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Blutplasma – kostbarer Lebenssaft

15. Juli 2020

Lebens­retter für viele Patienten

Für viele Patienten bedeuten die aus Plasma gewon­nenen Arznei­mittel ein neues Lebens­gefühl und Unabhän­gigkeit im Alltag.

Ein kostbarer Lebenssaft

Unser Blutplasma enthält Immun­glo­buline. Immun­glo­buline sind Proteine (Eiweiße), die eine zentrale Rolle in unserem Immun­system einnehmen. Manche Menschen können Immun­glo­buline nicht selbst herstellen. Diese Menschen sind auf Arznei­mittel aus Blutplasma angewiesen. Das Blutplasma muss von gesunden freiwil­ligen Spendern im Rahmen einer Plasma- oder Blutspende gespendet werden. Da Immun­glo­buline nicht künstlich herge­stellt werden können, werden sie aus Blutplasma mensch­licher Spender gewonnen.

Für die Versorgung eines immun­de­fi­zi­enten Patienten kommen im Laufe seines Lebens bis zu 100.000 Blutplas­ma­spenden zusammen. Bedenkt man, dass in Deutschland maximal 60 Blutplas­ma­spenden pro Jahr und Spender erlaubt sind und die Spender zwischen 18 und 65 Jahren alt sein dürfen, müssten für einen einzigen Patienten 36 Personen 47 Jahre lang spenden.

Die Realität sieht leider anders aus. Lediglich fünf Prozent der spende­fä­higen Bevöl­kerung* in Deutschland spendet überhaupt Blut oder Blutplasma. Im bundes­weiten Durch­schnitt werden pro Spender nur zwei Blut- und 13 Plasma­spenden pro Jahr geleistet. Aufgrund persön­licher Umstände oder gesund­heit­licher Einschrän­kungen sind viele Menschen nur einige wenige Jahre als Spender aktiv. Seit Jahren verzeichnen die Plasma- und Blutspen­de­dienste einen Rückgang an Spendern und Spenden. Vor allem der demogra­phische Wandel spielt hier eine Rolle. Aber auch zuneh­mende Ausschluss­kri­terien für poten­zielle Spender, um die Sicherheit der Spender und der Medika­mente für die Patienten immer weiter zu erhöhen, haben Einfluss auf den rückläu­figen Trend.

* Es gibt unter­schied­liche Angaben über die theor­ethische Spende­fä­higkeit in der Bevöl­kerung. Eine Studie des Bundes­ver­bandes der Ersatz­kassen spricht von 60 Prozent.

Gleich­zeitig nimmt der Bedarf an Blutplasma zu und wird in den kommenden Jahren weiter steigen. So wächst der Anteil älterer Menschen an der Gesamt­be­völ­kerung. Mit einer Verbes­serung der Diagnostik erhalten auch mehr Patienten den Zugang zu entspre­chenden Therapien. Die Zahl der Personen, die auf Therapien aus Blutplasma angewiesen sind, wird größer. Die zuneh­mende Diskrepanz, von sinkenden Spender­zahlen auf der einen Seite und steigendem Bedarf auf der anderen, ist eine stetige Heraus­for­derung.

Der Spenden­vorgang einer Plasma­spende dauert ca. 45 Minuten.

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

Ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (AATM) ist eine der häufigsten Erbkrank­heiten der Lunge und eine von vielen Erkran­kungen, bei denen Plasma­de­rivate zum Einsatz kommen.

In vielen Fällen bleibt die Erkrankung AATM unerkannt oder wird erst spät diagnos­ti­ziert. Zumeist wird bei Betrof­fenen im Erwach­se­nen­alter fälsch­li­cher­weise von einer COPD (chronisch obstruk­tiven Lungen­er­krankung) mit Lungen­em­physem (Lungen­über­blähung) ausge­gangen. Der AATM steht als seltene Erkrankung zu wenig im Fokus der Wahrnehmung, obwohl ein einma­liger, einfach durch­zu­füh­render Test mittels weniger Tropfen Blut beim Arzt rasch Aufschluss geben kann.

