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Sarkoidose – Katalysator für mehr Forschung

11. Mai 2020

Sarko­idose-Forschungs­preis

Es begann mit einem traurigen Ereignis. Die Witwe eines soeben verstor­benen noch relativ jungen Mitglieds wünschte sich statt Blumen und Kränzen anlässlich der Beerdigung Spenden für die Sarko­idose-Forschung. In der kurzen Frist bis zur Aufgabe der Todes­an­zeige konnte der Vorstand der Witwe kein sinnvolles Projekt nennen. So flossen die Spenden dem Vereins­konto zu und es kam die Idee auf, das Geld für einen For-schungs­preis zu verwenden. Alle Ärzte, die mit dem Sarko­idose-Netzwerk zusam­men­ar­beiten und die wir befragten, stimmten dieser Idee sofort zu.

Wie gestaltete sich das erfor­der­liche Procedere?

Nun aber mussten mehrere Probleme gelöst werden: Wie hoch muss ein solcher Preis dotiert sein? Wie verbreitet man die Nachricht der Ausschreibung? Wie organi­siert man die Begut­achtung der einge­reichten Arbeiten? In welchem Rahmen findet die Preis­ver­leihung statt?

Die Erkun­di­gungen bei forschenden Ärzten wegen einer sinnvollen Dotierung führten zu einem überein­stim­menden Ergebnis. Nicht die Höhe des Preises ist ausschlag­gebend, sondern die Tatsache, einen solchen Preis erhalten zu haben, auch wenn er „nur“ von einer Patien­ten­or­ga­ni­sation kommt. Entspre­chend dieser Erkennt­nisse wurde der Preis mit 2.000 Euro angesetzt und lediglich 2019 wegen der Nominierung von zwei Preis­trägern auf insgesamt 3.000 Euro aufge­stockt.

Auch die drei anderen Fragen ließen sich erstaunlich schnell lösen: Die Deutsche Gesell­schaft für Pneumo­logie bot an, die Ausschreibung über ihre Vereins­medien zu verbreiten und die Preis­ver­leihung in das offizielle Programm ihres Jahres­kon­gresses zu übernehmen. Von uns angespro­chene Ärzte waren sofort bereit, die Begut­achtung ehren­amtlich zu übernehmen. Es handelt sich um Professor Dr. Michael Dreher (Aachen), Professor Dr. Christian Grohé (Berlin), Professor Dr. Michael Kreuter (Heidelberg), Professor Dr. Jens Schreiber (Magdeburg) und Professor Dr. Dirk Skowasch (Bonn). Damit war ein renom­miertes Gremium gefunden.

Jetzt begann das angespannte Warten: Werden wirklich Arbeiten einge­reicht? Inzwi­schen ist bei dieser Frage Entspannung einge­treten. In den ersten drei Jahren erreichten uns bis zum jewei­ligen Abgabe­termin 31. Januar insgesamt 13 Arbeiten. Allesamt mit neuen Erkennt­nissen, die wir auch den Betrof­fenen anschließend über die Vereins­zeitung und den Mitglie­der­be­reich der Vereins­homepage nutzbar machen können. So ergab sich bis jetzt ein Schwer­punkt mit Arbeiten zur „Fatigue* bei Sarko­idose“, einem Thema, bei dem Ärzte den Betrof­fenen nur wenig Hilfreiches sagen können.

Die Verleihung fand durch die Einbettung in Kongress-Symposien immer einen sehr angemes­senen Rahmen (siehe auch https://sarkoidosenetzwerk.de/resources/ Forschungspreis-2019.pdf). Durch die vielen Teilnehmer konnten wir das Thema „Sarko­idose“ ein gutes Stück aus einer eher unbeach­teten Ecke in das Bewusstsein vieler Ärzte bringen. Von diesem Erfolg ermutigt, hat der Vorstand des Vereins beschlossen, den jährlichen Forschungs­preis auf Dauer zu verleihen. Die finan­zielle Grundlage dazu ist durch Spenden gesichert. Und so ist der Preis auch für 2020 wieder ausge­schrieben (https://sarkoidosenetzwerk.de/aktivitaeten/aktuelle_highlights.php).

Verleihung des Forschungs­preises des Sarko­idose-Netzwerkes im Rahmen des Pneumo­logie-Kongresses an Dr. Thomas Jürgen Bahmer zur Fatigue-Forschung im Jahr 2018. Die Laudatio hielt Professor Dr. Müller-Quernheim, Freiburg

Was ist nun unser bishe­riges Fazit?

Ein Blick in das Kongress­pro­gramm des Jahres­kon­gresses der Deutschen Gesell­schaft für Pneumo­logie 2019 in München zeigt einen Gesamt­umfang von 266 Seiten mit einem Anteil des darin enthal­tenen Sarko­idose-Sympo­sions von lediglich einer halben Seite. Allein dadurch erkennt man schnell, dass dem Thema „Sarko­idose“, einer der häufigsten seltenen Erkran­kungen, dringend mehr Aufmerk­samkeit und mehr Forschungs­ak­ti­vi­täten zugeführt werden müssen.

