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Luftqualität – Gesünder Wohnen

31. Juli 2020

Dicke Luft?

Hätten Sie´s gewusst?
Im Schnitt halten wir uns zwischen 80 und 90 Prozent des Tages in geschlos­senen Räumen auf – die meiste Zeit davon zu Hause. Verun­rei­ni­gungen der Luft in Innen­räumen sind deshalb von unmit­tel­barer Bedeutung für das Wohlbe­finden und unsere Gesundheit.

Doch das ist leider keine Selbst­ver­ständ­lichkeit, denn viele Schad­stoffe, die beispiels­weise beim Heizen und Kochen mit offenen Feuer­stellen (Öfen, Kamine, Gasherde) entstehen oder aus Baustoffen, Teppichen oder Möbeln, aus Haushalts­che­mi­kalien und beim Tabak­rauchen sowie auch beim Renovieren freige­setzt werden, können die Luft in Wohnräumen belasten.

Nicht zu vergessen ist natürlich auch die Luft in unserer Wohngegend, die beim Lüften

in die Wohnung gelangt. Sie kann besonders in Ballungs­räumen und an verkehrs­reichen Straßen belastet sein.

Halten sich mehrere Personen in einem Raum auf, ist die Luft recht bald „verbraucht“. Kein Wunder. Denn jeder Mensch verbraucht Sauer­stoff und gibt Kohlen­dioxid, Wasser­dampf, überschüssige Wärme und indivi­duelle Körper­ge­rüche an seine Umgebung ab. In Ruhe oder bei leichter körper­licher Bewegung beträgt die Wärme­abgabe etwa 100 Watt.

Das bedeutet: Die Wärme­abgabe von drei Personen könnte locker die eines Badheiz­körpers

mit den Abmes­sungen 70 x 50 Zenti­meter ersetzen. Zusätzlich „verdampft“ der Mensch – ebenfalls in Abhän­gigkeit vom Ausmaß seiner körper­lichen Betätigung – durch Ausatmen und Schwitzen noch 40 bis 300 Gramm Wasser je Stunde. Schnell kann dadurch die Luftfeuch­tigkeit ansteigen.

Zu hohe Luftfeuch­tigkeit in Verbindung mit Wärme schafft Unbehagen und wird als drückend empfunden – man denke nur an den Aufenthalt in einem Tropen- oder Gewächshaus. Sie begünstigt aber auch das Schim­mel­pilz­wachstum in der Wohnung.

Das ist noch nicht alles: Wir atmen auch Kohlen­dioxid aus, und zwar stündlich zwischen 10 und 80 Liter, je nach körper­licher Betätigung. Ermüdung und Konzen­tra­ti­ons­stö­rungen sind die Folge steigender Kohlen­di­oxid­kon­zen­tra­tionen.

Heizen und Kochen
In Deutschland wird in über 40 Prozent der Wohnungen Gas zum Heizen und Kochen verwendet. Unter idealen Bedin­gungen entstehen bei der Verbrennung nur Kohlen­dioxid und Wasser­dampf. Doch leider ist die Verbrennung nicht vollständig. Es entstehen unter anderem – durch Reaktion mit dem Stick­stoff der Luft – Stick­stoff­oxide.

Diese gesund­heits­schäd­lichen Gase (siehe unten) dürfen sich in der Raumluft nicht anrei­chern. Bei Heizthermen werden die Abgase über den Schorn­stein abgeleitet. Beim Kochen gelangen sie aber in die Raumluft und müssen durch Lüften, zum Beispiel über eine Dunst­ab­zugs­haube, nach außen abgeleitet werden. Dunst­ab­zugs­hauben nur mit Umluft­be­trieb können diese Funktion jedoch nicht erfüllen! Stick­stoff­dioxid ist ein Reizgas und kann die Beschwerden bei Personen mit Atemwegs­er­kran­kungen verstärken.

Kohlen­monoxid entsteht besonders, wenn Öfen mit Kohle oder Holz beheizt werden – was neuer­dings wieder eine größere Rolle spielt – und schlecht ziehen, sowie auch beim Tabak­rauchen. Kohlen­monoxid ist giftig: Es blockiert den Transport des Sauer­stoffs im Blut.

