• Abfall der Peak-Flow-Werte

Quelle: Persönlicher COPD-Aktionsplan auf Grundlage des COBRA-Schulungsprogramms,
Prof. Dr. Heinrich Worth, Fürth und Dr. Christian Schacher, Nürnberg, Deutsche Atemwegsliga e. V. www.atemwegsliga.de

Hinweis: Tragen Sie zusammen mit Ihrem behan­delnden Arzt, die entspre­chend verord­neten Medika­mente und Einnah­me­emp­feh­lungen gemäß der Beschwer­de­si­tuation z. B. in den Persön­lichen COPD-Aktionsplan ein, den Sie auf www.atemwegsliga.de herun­ter­laden können.

Aktionsplan: Richtiges Verhalten bei akuter Luftnot

  • Zwei Hübe des Bedarfs­sprays
    Besprechen Sie mit Ihrem Arzt auch die mögliche Verwendung einer Inhala­ti­ons­hilfe (Spacer). Auch bei Verwendung eines Verneblers können atemwegs­er­wei­ternde Medika­mente inhaliert werden.
  • Fünf bis zehn Minuten in atemerleich­ternder Körper­haltung – Lippen­bremse (Ausatmen gegen locker aufein­an­der­lie­gende Lippen) abwarten
  • Stellt sich keine Besserung ein, zwei weitere Hübe des Bedarfs­sprays
  • Einnahme des Notfall­me­di­ka­mentes, 50 mg Predn­isolon (Corti­son­ta­blette) bzw. gemäß indivi­du­eller Verordnung
  • Weitere zehn bis fünfzehn Minuten in atemerleich­ternder Stellung – Lippenbremse abwarten
  • Bei weiterer Verschlech­terung rufen Sie den Notarzt (Telefon 112)
Quelle: COBRA-Schulungsprogramm, Deutsche Atemwegsliga. e. V. www.atemwegslige.de

Anzeichen für eine schwere Exazer­bation können neben einer ausge­prägten Atemnot in Ruhe und hoher Atemfre­quenz auch Verwirrtheit, Benom­menheit, neu auftre­tende Symptome wie z. B. Zyanose (bläuliche Verfärbung der Haut, Schleim­häute, insbe­sondere Lippen und Finger­nägeln), periphere Ödeme (Wasser­an­samm­lungen im Gewebe, meist in Beinen und Armen) sein.
Zögern Sie nicht, einen Notarzt anzurufen!

Peak-Flow-Messung
Der Peak-Flow-Meter ist ein einfach zu handha­bendes mecha­ni­sches oder elektro­ni­sches Messgerät, mit dem die maximale Strömungs­ge­schwin­digkeit der Atemluft während der Ausatmung bestimmt wird und so als „kleiner Ersatz“ für die Einse­kun­den­ka­pa­zität (FEV1-Wert) angesehen und zur persön­lichen Verlaufs­kon­trolle einge­setzt werden kann.

Zu beachten ist jedoch, dass die Schwan­kungen bei einer COPD minimal sind und zudem bei einer akuten Verschlech­terung die Zunahme der Beschwerden dem Abfall des Peak-Flow-Wertes vorangeht.

Nachsorge Exazerbation

Jede Exazer­bation sollte, auch wenn sich die Sympto­matik aufgrund der selbst einge­lei­teten, verord­neten Bedarfs- und ggf. Notfall­me­di­kation wieder stabi­li­siert hat, dem behan­delnden Arzt unver­züglich mitge­teilt werden. Nur so kann die aktuelle Situation überprüft und ggf. notwendige ergän­zende Behand­lungs­schritte einge­leitet werden.

Das entschei­dende Ziel der Therapie einer Exazer­bation besteht darin, die negativen Auswir­kungen der aktuellen Exazer­bation zu minimieren und weitere Ereig­nisse zu verhindern.

Nach erfolg­reicher Stabi­li­sierung sollten neben der Überprüfung der Langzeit­the­rapie möglichst alle Maßnahmen ergriffen werden, die das Risiko für weitere Exazer­ba­tionen senken – siehe nachfol­gendes Kapitel „Präventive Behand­lungs­op­tionen“.

Schwere Exazer­ba­tionen
Schwere Exazer­ba­tionen müssen im Krankenhaus behandelt werden. Zu berück­sich­tigen ist immer auch das vorlie­gende Stadium der COPD sowie bestehende schwer­wie­gende Begleit­erkran­kungen (z. B. Herzschwäche, neu auftre­tende Herzrhyth­mus­stö­rungen etc.).

Neben der medika­men­tösen Therapie kann mögli­cher­weise eine Sauer­stoff­the­rapie erfolgen. Ebenso kann eine Masken­be­atmung (nicht-invasive Beatmung) zur Erholung der Atemmus­ku­latur beitragen, da diese bei akuten Verschlech­te­rungen besonders belastet wird.

