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Forschung zum Anfassen

04. Juni 2020

Beatmungsgerät

Wie wird ein neues Beatmungs­gerät getestet?

Am Forschungs­zentrum Borstel wurde in Zusam­men­arbeit mit der Firma FLO Medical ein neues Beatmungs­gerät entwi­ckelt, das seit 2016 bei COPD-Patienten einge­setzt wird, wenn diese nicht mehr in der Lage sind, das im Körper anfal­lende Kohlen­dioxid auszu­atmen. Das neue Gerät (Vigaro®) hat eine Beson­derheit – es ahmt die Atemtechnik der Lippen­bremse nach. Diese Atemtechnik hilft vielen Menschen mit COPD, kann aber natürlich nur angewendet werden, solange man wach ist und konzen­triert atmet. Über das Gerät kann nun die ganze Nacht über das Prinzip der „Lippen­bremse“ genutzt werden.

Viele Patienten berichten, dass das neue Gerät ihnen helfe, weil die morgend­liche Luftnot bei Abnahme der Maske gebessert sei (sog. Deven­ti­la­ti­ons­syndrom) und weil die körper­liche Leistungs­fä­higkeit zunehme.

Für eine medizi­nische Bewertung genügen die Berichte einzelner Patienten jedoch nicht. Daher werden das Vigaro®-Gerät und die „Lippen­brem­sen­be­atmung“ derzeit in einer großen klini­schen Studie unter­sucht (Nummer im Deutschen Register Klini­scher Studien: DRKS00012325). Fünf deutsche Lungen­kli­niken betei­ligen sich daran, heraus­zu­finden, ob das neue Gerät tatsächlich die Vorteile hat, die manche Patienten beobachten (Kontakt­daten siehe unten). Seit September 2019 ist auch das Städtische Klinikum Dortmund an der Studie beteiligt, was für Patienten in Nordrhein-Westfalen eine Erleich­terung bedeutet.

Finan­ziert wird die Studie vom Deutschen Zentrum für Lungen­for­schung (DZL) und läuft nach folgendem Schema ab: Patienten mit einer COPD und einer bereits bestehenden Beatmungs­the­rapie werden zunächst gründlich unter­sucht, ob sie in die Aufnah­me­kri­terien der Studie passen könnten. Die Patienten verbringen eine Nacht mit dem eigenen Beatmungs­gerät in der Klinik und es wird gemessen, wie gut die eigene Atmung mit dem Gerät harmo­niert. Danach erhält nach dem Zufalls­prinzip die eine Hälfte der teilneh­menden Patienten das Vigaro®-Gerät, die andere Hälfte behält das eigene Gerät.

Die Behandlung wird über einen Zeitraum von 3 Monaten durch­ge­führt. Jeweils nach den ersten 4 Wochen und nochmals nach Ablauf der 3 Monate wird jeder Studi­en­pa­tient erneut unter­sucht:

  • Wie hat sich die körper­liche Belast­barkeit verändert (6‑Minuten-Gehtest)?
  • Wie hoch ist der Gehalt an Sauer­stoff- und Kohlen­dioxid im Blut (Blutgas­analyse)?
  • Wie hat sich die Mechanik der Atmung verändert (Lungen­funk­ti­onstest)?
  • Wie ist die Lebens­qua­lität (Frage­bögen)?

Anschließend kann jeder Patient entscheiden, ob er das eigene Beatmungs­gerät weiter­nutzen möchte oder ob das  neue Gerät verordnet werden soll. Alle Patienten werden noch weiteren 9 Monate mit regel­mä­ßigen Telefon­an­rufen nachbe­ob­achtet, um auch die Langzeit­ef­fekte der Behandlung zu erfassen. Zudem erhalten die Studi­en­teil­nehmer mehrfach einen Schritt­zähler, damit der Bewegungs­umfang zuhause gemessen werden kann.

Alle Messwerte werden detail­liert dokumen­tiert und verglichen, sobald genügend Patienten in beiden Behand­lungs­gruppen rekru­tiert wurden. Erst danach kann eine wissen­schaftlich fundierte Aussage getroffen werden, was die neue Beatmungs­the­rapie im Vergleich zur bisher üblichen Beatmungs­the­rapie leisten kann.

Patienten mit COPD und einer bereits bestehenden Beatmungs­the­rapie (nicht-invasiven Beatmung – NIV) können sich selbst unkom­pli­ziert für eine Teilnahme an dieser Studie bewerben. Inter­es­sierte können im Internet rasch prüfen, ob sie in Frage kommen (http://lippenbremse.fz-borstel.de). Anschließend können Sie eines der folgenden Studi­en­zentren kontak­tieren:

Koordi­nie­rendes Zentrum
Forschungs­zentrum Borstel, Medizi­nische Klinik
PD Dr. Christian Herzmann/Dr. Stephan Rüller
Parkallee 35, 23845 Borstel
Tel. 04537–188-8080
lippenbremse@fz-borstel.de

Weitere Prüfzentren

Lungen­Clinic Großhansdorf
Prof. Dr. med. Klaus F. Rabe
Studi­en­as­sistenz
Wöhrendamm 80, 22927 Großhansdorf

Thorax­klinik Heidelberg
Sekre­tariat Prof. Dr. Felix Herth
Röntgen­straße 1, 69126 Heidelberg

Medizi­nische Hochschule Hannover
Schlaf­labor der Medizi­ni­schen Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover

Klinikum Dortmund
Frau Landsiedel-Mechenbier
Tel.: 0231–953-18206
Münster­straße 240, 44145 Dortmund

PD Dr. med. Christian Herzmann
Forschungs­zentrum Borstel

Lesen Sie auch…

die Beiträge über die Lippen­brem­sen­be­atmung bei COPD in der Frühjahrs­ausgabe 2017 und der Winter­ausgabe 2018 der Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge, online als Download auf www.Patienten-Bibliothek.de.


Text: PD Dr. Christian Herzmann, Borstel

Foto: FLO Medical

Der Beitrag wurde in der Winter­ausgabe 2019 der Fachzeit­schrift “Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge” veröf­fent­licht.

www.Patienten-Bibliothek.de

Schlagwörter: Beatmung, Borstel, COPD, DZL, Forschung, Forschungszentren, Lippenbremse, Lungenemphysem, Lungenforschung, Studie, Vigaro

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