„Ausgasen“ (Austreten von Gasen)
VOC (Volatile Organic Compounds) flüchtige organische Verbin­dungen, für die sich die Abkürzung einge­bürgert hat, gehören heutzutage zu den Luftver­un­rei­ni­gungen, die in jeder Wohnung zu finden sind. Es handelt sich dabei um eine Vielzahl synthe­ti­scher und natür­licher Stoffe, die bereits bei Zimmer­tem­pe­ratur aus verschie­denen Materialien und Produkten der Innen­aus­stattung und des täglichen Bedarfs ausgasen, zum Beispiel

  • ketten­förmige Kohlen­was­ser­stoffe, wie Alkane oder Alkene, die als „Fettlöser“ einge­setzt werden und in manchen Haushalts­che­mi­kalien enthalten sind,
  • aroma­tische (ringförmige) Kohlen­was­ser­stoffe, wie Toluol, die in einigen Klebstoffen und Lacken und auch in frischen Druckerzeug­nissen als Lösemittel vorkommen,
  • Terpene, die natür­liche Bestand­teile mancher Holzarten sind und heute zusätzlich als Duftstoffe vielen Produkten zugesetzt werden. Ein bekanntes Beispiel ist Limonen, das den Zitro­nenduft mancher Haushalts­pro­dukte bewirkt.

SVOC (Semivolatile Organic Compounds) sind schwer­flüchtige organische Verbin­dungen, die über einen längeren Zeitraum ausgasen und sich aufgrund ihrer physi­ko­che­mi­schen Eigen­schaften an Staub, aber auch an anderen Oberflächen anlagern.

Mit der Anwendung neuer Materialien und Produkte im Haushalt wandelt sich das Spektrum der Luftver­un­rei­ni­gungen ständig. Ob damit ein gesund­heit­liches Risiko oder ein Risiko für die Umwelt verbunden ist, lässt sich oftmals nicht so einfach feststellen.

Weitgehend unklar ist die gesund­heit­liche Bedeutung einzelner flüch­tiger oder schwer­flüch­tiger organi­scher Verbin­dungen und der aus ihnen bestehenden vielfäl­tigen Stoff­ge­mische, wenn sie in geringen Konzen­tra­tionen vorliegen. Einige Verbin­dungen riechen selbst bei niedriger Konzen­tration, andere führen bei höherer Konzen­tration zu Reizungen der Augen­bin­dehaut und der Schleimhaut der Atemwege. Aber auch Kopfschmerzen,

Schwin­del­gefühl oder Müdigkeit können auftreten. Das gilt gleicher­maßen für synthe­tische und für natür­liche Stoffe.

Tabak­rauch
Tabak­rauch gehört zu den gefähr­lichsten Luftver­un­rei­ni­gungen. Er enthält viele krebs­er­zeu­gende Substanzen. Auch „Passiv­rauchen“, also das Einatmen tabak­rauch-belas­teter Luft, fördert das Auftreten von Lungen­krebs und weiteren chroni­schen Lungen­er­kran­kungen. Tabak­rauch ist in Deutschland nach wie vor ein wesent­liches Innen­raum­problem, das auch Kinder betrifft. Bei Kindern begünstigt das passive Mitrauchen das Auftreten von Bronchitis und Lungen­ent­zündung, Mittel­ohr­in­fek­tionen und aller­gi­schen Erkran­kungen. Raucht die werdende Mutter während der Schwan­ger­schaft aktiv oder passiv, kann das beim Kind zu Entwick­lungs­stö­rungen führen.

Wie lüftet man richtig?

  • Stoßlüftung mehrmals täglich 5 bis 10 Minuten, am besten durch Öffnen gegen­über­lie­gender Fenster („Durchzug)
  • Immer lüften, wenn Wasser­dampf entsteht (beim Kochen, nach dem Duschen usw.)
  • Arbeiten mit geruchs­in­ten­siven Stoffen, Lösemitteln etc. nur bei gleich­zei­tiger guter Lüftung durch­führen
  • Auf konti­nu­ier­lichen Luftaus­tausch beim Heizen und Kochen mit Kohle oder Gas achten
  • Auch selten benutzte Räume regel­mäßig lüften

Welche Tempe­ra­tur­be­reiche werden für Wohnräume empfohlen?

