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Atemnot durch Lungenüberblähung

27. Aug. 2020

Atemnot: Neuer Ratgeber Lungen­em­physem

Bisher werden in der Patien­ten­li­te­ratur, aber meist auch in der wissen­schaft­lichen Literatur, COPD und Lungen­em­physem gemeinsam darge­stellt. Viele Patienten kennen jedoch nur unzurei­chend die Abgren­zungen und die Gemein­sam­keiten der Krank­heits­bilder der chronisch obstruk­tiven Bronchitis und des Lungen­em­physems, die zusam­men­ge­fasst als COPD bezeichnet werden.

Einem „nur“ als Lungen­em­physem diagnos­ti­zierten Patienten ist oft nicht klar, dass seine Erkrankung überge­ordnet als COPD bezeichnet wird und fühlt sich daher von der Bezeichnung COPD mögli­cher­weise nicht angesprochen.

Die drei Leitsym­ptome einer COPD sind Atemnot, Husten und Auswurf.

Aller­dings ist weniger die chronisch obstruktive Bronchitis, sondern insbe­sondere das Lungen­em­physem, Auslöser für Atemnot. Husten und Auswurf hingegen sind die dominie­renden Symptome einer chroni­schen Bronchitis.

Eine COPD geht immer mit einer gestei­gerten Entzün­dungs­re­aktion in den Atemwegen einher, die zumeist durch die langjährige Inhalation von Partikeln und Gasen – an erster Stelle steht hier das Rauchen – ausgelöst wird. Die Entwicklung eines Lungen­em­physems kann jedoch auch durch andere Ursachen begünstigt werden, wie z. B. einem genetisch bedingten Alpha-1-Antitryp­sin­mangel.

In diesem Ratgeber werden die beson­deren Merkmale und Charak­te­ristika des Lungen­em­physems auf Basis der derzei­tigen wissen­schaft­lichen Erkennt­nisse darge­stellt, um ein besseres Verständnis für das Erkran­kungsbild, die damit einher­ge­henden Verän­de­rungen, die Symptome und die Behand­lungs­op­tionen zu ermög­lichen.

Heraus­geber des Ratgebers ist die Patienten-Bibliothek gGmbH, Medien­partner des Ratgebers der Edition Patienten für Patienten ist der COPD – Deutschland e.V.

Autoren Jens Lingemann, 1. Vorsit­zender COPD – Deutschland e.V. und Sabine Habicht, Medizin­jour­na­listin, Redak­ti­ons­leitung Patienten-Bibliothek.

Wissen­schaft­liche Beratung erfolgte durch PD Dr. med. Daniela Gompelmann, Univer­si­täts­klinik Heidelberg – Lungen­vo­lu­men­re­duktion.

Der Ratgeber liegt dieser Ausgabe bei. Ist der Ratgeber nicht mehr enthalten, kann er online gelesen oder als Druck­version angefordert werden:

Beachten Sie die dort hinter­legten Versand­in­for­ma­tionen.

Nachfolgend finden Sie einige modifi­zierte Auszüge des Ratgebers.

Lungen­em­physem verstehen

Die Erkrankung
Bei einem Lungen­em­physem (Emphysem = Blase) werden die für den Sauer­stoff- und Kohlen­di­oxid­aus­tausch zustän­digen Lungen­bläschen durch einen komplexen Prozess überdehnt und teilweise zerstört. Es bilden sich größere Blasen, in denen sich die Atemluft staut.

Die entzün­deten, verengten kleinsten Atemwege (Bronchiolen), an die unmit­telbar die Lungen­bläschen anschließen, und die zerstörten Lungen­bläschen können ein „Zusam­men­fallen“ der Atemwege während der Ausatmung bedingen, was wiederum zum Phänomen der Überblähung unter Belastung führen kann.

Quelle: COPD Leitlinie 2018, www.atemwegsliga.de

Atemnot ist das Haupt­symptom eines Lungenemphysems.Eine Lungen­über­blähung führt zur erschwerten Atmung.

Entwicklung
Die Entwicklung eines Lungen­em­physems verläuft immer indivi­duell, zumeist ist es jedoch ein sehr langsamer, schlei­chender Prozess. Über Jahre hinweg treten kaum Beschwerden auf, da die Lunge selbst keine Schmerz­sen­soren hat. Atemnot wird erst bei starker körper­licher Belastung empfunden und führt daher vor allem zu Vermei­dungs­stra­tegien – ein fataler Irrtum, da diese den Verlauf der Erkrankung ungünstig beein­flussen.

Trotz andau­ernder Beschwerden wird die Ursache der Atemnot zunächst häufig im natür­lichen Alterungs­prozess oder der eigenen Unsport­lichkeit etc. vermutet.