  • Die bisherige Ausschreibung des Forschungs­preises hat nach unseren Beobach­tungen und, belegt durch viele Gespräche, in Fachkreisen offen­kundig Aufmerk­samkeit erzeugt.
  • Die einge­reichten Arbeiten zeigen, dass es tatsächlich Nischen gibt, wo geforscht wird. Diese Nischen werden jetzt sichtbar und können unter­stützt werden. So betei­ligen sich Mitglieder des Sarko­idose-Netzwerkes auch an klini­schen Studien.
  • Zu den betei­ligten Forschern sind z.T. direkte persön­liche Kontakte entstanden, die hoffentlich auch in der Zukunft zu frucht­baren Ergeb­nissen führen.

So hoffen wir, dass sich der Sarko­idose-Forschungs­preis zu einem wirksamen Kataly­sator für die Aktivierung der Sarko­idose-Forschung entwi­ckelt.


Sarko­idose-Netzwerk e.V.

Der Verein wurde im Jahr 2009 von Betroffenen gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, die medizi­nische und psycho­so­ziale Versorgung für die betroffenen Erkrankten und ihr persön­liches Umfeld vor Ort zu ver-bessern. Bundesweit finden sich Regio­nal­gruppen und regionale Netzwerke.

Kontakt­daten:
Sarko­idose-Netzwerk e.V. Rudolf-Hahn-Str. 148, 53227 Bonn Telefon/Telefax 0228 – 471108 verein@sarkoidose-netzwerk.de www.sarkoidose-netzwerk.de


Sarko­idose

Sarko­idose – vielfältig wie ein Chamäleon

Sarko­idose ist im eigent­lichen Sinne keine Lungen­er­krankung, doch bei der Mehrzahl der Betroffenen sind das Lungen­gewebe und die Lymph­knoten in Mitlei­den­schaft gezogen.

Was ist Sarko­idose?

Sarko­idose, auch Morbus Boeck genannt, ist eine entzünd­liche Erkrankung, die syste­misch auftritt, d.h. den gesamten Körper betrifft. Dabei entwi­ckeln sich im Binde­gewebe mikro­sko­pisch kleine Knötchen (Granulome), die die Funktion der betroffenen Organe einschränken können. Zudem können Entzün­dungsre-aktionen binde­ge­webige Verän­de­rungen (Fibrose) hervor­rufen. Neben der Lunge und den Lymph­knoten können Organe wie B. Leber, Milz, Herz, Nieren, Haut, Augen oder das Nerven­system betroffen sein.

Sarko­idose tritt oft zwischen dem 25. und 40. Lebensjahr auf, wird aber in den letzten Jahren zunehmend erst im späteren Lebens­alter festge­stellt. Die Ursache der Erkrankung ist bis heute unbekannt.

Wie äußert sich die Erkrankung?

Krank­heits­sym­ptome können sich sehr unter­schiedlich äußern. Viele Patienten klagen jedoch über allge­meine unspe­zifische Symptome wie z. B. erhöhte Körper­tem­pe­ratur, Gewichts­ab­nahme, Nacht­schweiß, Müdigkeit und Abgeschla­genheit. Da fast immer die Lunge beteiligt ist, kann es zu Husten und Atem-not kommen, insbe­sondere unter Belastung. Es wird zwischen akuter und chroni­scher Verlaufsform unter­schieden. Die Erkrankung wird bei Lungen­be­tei­ligung in die Röntgen­typen 0–4 einge­teilt. Die Aussichten auf Heilung sind je nach Ausprägung der Erkrankung sehr unter­schiedlich.

Wie wird die Erkrankung festge­stellt?

Bei einem Lungen­facharzt können durch bildge­bende Verfahren Verän­de­rungen an der Lunge und den Lymph­knoten im Brustraum erkannt, die Lungen­funktion genau unter­sucht und endosko­pische Unter­su­chungen wie eine Lungen­spie­gelung mit einer Entnahme von Lungen­gewebe veran­lasst werden. Darüber hinaus sind fachärzt­liche Unter­su­chungen der Augen, des Herzens (z. B. EKG), der inneren Organe (Ultra­schall) oder des Skeletts (z. B. Röntgen, MRT) sinnvoll. Eine Gewebe­probe sichert oftmals erst die eindeutige Diagnose.

Die Vielfalt der Erschei­nungs­formen einer Sarko­idose führt dazu, dass fast jeder Betroffene seine „eigene“ Sarko­idose entwi­ckelt. Dies erschwert die Diagno­se­stellung erheblich. Da die Krankheit an allen Stellen im Körper auftreten kann, benötigen Betroffene meist verschiedene Fachbe­reiche der Medizin zu Diagnostik und Therapie. Sarko­idose wird aufgrund ihrer vielen Beson­der­heiten und Wandlungs­ei­gen­arten auch als das Chamäleon der Inneren Medizin bezeichnet.


Dieser Beitrag wurde in der Frühjahrs­ausgabe 2020 der Zeitschrift Atemwege und Lunge veröf­fent­licht.

Text: Hilde und Bernd Stachetzki, Sarko­idose-Netzwerk e.V.

Foto: JoHempel, Adobe­Stock Vera Kuttel­va­serova

Schlagwörter: Atemnot, Entzündungsreaktion, Fibrose, Forschung, Forschungspreis, Lunge, Morbus Boeck, Sarkoidose

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