Wichtig! Eine Verlaufs­be­ob­achtung und Kontrolle des Gesund­heits­zu­standes durch den Lungen­facharzt wird nach Entlassung aus dem Krankenhaus in einem Zeitraum von maximal 4 Wochen und erneut nach maximal 16 Wochen empfohlen, da es sich um einen sensiblen Zeitraum mit hohen Rückfall­quoten handelt und so das Risiko eines erneuten Kranken­haus­auf­ent­haltes reduziert werden kann.

Weiterhin wird die Durch­führung einer pneumo­lo­gi­schen Rehabi­li­tation als Anschluss­heil­be­handlung nach einem Kranken­haus­auf­enthalt empfohlen, um das Risiko für eine erneute Exazer­bation zu senken.

Quelle: GOLD-Empfehlungen 2018 www.goldcopd.org

Aktionsplan: Emotio­nales Selbst­ma­nagement
COPD-Patienten, die bereits Erfah­rungen mit Exazer­ba­tionen gesammelt haben, wissen um den Teufels­kreis aus Angst und Atemnot. Manche können sich mit Selbst­ma­nage­ment­tech­niken beruhigen, die sie beispiels­weise in einer Pneumo­lo­gi­schen Rehabi­li­tation erlernt haben, anderen fällt dies schwerer.

Hilfreich für das „Selbst“-Management von Exazer­ba­tionen ist, gezielt die Selbst­wirk­sam­keits­er­war­tungen, d. h. die Überzeugung, auch schwierige Situa­tionen und Heraus­for­de­rungen aus eigener Kraft erfolg­reich bewäl­tigen zu können, zu stärken. Die Grundlage hierfür bilden die eigenen Erfah­rungen im Zusam­menhang mit einem akuten Krank­heits­schub. Einfache Frage­stel­lungen helfen in der rückbli­ckenden Betrachtung heraus­zu­filtern, welche indivi­du­ellen Maßnahmen bei der Bewäl­tigung am besten geholfen haben.

Erstellen Sie anhand dieser Nachbe­trachtung und Ihrer persön­lichen Wahrnehmung einen ganz indivi­du­ellen Aktionsplan zur besseren Bewäl­tigung und zum emotio­nalen Selbst­ma­nagement von akuten Verschlech­te­rungen:

Was geschieht meistens, bevor ich eine Exazer­bation habe?
o Was kann ich dann tun?
o Wer kann mich dabei unter­stützen?

Wie fühle ich mich, wenn die Atemnot schlimmer wird?
o Was kann ich dann tun?
o Wer kann mich dabei unter­stützen?

Wie reagiere ich bei Atemnot auf die Anwesenheit von Angehö­rigen?
o Was kann ich dann tun?
o Was können die anderen dann tun?

Wie reagiere ich auf die Hilfe von Arzt/Rettungsdienst/Klinik?
o Was bedeutet das für mich?
o Was bedeutet das für meine Angehö­rigen?

Wie kann ich mich bei Atemnot am besten selbst beruhigen?
o Was bedeutet das für mich?
o Wer kann mich dabei unter­stützen?

Am besten bewahren Sie diesen indivi­du­ellen Aktionsplan zusammen mit dem Aktionsplan COPD, den Bedarfs- und Notfall­me­di­ka­menten sowie den Telefon­nummern des behan­delnden Arztes und der Notfall­nummer immer griff­bereit auf.

Quelle: Monika Tempel, Regensburg, www.monikatempel.de

Präventive Behandlungsoptionen

Die aktuelle COPD Leitlinie 2018 dokumen­tiert Behand­lungs­op­tionen, die innerhalb von Studien positive Effekte hinsichtlich der Prävention von weiteren Exerzer­ba­tionen nachweisen können:

Broncho­di­la­ta­toren Basis­the­rapie zur Dauer­me­di­kation
Langwirksame Bronchien erwei­ternde inhalative Substanzen zur Reduktion und Prävention von Symptomen; sie verbessern die Lungen­funktion, die Atemnot, den Gesund­heits­status und senken die Exazer­ba­ti­onsrate, wobei Kombi­na­ti­ons­the­rapien effek­tiver sind als Einzel­sub­stanzen

Korti­kos­te­roide
Corti­son­haltige Arznei­mittel zur Entzün­dungs­hemmung in fixer Zweifach- oder Dreifach­kom­bi­nation mit Broncho­di­la­ta­toren

anti-entzündlich (kein Cortison)
Roflu­milast, ein sog. Phospho­dies­terase-4-Hemmer mit Wirkung in den Entzün­dungs­zellen

