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Guten Tag, Herr Doktor!

09. Juli 2020

Arzttermine

Viele Patien­tinnen und Patienten haben derzeit Sorge, einen Termin beim Arzt wahrzu­nehmen. Das Corona­virus wird uns jedoch auf unbestimmbare Zeit weiter begleiten, sodass alle gefordert sind, so gut es geht, eine gewisse Norma­lität mit dem Virus zu entwi­ckeln.

Im Gespräch mit Dr. Justus de Zeeuw, Facharzt für Innere Medizin, Lungen- und Brochi­al­heil­kunde, Schlaf­me­dizin am MVZ (Medizi­ni­schen Versor­gungs­zentrum) in Köln erfahren wir mehr.

Wie gestaltet sich aktuell die Situation in Arztpraxen?

Manche Patienten haben Sorge vor einer Anste­ckung, andere hingegen kommen gerade jetzt in die Arztpraxis. Einige Kollegen berichten, dass sie sogar mehr zu tun haben, andere sprechen von weniger Patienten. Im Prinzip gleicht sich die Anzahl der Patienten aus, so erfahre ich es beispiels­weise in meiner Praxis mit einem ganz normalen Aufkommen.

Am Anfang der Pandemie wurden reflex­artig alle Termine beim Hausarzt, Lungen­facharzt, der Physio­the­rapie abgesagt. Diese Situation hat sich inzwi­schen jedoch relati­viert, die erwartete Überlastung der Praxen und Kliniken ist nicht einge­treten, notwendige Vorkeh­rungen und Hygie­ne­maß­nahmen wurden getroffen.

…bitte zunächst telefo­ni­schen Kontakt aufnehmen

Daher würde ich zu einer Diffe­ren­zierung raten. Ist der Gesund­heits­zu­stand stabil, der Patient fühlt sich wohl und wendet regel­mäßig seine Therapie an, kann der Patient eine Termin­ver­schiebung vornehmen. Aller­dings sollte der Termin unbedingt telefo­nisch abgesagt und ein neuer Termin vereinbart werden.

Bei einem Physio­the­ra­pie­termin würde ich sehr genau abwägen. Eine verordnete Physio­the­rapie ist eine thera­peu­tische Maßnahme, vergleichbar mit einer medika­men­tösen Therapie. Fallen die regel­mä­ßigen Behand­lungen weg, steigt das Risiko einer Verschlech­terung der gesund­heit­lichen Situation.

Bedenken Sie, dass wir im Fall einer Corona­in­fektion bei Risiko­pa­ti­enten von wahrscheinlich etwa einem Prozent mit einem schweren Verlauf ausgehen.  

Wie werden die Maßnahmen zur Infek­ti­ons­ver­meidung in Praxen umgesetzt?      

Die Einhaltung des Abstands­ge­botes gelingt in unserer Praxis beispiels­weise sehr gut. Immer nur ein Patient hält sich in einem Raum auf, d.h. jeweils ein Patient im Anmel­de­be­reich, einer im Warte­zimmer, einer in der Lungen­funktion und einer im Bespre­chungs­zimmer. Kommt ein Patient in die Praxis, durch­läuft er einen vorge­zeigten Weg, ohne mit anderen Patienten in direkten Kontakt zu treten.

Weiterhin tragen selbst­ver­ständlich alle einen Mund-Nasen-Schutz, sowohl die Mitar­beiter als auch die Patienten. Im Anmel­de­be­reich wurde zusätzlich der sog. Spuck­schutz, eine Plexi­glas­scheibe, instal­liert, auf Hände­schütteln wird verzichtet und die Desin­fek­ti­ons­maß­nahmen mittels Hände­wa­schen und Hände­des­in­fektion werden akribisch umgesetzt.  

Chronische Lungen­pa­ti­enten haben häufig eine oder mehrere Begleit­erkran­kungen, wie z. B. Diabetes, Bluthoch­druck, koronare Herzer­kran­kungen. Auch hier sind regel­mäßige Kontroll­termine, aber auch Vorsor­ge­termine außerhalb der Lungen­fach­arzt­praxis gleicher­maßen wichtig. Was sollten Patienten hierzu wissen und berück­sich­tigen?

Liegt ein gut einge­stellter Diabetes vor, wissen wir aufgrund wissen­schaft­licher Daten, dass auch das Risiko für einen schweren Verlauf von CoVid-19 gering ist. Ist der Diabetes aller­dings schlecht einge­stellt (das bedeutet, der Hba1c liegt über 8,5%),  ist auch das Risiko für einen schweren Verlauf hoch. Eine Erkrankung wie Diabetes ist daher eine Art „Stell­schraube“, durch die sich das persön­liche Risiko verändern lässt.

Hinsichtlich des Herzens kann verein­facht formu­liert werden: Wenn es dem Herzen gut geht, ist auch das Risiko für einen schweren Verlauf geringer. Bei Patienten mit Herzer­kran­kungen findet sich aller­dings das Phänomen, dass Patienten ihre Erkrankung oftmals bagatel­li­sieren. Kardio­logen warnen eindringlich davor.  