AAT ist ein körper­ei­genes Protein, das vorwiegend in den Zellen der Leber gebildet wird, von dort in den Blutkreislauf und somit praktisch in allen Körper­ge­weben vorhanden ist. Innerhalb der Stoff­wech­sel­pro­zesse kann AAT als ein wichtiger "Gegen­spieler" von körper­ei­genen Enzymen betrachtet werden. Enzyme werden bei entzünd­lichen Prozessen und chroni­schen Reizzu­ständen vermehrt gebildet, um Fremd­sub­stanzen, z. B. Bakterien oder Schad­stoff­par­tikel, zu zerstören . Da Enzyme jedoch nicht zwischen Fremd­sub­stanzen und körper­ei­genem Gewebe unter­scheiden können, besteht die Aufgabe von AAT darin, als eine Art "moleku­lares Schutz­schild" zu fungieren.

Die eindeutig häufigste Auswirkung eines Alpha-1-Antitrypsin-Mangels ist eine Erkrankung der Lunge. Besteht ein Mangel, kommt das "System" der Entzündung aus dem Gleich­ge­wicht. Die Folge ist, gesundes Lungen­gewebe wird zerstört und es entwi­ckelt sich ein Lungen­em­physem.

Das fehlende Schutzeiweiß Alpha-1-Antitrypsin kann je nach Ausprägung der Erkrankung mittels Substi­tu­ti­ons­the­rapie ersetzt werden. Dadurch wird die Konzen­tration des AAT im Blut angehoben, was zu einer Verlang­samung der Zerstörung des Lunge­webes führt.

"Etwa im Jahr 2017 wurde bei mir die Diagnose Alpha-1-Antitrypsin-Mangel nach einer Testung gestellt, mit einer Lungen­funktion von nur mehr 50 %. Alleine für meine einmal wöchent­liche Infusi­ons­the­rapie sind 17 Plasma­spenden notwendig."

Blutplasma

Plasma kann in Form einer Blutspende, wobei das Plasma durch Zentri­fu­gation des Blutes gewonnen wird, gespendet werden. Besser ist aller­dings die direkte Plasma­spende. Denn Blut darf man nur 4–6 Mal pro Jahr spenden, Plasma aber 60 Mal im Jahr. Plasma kann mittels Plasmaa­pherese direkt gespendet werden.

Bei der Plasma­pherese wird Blut aus einer Vene in der Armbeuge entnommen. Das Blut fließt über einen Schlauch in eine Aphere­se­ma­schine. Hier wird eine bestimmte Menge des Blutes zentri­fu­giert. So wird das Blutplasma von den festen Blutbe­stand­teilen (z. B. rote, weiße Blutkör­perchen) getrennt und in einem Beutel gesammelt, die restlichen Blutbe­stand­teile werden dem Körper zurück­ge­geben. Dieser Zyklus wiederholt sich zwei- bis dreimal während einer Spende. So können sie je nach Gewicht und Größe bis zu 780 ml spenden.

Weitere Infor­ma­tionen

zur Plasma­spende und wie man Plasma­spender werden kann finden Sie z. B. auf www.haema.de und den dort zum Download hinter­legten Faltblättern.

…zur Blutspende und Spender­in­for­ma­tionen z. B. beim Deutschen Roten Kreuz auf https://www.drk-blutspende.de/informationen-zur-blutspende/spenderinformationen.php

…zum Alpha-1-Antitrypsin-Mangel und auch zum Alpha-1-Testver­fahren finden Sie in der Broschüre "Atemlos durch Alpha‑1?". Die Broschüre kann kostenfrei als Print­version auf www.Patienten-Bibliothek.de angefordert oder online als Download gelesen werden.

Umfang­reiche Infor­ma­tionen zum AATM und zur Selbst­hilfe bei AATM finden Sie auf den Seiten von Alpha1 Deutschland e.V.
www.alpha1-deutschland.org.


Bildnach­weise:
Haema

Quellen:
Haema; Alpha1 Deutschland e.V.

Text/Redaktion:
Sabine Habicht, Redak­ti­ons­leitung Patienten-Bibliothek

Der Beitrag wurde in der Sommer­ausgabe 2020 der Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge veröf­fent­licht.

Schlagwörter: AATM, Alpha-1-Anti-Mangel, Alpha1, Blut, Blutplasma, Blutspende, COPD, Enzym, Immunglobuline, Lunge, Lungenemphysem, Plasma, Spende

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