Antiin­fektiva
Medika­mente, die der Therapie von Infek­ti­ons­krank­heiten dienen:
► Influ­en­za­vakzine
► Langzeit-Makrolide (Langzeit-Antibiotika)

Mukore­gu­la­toren
Arznei­mittel zur Schleim­lösung:
► N‑Acetylcystein
► Carbo­cystein
► Cineol

Weitere Inter­ven­tionen

Raucher­ent­wöhnung

Patien­ten­schulung

Rehabi­li­tation

Lungen­vo­lu­men­re­duktion

Quelle: Leitlinie COPD 2018 http://www.awmf.org/leitlinien/detail/II/020–006.html

Aktiver Umgang mit der Erkrankung

Durch den aktiven Umgang mit der Erkrankung können Sie selber sehr viel dazu beitragen, Exazer­ba­tionen möglichst zu verhindern bzw. deren Häufigkeit zu verringern. Die ersten Schritte zum aktiven Umgang mit der Erkrankung sind: die Erkrankung anzunehmen, nicht aufzu­geben und zu beginnen, das Leben mit der Erkrankung aktiv zu gestalten.

Exazer­ba­tionen bedeuten eine körper­liche, emotionale und soziale Heraus­for­derung. Sowohl Patienten als auch Angehörige müssen während und nach einer Exazer­bation ihr Leben neu „ausba­lan­cieren“. Neuere wissen­schaft­liche Ansätze zeigen, dass neben der körper­lichen Wider­stands­kraft ebenso die psychische Wider­stands­kraft (Resilienz) eine wichtige Rolle für das Ausmaß und die Dauer der Folgen einer Exazer­bation spielt.

Maßnahmen zur Stärkung der psychi­schen Kräfte:

Arzt-Patienten-Gespräch
Ihr Arzt ist Ihr Partner im Management Ihrer Erkrankung. Ein Vertrau­ens­ver­hältnis und ein respekt­voller Umgang auf Augenhöhe bilden die bestmög­liche Basis auch bei kriti­schen Erkran­kungs­si­tua­tionen. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Arzt und scheuen Sie sich nicht, Ihre Ängste anzusprechen.

Patien­ten­schulung
Wer über seine Erkrankung infor­miert ist und gut über sie Bescheid weiß, kann in der Regel auch besser mit ihr umgehen. In einer gut struk­tu­rierten COPD-Schulung, ambulant und/oder in einer Rehabi­li­ta­ti­ons­klinik durch­ge­führt, erhalten Sie Infor­ma­tionen über die Erkrankung, die Möglich­keiten der Krank­heits­be­wäl­tigung unter Einschluss eigener Beobach­tungen der Symptome und einer schwe­re­gra­d­ori­en­tierten Anpassung der Medikation.

Angst­be­wäl­tigung
Oft werden psychische Symptome und Ängste bei einer COPD als „normale“ Reaktion auf die Erkrankung betrachtet – sowohl von Seiten der Patienten als auch von Ärzten. Angst und Depres­sionen sind jedoch von beson­derer Tragweite und nehmen nicht nur Einfluss auf die Lebens­qua­lität, sondern haben ungünstige Auswir­kungen auf die Einhaltung des Thera­pie­plans und damit oft ein erhöhtes Risiko an Verschlech­te­rungen. Aktive Angst­be­wäl­tigung sei es durch Infor­mation, ein Gespräch mit dem Arzt oder die Einbindung eines Psycho­logen sind daher wichtige Elemente, um die emotionale Wider­stands­kraft zu stärken.

Hilfe zur Selbst­hilfe
„Wenn ich ein Problem habe, kann ich mir nicht immer selbst helfen, ich komme aber weiter, wenn ich mich in Bewegung setze, indem ich Kontakt zu Menschen suche, die in einer ähnlichen Situation sind.“

Quelle: BAG Selbsthilfe e.V. www.bag-selbsthilfe.de

Maßnahmen zur Stärkung der körper­lichen Kräfte:

Rauch­stopp
Ein Rauch­stopp ist die wirksamste und effek­tivste Maßnahme, um die Progression der COPD zu verlang­samen und die Exazer­ba­ti­onsrate zu verringern!

Konse­quente Einhaltung der Therapie
Die konti­nu­ier­liche, konse­quente Einhaltung der verord­neten Thera­pie­maß­nahmen senkt die Sympto­matik und reduziert die Exazer­ba­ti­onsrate. Haben Sie Fragen zur Therapie, besprechen Sie diese unbedingt immer mit Ihrem Arzt.