Viele Betroffene suchen ihren Arzt erst auf, wenn die Atemnot bereits in Ruhe spürbar ist und z. B. Treppen oder Steigungen kaum mehr bewältigt werden können. Daher wird die Diagnose eines Lungen­em­physems vielfach erst in einem weit fortge­schrit­tenen Stadium gestellt.

Vor allem durch Infek­tionen können Krank­heits­schübe bzw. Verschlech­te­rungen (Exazer­ba­tionen) ausgelöst werden, die mit akuter Atemnot einher­gehen und manchmal einen statio­nären Kranken­haus­auf­enthalt notwendig werden lassen. Aber auch andere Einflüsse, die die Atmung zusätzlich erschweren, wie z. B. Inver­si­ons­wet­ter­lagen, Kälte, hohe Luftfeuch­tigkeit etc., können das Symptom der Atemnot verstärken. Das Beschwer­de­emp­finden verläuft meist wellen­förmig mit wechselnd guten und weniger guten Tagen.

Befindet sich die Erkrankung in einem weit fortge­schritten Stadium, kann ein latentes Gefühl der Atemnot auch in Ruhesi­tua­tionen vorhanden sein. Die Atemnot wird dann meist nicht nur durch das Lungen­em­physem, sondern mögli­cher­weise durch weitere Faktoren wie z. B. Begleit­erkran­kungen, Bronchi­al­sekret etc. begünstig.

Struk­tu­relle Verän­de­rungen

Lungen­bläschen (Alveolen) sind die struk­tu­rellen Elemente einer Lunge. Doch was genau passiert bei einem Lungen­em­physem am Lungen­gewebe?

Störung des Repara­turme­cha­nismus
Da mit jedem Atemzug nicht nur Sauer­stoff, sondern auch kleine Schwe­be­par­tikel wie Staub, schädi­gende Gase, Viren oder Bakterien in die Lunge gelangen, muss das Immun­system der Lunge konti­nu­ierlich aktiv sein.

Um die eindrin­genden Krank­heits­er­reger und Fremd­sub­stanzen zu zerstören, bilden sich Enzyme (Proteasen). Die Enzyme können jedoch nicht zwischen Fremd­sub­stanzen und körper­ei­genem Gewebe unter­scheiden. Daher fungieren sog. Antipro­teasen (Alpha-1-Antitrypsin) als eine Art moleku­lares Schutz­schild des körper­ei­genen Gewebes. Ist die Antipro­teasen­bildung vermindert und nehmen die Proteasen überhand, kommt es zum Gewebe­abbau – ein Emphysem entwi­ckelt sich.

Ein Ungleich­ge­wicht von Enzymen (Proteasen und Antipro­teasen) stört den natür­lichen Abwehr- und Repara­turme­cha­nismus und führt zum Gewebe­abbau.

Ursachen
Insbe­sondere zwei Faktoren scheinen das Ungleich­ge­wicht zu verur­sachen:

  • dauer­hafte bzw. schwer­wie­gende Entzün­dungs­ak­ti­vi­täten (häufig)
  • genetisch bedingter Mangel an Alpha-1-Antitrypsin (sehr selten)

Chronische Entzün­dungen
Eine Entzündung ist eine automa­tische Schutz­re­aktion des Körpers auf einen schädi­genden Reiz oder eine Verletzung. Dauer­hafte und schwer­wie­gende Entzün­dungs­ak­ti­vi­täten stören jedoch den natür­lichen Abwehr- und Repara­turme­cha­nismus der Lunge.

Die Auslöser für Entzün­dungen sind vielfältig. Nachweislich am häufigsten wird ein Emphysem aller­dings durch Atemwegs­ent­zün­dungen aufgrund von Zigaret­ten­rauch verur­sacht. Weitere Auslöser des Ungleich­ge­wichts können beispiels­weise eine schwere Virus­bron­chitis, die chronisch obstruktive Bronchitis, langjäh­riges unkon­trol­liertes Asthma bronchiale, schwere Lungen­ent­zün­dungen etc. sein.

Quelle: Lungen­em­physem, www.lungenaerzte-im-netz.de

Alpha-1-Antitryp­sin­mangel
Ein genetisch bedingter Mangel an Alpha-1-Antitrypsin (AAT) ist – wenngleich eine sehr seltene – weitere Möglichkeit für die Entwicklung eines Lungen­em­physems.

Infolge des AAT-Mangels findet sich entweder nur noch eine geringe oder gar keine Alpha-1-Antiryp­sin­kon­zen­tration mehr im Blutserum. Eine spezielle Therapie zur Substi­tution von AAT kann bei manchen Patienten erfolgen.