Wohnzimmer                      20–23 °C
Schlaf­zimmer                      17–20 °C
Küche                                   18–20 °C
Bad                                       20–23 °C
WC                                        16–19 °C
Flur                                        15–18 °C

Tipps

  • Zu hohe Raumtem­pe­ra­turen sind nicht nur unnötig und steigern das Risiko für Erkäl­tungen, sondern kosten auch Geld und Energie.
  • Lüften sorgt dafür, dass nicht nur ein Tempe­ra­tur­aus­gleich erfolgt, sondern vor allem Schweb­staub, Schad­stoffe und Feuch­tigkeit aus der Wohnung entfernt werden. (Aller­dings: Etwas mehr als 50 Prozent Luftfeuchte sind als Raumklima ideal, damit z. B. die Schleim­häute der Atemwege nicht austrocknen.)
  • Die Umstellung von einem Gas- auf einen Elektroherd kann dann sinnvoll sein, wenn in Ihrem Haushalt Personen mit Atemwegs­er­kran­kungen leben.
  • Offene Feuer­stätten in der Wohnung liegen im Trend. In Kaminen und Kaminöfen dürfen Sie nur trockene und unbehan­delte Hölzer und keine Verpa­ckungs­ma­te­rialien verheizen. Sonst können giftige Stoffe, beispiels­weise Dioxine entstehen. Für Lungen­pa­ti­enten wird der eigene Ofen zur zusätz­lichen Belastung, wenn Schad­stoffe in die Wohnräume gelangen – z. B. bei veral­teten Kaminöfen oder Schorn­stein­sys­temen oder unsach­ge­mäßem Betrieb.
  • Stehen Renovie­rungs­ar­beiten oder auch die Anschaffung neuer Möbel an, so bietet der Handel verschiedene Produkte an, die – weil sie schad­stoff- oder emissi­onsarm sind – mit dem Umwelt­zeichen „Blauer Engel“ gekenn­zeichnet und daher gut für den Innenraum geeignet sind.
  • Verwenden Sie zum Kleben Leime und Kleister auf Wasser­basis.
  • Lassen Sie die Kleidung aus der chemi­schen Reinigung erst im Freien, beispiels­weise auf dem Balkon, auslüften, bevor Sie sie in den Schrank hängen.
  • Halten Sie in Wohn- und Schlaf­räumen die Staub­kon­zen­tration gering. Sie erreichen das durch regel­mä­ßiges Reinigen. Am besten lassen sich glatte Fußböden durch feuchtes Wischen und textile Fußbo­den­beläge oder Teppich mit dem Staub­sauer – am besten ein Modell mit Feinfilter – reinigen.
  • Verwenden Sie chemische Reini­gungs­mittel nur dann, wenn keine Säuberung durch mecha­nische Mittel möglich ist.
Achten Sie beim Einkauf auf Produkte, die mit dem Blauen Engel gekenn­zeichnet sind.

Schimmel
Schim­mel­pilze, von denen es unzählige Arten gibt, kommen überall in der Umwelt vor. Sie wachsen auf totem organi­schem Material und sind im Boden sehr verbreitet. Über Sporen, die in die Luft gelangen, erschließen sie sich neue Lebens­räume. In der Außenluft sind daher immer Schim­mel­pilz­sporen vorhanden. Diese gelangen auch in die Wohnung. Finden sie günstige Bedin­gungen vor, wachsen Schim­mel­pilze in der Wohnung und sind dann mit bloßem Auge als gefärbte Flecken sichtbar. Am besten „gefällt“ ihnen eine hohe  Feuch­tigkeit in der Luft und in Materialien oder anderen Oberflächen. Das „Nahrungs­an­gebot“ in einer Wohnung ist ohnehin groß: Reichlich gibt es Holz und Pappe; auch Teppich­böden, Tapeten und Kleister werden nicht „verachtet“. Selbst auf Putz oder im Mauerwerk können sich Pilze ansiedeln. Oftmals entwi­ckeln sich die Pilzko­lonien im Verbor­genen: unter der Tapete oder hinter Schränken. Ein modriger, muffiger Geruch oder erste Flecken an Wänden oder Mobiliar weisen auf das Problem hin. Schim­mel­pilze führen nicht nur zu Materi­al­schäden.

Viel wichtiger ist ihre gesund­heit­liche Bedeutung. Ihre Sporen können, auch wenn sie abgetötet sind, bei den Bewohnern Asthma, Haut- und Schleim­haut­rei­zungen oder grippe­artige Symptome auslösen. Nur durch vermeh­rungs­fähige Pilzsporen sind Infek­tionen möglich. Sie kommen sehr selten und nur bei besonders empfäng­lichen, stark immun­ge­schwächten Personen vor.

