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Wissen was wirkt

11. Aug. 2020

www.wissenwaswirkt.org

Mit den wachsenden Zugangs­mög­lich­keiten zu Infor­ma­tionen aus der klini­schen Forschung steigen auch die Risiken, diese komplexen Inhalte falsch zu inter­pre­tieren. Gleich­zeitig sinkt die Wahrschein­lichkeit, als Individuum ein vollstän­diges und ausge­wo­genes Bild eines Sachver­haltes gewinnen zu können.

Cochrane hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Zugang zu erreich­barer, verläss­licher Gesund­heits­in­for­mation zu schaffen, um infor­mierte Entschei­dungen zu ermög­lichen. Diese Aufgabe war niemals von größerer Bedeutung für die Verbes­serung der Weltge­sundheit als heute.

Wer ist Cochrane?

Cochrane ist eine inter­na­tionale, gemein­nützige und unabhängige Organi­sation.

Cochrane ist benannt nach dem briti­schen Arzt und Epide­mio­logen*, Sir Archibald Leman Cochrane. Seine Überle­gungen zur Überprüfung von Therapien in Studien und die Aufbe­reitung dieser Ergeb­nisse in syste­ma­ti­schen Übersichten stellen einen gedank­lichen Ausgangs­punkt für die Gründung von Cochrane im Jahr 1993 dar. 

In den vergan­genen zwanzig Jahren ist unter diesem Namen ein globales, unabhän­giges Netzwerk von klini­schen Forschern, Ärzten, Metho­dikern, Angehö­rigen der Gesund­heits­fach­berufe und Patienten entstanden, das sich für bessere Gesundheit durch bessere Infor­ma­ti­ons­mög­lich­keiten einsetzt.

Über 37.000 Menschen aus über 130 Ländern wirken daran mit, verläss­liche und zugäng­liche Gesund­heits­in­for­ma­tionen zu erstellen, die frei sind von kommer­zi­eller Förderung oder anderen Inter­es­sen­kon­flikten. 

* Epide­mio­logie ist der Teilbe­reich der medizi­ni­schen Wissen­schaft, der sich mit den Ursachen, der Verbreitung und den Folgen von „Ereig­nissen“ (in der Regel Krank­heiten) befasst, die Einfluss auf die Gesundheit der Bevöl­kerung haben.

Was macht Cochrane?

Ziel von Cochrane ist es, Ergeb­nisse aus klini­schen Studien zu erfassen, zu bewerten und in „syste­ma­ti­schen Übersichts­ar­beiten“ (Cochrane Reviews) zusam­men­zu­fassen. Durch die Veröf­fent­li­chung in der Cochrane Library (Bücherei) – www.cochranelibrary.com – stehen die Cochrane Reviews weltweit zur Verfügung. Diese *Evidenz­basis soll Ärzten, Patienten und anderen Entschei­dungs­trägern bei medizi­ni­schen Entschei­dungen helfen und so die Qualität der Gesund­heits­ver­sorgung verbessern.  

* Evidenz­ba­sierte Medizin (EbM) stützt sich auf drei Säulen; die indivi­duelle klinische Erfahrung, die Werte und Wünsche des Patienten und den aktuellen Stand der klini­schen Forschung. Evidenz­ba­siert bedeutet: auf wissen­schaft­liche Beweise gestützt.

Was sind syste­ma­tische Übersichts­ar­beiten?

Syste­ma­tische Übersichts­ar­beiten sind wissen­schaft­liche Arbeiten, in denen möglichst alle zu einer bestimmten thera­peu­ti­schen Frage­stellung relevanten klini­schen Studien berück­sichtigt, kritisch bewertet und zusam­men­ge­fasst werden. Voraus­setzung dafür ist eine umfas­sende Litera­tur­re­cherche, um das Risiko einer Fehlein­schätzung der Wirksamkeit einer Behandlung durch nicht berück­sich­tigte, aber relevante Studien zu minimieren. Jede Übersichts­arbeit geht von einer präzise formu­lierten Frage­stellung aus, wie zum Beispiel „Lässt sich durch die Gabe von Fluoriden Karies bei Kindern verhindern?“ oder „Helfen Antibiotika bei der Behandlung von Halsent­zün­dungen?“.

Warum wird so viel Wert auf die Litera­tur­suche gelegt?

Die syste­ma­tische und umfas­sende Suche nach der bestmög­lichen Evidenz ist ein besonders wichtiges Kriterium evidenz­ba­sierter Verfahren, da eine einfache, nicht-syste­ma­tische Suche meist keine reprä­sen­tative Auswahl an Studien zu einem Thema liefert. Orien­tiert man sich an einer selek­tiven Auswahl von Studien, ist die Gefahr groß, dass ein unaus­ge­wo­genes und somit verzerrtes Bild der tatsäch­lichen Datenlage entsteht.

Was ist evidenz­ba­sierte Medizin (EbM)?

Der Begriff Evidenz im Kontext der Evidenz­ba­sierten Medizin leitet sich vom engli­schen Wort „evidence“ = Nachweis, Beweis ab und bezieht sich auf die Infor­ma­tionen aus klini­schen Studien, die einen Sachverhalt erhärten oder wider­legen.