Experten empfehlen jedem Lungen­em­physem-Patienten eine einmalige Testung auf einen AAT-Mangel beim Haus- oder Lungen­facharzt.

Weitere Infor­ma­tionen finden Sie auch auf www.alpha1-deutschland.de

Körper­liche Verän­de­rungen

Die Atemsysteme Lunge und Atempumpe funktio­nieren in einer ähnlichen Weise wie das Herz-Kreislauf-System. Während im System Lunge der Gasaus­tausch statt­findet, sorgt die Atempumpe für die regel­mäßige und ausrei­chende Venti­lation der Lunge. Lunge und Atempumpe sind dabei gleicher­maßen wichtig.

Kommt es bei einem Lungen­em­physem aufgrund der Zerstörung der Alveolen zum Elasti­zi­täts­verlust des Lungen­ge­webes, geraten die Einatem­muskeln der Atempumpe in Schwie­rig­keiten. Sie werden aus ihrer optimalen Funkti­ons­stellung gebracht und somit in ihrer Pumparbeit stark beein­trächtigt.

Struk­tu­relle Schädi­gungen der Lunge beein­träch­tigen immer auch die Atempumpe.

Ein Lungen­em­physem kann beispiels­weise zur Überlastung und Abfla­chung des Zwerch­fells, ebenso zu einer Überbe­an­spru­chung der Atem- und Ausatem­muskeln und somit zu deren Verkürzung führen. Bei einem fortge­schrit­tenen Lungen­em­physem kann sich ein sog. Fassthorax, ein kurzer breiter Brustkorb, entwi­ckeln, der in der Einatem­stellung fixiert ist. Quelle: Sabine Weise, München 2018

COPD und/oder Lungen­em­physem

COPD ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung chronic obstructive pulmonary disease = chronisch veren­gende Lungen­er­krankung.

Die Verengung der Atemwege beruht auf zwei wesent­lichen Ursachen:

einer Entzündung im Bereich der kleinsten Atemwege (obstruktive Bronchio­litis)

und einer Zerstörung von Lungen­gewebe, insbe­sondere der Lungen­bläschen (Lunge­nem­hysem).
Quelle: COPD Leitlinie 2018

Risikofaktoren/Auslöser
Risiko­fak­toren bzw. Auslöser für die Entwicklung einer COPD sind vor allem:

Erblich bedingte Faktoren

  • genetische Erbgut­ver­än­de­rungen (genetische Präpo­sition) wie z. B. Alpha-1-Antitryp­sin­mangel
  • überemp­find­liche Bronchien (bronchiale Hyper­re­agi­blität)
  • Störungen des Lungen­wachstums

Verhal­tens­be­dingte Faktoren

  • inhala­tiver Tabak­konsum (auch Passiv­rauchen)
  • berufs­be­dingte inhalative schädi­gende Stoffe (Noxen)
  • schädi­gende Umwelt­stoffe (Luftver­un­rei­nigung indoor und outdoor, Biomas­sen­ex­po­sition, wie z. B. Kochen am offenen Feuer)
  • vorge­bur­liche und frühkind­liche Einwir­kungen (wie z. B. inhala­tiver Tabak­konsum der Mutter)
  • Atemwegs­in­fek­tionen (in der Kindheit)

Typisie­rungen
Das Krank­heitsbild einer COPD äußert sich nicht bei jedem Patienten gleich.

Die betrof­fenen Patienten unter­scheiden sich in vielen Gesichts­punkten, angefangen vom Beginn der Erkrankung, über die unter­schied­liche Ausprägung der Beschwerden bis hin zu einem variablen Verlauf.
Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Robert Bals, Bad Homburg

Lungen­em­physem verstehen …und handeln

Erfahren Sie mehr über das Lungen­em­physem sowie die präven­tiven, medika­men­tösen, nicht-medika­men­tösen, appara­tiven und operativen/endoskopischen Maßnahmen im neuen Patien­ten­rat­geber und den weiteren vorlie­genden Themen­rat­gebern auf
www.Patienten-Bibliothek.de und
www.copd-deutschland.de.


Bildnachweis:
Jeanette Dietl – alexImx – Fotolia.com
www.lungeninformationsdienst.de

Text:
Jens Lingemann, Vorsit­zender COPD – Deutschland e.V. – Vorwort
Sabine Habicht, Redak­ti­ons­leitung Patienten-Bibliothek


Der Beitrag wurde in der Sommer­ausgabe 2019 der Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge veröf­fent­licht.


Schlagwörter: Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, Alpha1, Atemnot, COPD, erschwerte Atmung, Lunge, Lungenbläschen, Lungenemphysem, strukturelle Veränderungen, Überblähung

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