Vermeidung von Infekten
Zur Vermeidung von viralen Infekten wird jährlich jeweils Ende November eine Influenza-Impfung empfohlen. Beachten Sie, dass neben der standard­mä­ßigen Dreifach­impfung, auch eine wirksamere Vierfach­impfung möglich ist. Weiterhin wird die Pneumo­kokken-Impfung empfohlen. Die meisten Infekte werden durch die Hände übertragen. Verzichten Sie daher auf die üblichen Begrü­ßungs­ri­tuale und achten Sie verstärkt auf Ihre Hände­hy­giene.

Körper­liche Aktivität
Speziell an die COPD und den aktuellen Schwe­regrad angepasstes Training kann die Lebens­qua­lität und Belast­barkeit erhöhen. Lungen­sport und medizi­nische Trainings­the­rapie sind neben der medika­men­tösen Therapie zentrale und unver­zichtbare Maßnahmen für ein optimales Behand­lungs­konzept. Jeder Schritt zählt!

Atemphy­sio­the­rapie
Mithilfe von Atemtech­niken können Symptome wie Husten und Atemnot aktiv gelindert werden, weitere Ziele einer Atemphy­sio­the­rapie sind die Stärkung der Atemmus­ku­latur, die Mobili­sation von Bronchi­al­sekret und die Linderung von Husten.

Ernährung
Überge­wicht und insbe­sondere Unter­ge­wicht belasten das Gesamt­be­finden einer COPD zusätzlich und sollten vermieden werden.

Häufige Fragen und ihre Antworten

COPD hat einen progres­siven, d.h. einen sich stetig verschlech­ternden, chroni­schen Verlauf. Was bedeutet Progression bei COPD?

Zunächst sollte jedem COPD-Patienten bewusst sein, dass Tabak­rauch die Progression der Erkrankung deutlich beschleunigt und daher ein Rauch­stopp die erste Maßnahme innerhalb des Behand­lungs­kon­zeptes sein muss. Mehrere gut struk­tu­rierte Programme zur Entwöhnung stehen hierfür zur Verfügung. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt!

Alters­be­dingt verändert sich bei jedem Menschen im Laufe des Lebens die Lungen­funktion, die Lungen­funk­ti­ons­werte nehmen ab. Im Sinne der Einse­kun­den­ka­pa­zität (FEV1) bedeutet dies pro Jahr etwa 30 ml weniger Lungen­ka­pa­zität.

Wird ein COPD-Patient nicht thera­piert und raucht zudem weiter, muss man von einer etwaigen jährlichen Abnahme von 60–100 ml ausgehen. Die Lungen­ka­pa­zität verringert sich also deutlich schneller als bei Lungen­ge­sunden. Erfolgt ein Rauch­stopp und werden zudem die Medika­mente entspre­chend der Verordnung regel­mäßig einge­nommen, kann inzwi­schen eine Annäherung an die Reduk­ti­ons­werte eines Lungen­ge­sunden erreicht werden.

Bedeutet für COPD-Patienten, dass jeder Infekt eine Exazer­bation ist?

Die Atemwege sind bei einer COPD durch die chronische Infektion deutlich empfind­licher. Bei einer Virus­in­fektion, der Haupt­ur­sache für eine Exazer­bation, reagieren COPD-Patienten wesentlich stärker, als Lungen­ge­sunde.

Tritt in Folge des Infektes mehr Luftnot auf, kann man grund­sätzlich davon ausgehen, dass es sich um eine Exazer­bation handelt. Bleibt es bei einer laufenden Nase und Halsschmerzen, sind nur die oberen Atemwege betroffen und es handelt sich nicht um eine Exazer­bation.

Infekte sollten, bei Vorliegen einer COPD, so gut wie möglich durch alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen, wie z. B. Impfungen, persön­liche Verhal­ten­hal­tens­weisen wie z. B. Hände­hy­giene und körper­liche Wider­stands­kraft, wie z. B. körper­liche Aktivi­täten und gesunde, ausge­wogene Ernährung, vermieden werden.


Bildnachweis:
Deckblatt, S. 3, 21, 24 Viacheslav Iakobchuk –Fotolia.com, S. 5 lanamaster, S. 6 luismo­linero, S. 7 Arcady, S. 9 rainbow33, S. 10, 13, 14 trahko, S. 11 Dr. Oliver Göhl, www.trainingbeicopd.de, S. 15 laboko, S. 16 Elena, S. 18 Aleksandr Ugorenkov, U4 Yuri Acurs, ArTo, Alexander Raths – alles Fotolia.com

Wissen­schaft­liche Beratung:
Monika Tempel, Ärztin, Regensburg, www.monikatempel.de

Text/Redaktion:
Sabine Habicht, Redak­ti­ons­leitung Patienten-Bibliothek

Schlagwörter: akute Verschlechterung, Atemnot, Auswurf, chronische Bronchitis, COPD, Exazerbation, Husten, Inhalation, Krankheitsschub, Luftnot, Lunge, Lungenemphysem, Notfallplan

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