„EbM ist der gewis­sen­hafte, ausdrück­liche und vernünftige Gebrauch der gegen­wärtig besten externen, wissen­schaft­lichen Evidenz für Entschei­dungen in der medizi­ni­schen Versorgung indivi­du­eller Patienten. Die Praxis der EbM bedeutet die Integration indivi­du­eller klini­scher Expertise mit der besten verfüg­baren externen Evidenz aus syste­ma­ti­scher Forschung und bringt sie in Einklang mit der ärztlichen Erfahrung und Wünschen der Patienten, um damit angemessene Entschei­dungen zu treffen.“ (D.Sackett et al. 1996–2008)

Cochrane in Deutschland

Bis Ende 2013 war Cochrane in Deutschland Teil des Depart­ments für Medizi­nische Biometrie & Medizi­nische Infor­matik der Univer­si­täts­klinik, seit 2014 ist es eine zentrale Einrichtung des Univer­si­täts­kli­nikums.

Derzeit wird Cochrane Deutschland haupt­sächlich vom Bundes­mi­nis­terium für Gesundheit sowie vom Univer­si­täts­kli­nikum Freiburg gefördert.

Aktuell unter­stützt Cochrane Deutschland eine Petition des Deutschen Netzwerks Evidenz­ba­sierte Medizin e.V. für einen besseren Zugang zu medizi­ni­scher Literatur. Evidenz­ba­sierte Gesund­heits­ver­sorgung darf nicht am Zugang zur Evidenz scheitern. Deshalb muss sich die Politik für eine bessere Verfüg­barkeit von medizi­nisch-wissen­schaft­lichen Veröf­fent­li­chungen einsetzen – nicht nur für Wissenschaftler*innen, sondern auch für Patient*innen und alle, die in der Gesund­heits­ver­sorgung tätig sind.

Eine evidenz­ba­sierte, am Patien­tenwohl orien­tierte Gesund­heits­ver­sorgung benötigt hochwertige, unabhängige Infor­ma­tionen auf Basis der besten verfüg­baren wissen­schaft­lichen Erkennt­nisse. Aller­dings scheitert es oft am Zugang zu dieser Evidenz, obwohl die Digita­li­sierung dafür die besten Voraus­set­zungen bietet. Denn nur die wenigsten medizi­ni­schen Berufs­gruppen, Patient*innen und Bürger*innen können tatsächlich kostenfrei auf wissen­schaftlich verläss­liche Infor­ma­tionen zugreifen. Die Folge: Gerade Ärzt*innen in Praxen oder in kleineren Kliniken können wichtige neue Studien nicht im Original lesen.

Patient*innen können sich nur einge­schränkt über Behand­lungs­op­tionen infor­mieren. Die Zusam­men­arbeit von Fachleuten bei der Erstellung von Behand­lungs­leit­linien wird durch restriktive Nutzungs­rechte für wissen­schaft­liche Literatur erschwert. Studi­en­pu­bli­ka­tionen, die in wenig verbrei­teten Fachzeit­schriften erschienen sind, lassen sich über legale Wege nur mit hohen Kosten beschaffen.

www.wissenwaswirkt.org – Cochrane bloggt auf Deutsch

Die moderne Medizin ist ständig in Bewegung: was gestern richtig war, kann heute bereits überholt sein, Ärzte und Patienten werden gleicher­maßen von neuen Erkennt­nissen überrollt. Cochrane versucht, diese Infor­ma­ti­onsflut zu bändigen und dafür zu sorgen, dass die entschei­denden Erkennt­nisse auch tatsächlich in die Gesund­heits­ver­sorgung einfließen.

Wir alle treffen ständig Entschei­dungen, die mit unserer Gesundheit zu tun haben. Mit diesem Blog wollen wir dabei helfen, verläss­liche Infor­ma­tionen für solche Entschei­dungen zu liefern. Mit inter­es­santen Geschichten vermitteln wir Erkennt­nisse der evidenz­ba­sierten Medizin – und reden dabei auch über ihre Methoden. Außerdem stellen wir Menschen vor, die sich im inter­na­tio­nalen Netzwerk von Cochrane engagieren, und geben Einblick in ihre Arbeit, was sie bewegt und welche Ziele sie haben.

Ein Blog ist immer auch ein wenig ein Experiment. Wir sind offen für Ihre Anregungen und wünschen uns Rückmel­dungen, Anfragen und Diskus­sionen.

Infor­mieren Sie sich weiter auf:

www.cochrane.de

www.wissenwaswirkt.org


Bildnachweis:
Cochrane Deutschland
fotomek – Adobe­Stock

Text:
Cochrane Deutschland


Der Beitrag wurde in der Frühjahrs­ausgabe 2020 der Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge veröf­fent­licht.



Schlagwörter: Cochrane, Evidenzbasierte Medizin, Forschung, Gesundheit, Gesundheitsversorgung, Wissen was wirkt, wissenwaswirkt

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