Viele Fachge­sell­schaften schlagen bereits Alarm, dass Patienten aufgrund ihrer Sorge vor einer Infizierung und trotz akuter Sympto­matik Arztpraxen und Kliniken nicht aufsuchen. Vermehrt werden verschleppte Akuter­kran­kungen sichtbar, aufgrund dessen sich z. B. irrepa­rable Herzschäden entwi­ckeln.

Chronische Erkran­kungen stellen grund­sätzlich einen Risiko­faktor dar. Doch je besser eine Erkrankung thera­piert wird, umso geringer ist auch das Risiko eines schweren Verlaufs durch eine Corona­in­fi­zierung. Innezu­halten und nichts zu tun, erhöht die Wahrschein­lichkeit, dass sich die chronische Erkrankung verschlechtert – völlig unabhängig von CoVid-19.

Die Kassen­ärzt­liche Bundes­ver­ei­nigung (KBV) zeigt auf, dass bereits 25.000 Arztpraxen in Deutschland mit einer Video­sprech­stunde arbeiten können. Wie sieht es in der Realität aus?

Aufgrund der Pandemie ist zunächst das Interesse an der Möglichkeit, eine  Video­sprech­stunde umsetzen zu können, sprunghaft angestiegen. Während die Anmeldung bzw. die  Zulassung in der Vergan­genheit relativ aufwändig war, hat sich dieses Procedere inzwi­schen deutlich verein­facht – sowohl seitens der zerti­fi­zierten Anbieter als auch der Kassen­ärzt­lichen Verei­nigung.

Die Anwendung einer virtu­ellen Sprech­stunde ist aller­dings diffe­ren­ziert zu betrachten, denn ein Facharzt benötigt in aller Regel als Grundlage eine diagnos­tische Befundung. Lungen­fach­ärzte führen beispiels­weise zunächst eine Lungen­funk­ti­ons­messung durch, Radio­logen fertigen ein Röntgenbild, CT oder MRT an und Kardio­logen ein Ultra­schallbild vom Herzen. Eine Video­sprech­stunde ist für Fachärzte daher meist nicht aussa­ge­kräftig genug. Diagnos­tische Ergeb­nisse können jedoch nicht erhoben werden, wenn ein Patient zu Hause vor dem Bildschirm sitzt.

Für einen Hausarzt hingegen, und auch für dessen Patienten, bedeutet die Möglichkeit einer Video­sprech­stunde durchaus eine große Erleich­terung. Nicht immer ist die persön­liche Präsenz eines Arztes erfor­derlich, um die gesund­heit­liche Situation zu überprüfen. Geht es beispiels­weise um das in Augen­schein­nehmen eines Wundhei­lungs­pro­zesses, wie dies bei einem Diabetes der Fall sein kann, so kann durchaus per Video erkannt werden, ob die Wunde gerötet oder angeschwollen ist oder ob es sich um einen normalen Heilungs­prozess handelt.

Hausärzte können also abwägen, wann ein Hausbesuch erfor­derlich ist und in welchen Fällen eine Video­sprech­stunde sinnvol­ler­weise einge­setzt werden kann und auch Patienten können sich in manchen Fällen einen mögli­cher­weise für sie beschwer­lichen Weg in die Praxis ersparen.

Wie kann man sich den Ablauf einer Video­sprech­stunde vorstellen?

Die Durch­führung selbst ist prinzi­piell einfach. Der Arzt instal­liert die entspre­chende Software eines zerti­fi­zierten Anbieters auf seinem Rechner. Die Patienten benötigen hingegen lediglich einen funkti­ons­fä­higen PC und einen Inter­net­an­schluss.

Per E‑Mail oder SMS erhält der Patient einen Video­termin. In dieser Nachricht enthalten ist sowohl ein Code als auch ein Link. Wird der Link kurz vor dem verein­barten Termin angeklickt und nach Auffor­derung anschließend der Code einge­geben, befindet sich der Patient im virtu­ellen Warte­zimmer des Arztes. Durch die Aktivierung des Links wird dem Arzt zudem angezeigt, dass der Patient nun anwesend ist. Der Arzt kann anhand einer angezeigten Liste einsehen, welche Patienten sich bereits im virtu­ellen Warte­zimmer befinden. Zum verein­barten Zeitpunkt wird der Patient angerufen, am Bildschirm des Patienten öffnet sich ein Sicht­fenster, sodass Arzt und Patient sich gegen­seitig sehen und mitein­ander sprechen können. Eine elegante und einfach zu handha­bende Option eines Arzt-Patienten-Gespräches.


Bildnachweis:
rangizz, upixa – Adobe­Stock
Dr. Justus de Zeeuw, Köln

Interview/Text:
Sabine Habicht, Redak­ti­ons­leitung – Patienten-Bibliothek

Der Beitrag wurde in der Sommer­ausgabe 2020 der Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge veröf­fent­licht.

Schlagwörter: Arzt, Arzt-Patient, COPD, Corona, Gespräch, Kommunikation, Lungenemphysem, Lungenerkrankung, Sprechstunde, Telefontermin, Telemedizin, Videosprechstunde

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