Feuch­tigkeit nimmt eine Schlüs­sel­stellung bei Schim­mel­pilz­befall – neben baulichen Mängeln, Wärme­brücken und unzurei­chender Wärme­dämmung – ein. Sachge­rechtes Heizen und Lüften ist daher das A und O zur Verrin­gerung der relativen Feuch­tigkeit und damit zur Vermeidung von Schimmel.

Wichtig! Hat der Schim­mel­pilz­befall ein größeres Ausmaß erreicht, ist eine Sanierung durch Fachper­sonal erfor­derlich.

Lesen Sie weiter:

Broschüre „Gesünder Wohnen – Aber wie? Praktische Tipps für den Alltag“

Heraus­geber sind das Umwelt­bun­desamt, Bundes­in­stitut für Risiko­be­wertung und Bundesamt für Strah­len­schutz im Rahmen des „Aktions­pro­gramms Umwelt und Gesundheit“ (APUG).

Die 64-seitige Broschüre kann kostenlos bezogen oder herun­ter­ge­laden werden:

www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/innenraumluft


Gut zu wissen

von Professor Dr. Rembert Koczulla, Rehaklinik Berch­tes­ga­dener Land, Schön Kliniken
https://www.schoen-klinik.de/berchtesgadener-land/fachzentren-institute/pneumologie/team

Schim­mel­pilze der Gattung Asper­gillus gehören zu den häufigsten, weit verbrei­teten Pilzen innerhalb von Gebäuden. Zu finden typischer­weise auch in Biotonnen, in Blumenerde oder in Mulch. Ebenso ist bekannt, dass beim Anbau von Blumen, insbe­sondere Tulpen Antimy­kotika (Fungizide) einge­setzt werden, was zur Entwicklung von Multi­re­sis­tenzen führt. Durch die Resis­tenzen haften an Tulpen oftmals Asper­gillen.

Bei einem geschwächten Immun­system findet der Pilz ideale Wachs­tums­be­din­gungen, z. B. in der Lunge.

Also besser die Nase nicht zu tief in Blumen stecken und nach der Arbeit mit Blumenerde oder dem Gang zur Biotonne Hände­wa­schen nicht vergessen. Ggf. kann eine Maske (3M-Schutz­maske) zur Garten­arbeit sinnvoll sein.


Tipp

von Ursula Krütt-Bockemühl, Deutsche. Sauer­stoff- und BeatmungsLiga LOT e.V.
www.sauerstoffliga.de

Winzige Feinstaub­par­tikel entstehen nicht nur bei Verbren­nungs­pro­zessen, wie z. B. beim Heizen, Kochen oder Tabak­rauchen, sondern auch bei brennenden und vor allem rußenden Kerzen. Diese Partikel steigen zunächst mit der heißen Luft nach oben und sind wesent­licher Bestandteil des sog. Schweb­staubs, bevor sie sich auf dem Fußboden oder anderen Oberflächen absetzen. Beim Einatmen dringen diese Partikel tief in die Bronchien ein und können zu einer Zunahme der Beschwerden bei Atemwegs und Lungen­er­kran­kungen führen.

Bei Sauer­stoff­pa­ti­enten kommt hinzu, dass offenes Feuer grund­sätzlich zu meiden ist, da konzen­trierter Sauer­stoff die Brand­gefahr fördert.

Auf die heimelige Atmosphäre in der kalten Jahreszeit braucht jedoch niemand zu verzichten. Täuschend echt wirkende LED-Kerzen sind im Handel inzwi­schen in unend­licher Vielfalt erhältlich – sogar mit flackerndem Licht.


Bildnachweis:
JPOX-Studio – Adobe­Stock
Professor Dr. Rembert Koczulla, Schön Kliniken
Ursula Krütt-Bockemühl
Natika – Adobe­Stock
www.blauer-engel.de
www.umweltbundesamt.de
arbalest, mreco – Adobe­Stock

Redaktion:
Sabine Habicht, Redak­ti­ons­leitung Patienten-Bibliothek

Teilweise Auszug der Broschüre “Gesunder Wohnen – Aber wie? Tipps für den Alltag” des Umwelt­bun­des­amtes


Der Beitrag wurde in der Winter­ausgabe 2019 der Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge veröf­fent­licht.

Schlagwörter: Atemwege, Innenraum, Luft, lüften, Luftqualität, Lunge, Schadstoffe, Schimmel, Schimmelpilze, Tabakrauch, Wohnen

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