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Lebenselexier Atemluft

04. Juni 2020

…was kann die Atemwege schädigen?

Atemwegs­er­kran­kungen betreffen die Nase, die Nasen­ne­ben­höhlen, den Mund, den Rachenraum, sowie die Luftröhre, und sie können sich bis in die Lunge ausbreiten. Man unter­scheidet obere und untere Atemwege. Zu den oberen zählen Mund, Nase und Kehlkopf. Die unteren beginnen mit der Luftröhre und deren Verzwei­gungen, den Bronchien, bis hin zu den Lungen­bläschen, erläutert Professor Dr. Heinrich Worth, Fürth in einem Gespräch mit Elke Klug in Berlin. Alle Bereiche können von Schädi­gungen betroffen sein.

Was von dem, was wir einatmen, kann die Atemwege schädigen?

Wir atmen sauer­stoff­haltige Umgebungsluft ein. Der Sauer­stoff gelangt über die Lunge in die Blutbahn und wird über den Kreislauf an die Zelle gebracht. Dort wird mit Hilfe des Sauer­stoffs durch die Verbrennung von Nährstoffen Energie für die Funktion der Zellen zur Verfügung gestellt.

Die Umgebungsluft enthält aller­dings auch Stoffe, die die Atemwege schädigen können. Der Gefähr­lichste und Häufigste, mit dem unsere Abwehr­me­cha­nismen überfordert sind, ist der Tabak­rauch. Einzelne Partikel oder Schad­stoffe in gasför­miger Form im Tabak­rauch schränken die Tätigkeit der Atemwege ein. Die Flimmer­härchen, die eigentlich als „Aufzug“ alle Schad­stoffe aus den unteren Atemwegen wieder herauf bewegen sollen, funktio­nieren nicht mehr. Außerdem wird die Schleimhaut angegriffen. Mit der Einatmung können aber auch Viren und Bakterien einge­atmet werden, die die Atemwege bis hin zum Lungen­gewebe schädigen können. Außerdem gibt es Umwelt­gifte, die aber eine geringere Rolle spielen als der Tabak­rauch. Dazu gehören Feinstaub, Ozon und Sauer­stoff­ra­dikale sowie auch gasförmige Substanzen wie Stick­stoff­dioxid (NO2) und andere Gase. Aber die Haupt­quelle der Belastung stammt nicht, wie häufig sugge­riert, vom Straßen­verkehr, sondern aus den Innen­räumen, in denen man sich viele Stunden lang aufhält und lebt.

Wann und bei welchen Beschwerden sollte man einen Arzt aufsuchen?

Der einfache Erkäl­tungs­infekt in den oberen Atemwegen ist sicher sehr häufig. Damit muss man keinen Arzt aufsuchen. Wenn Patienten aller­dings dauerhaft unter länger anhal­tendem Husten, entzün­deten Nasen­ne­ben­höhlen, einer Kehlkopf­ent­zündung mit Heiserkeit und Sprech­ein­schrän­kungen leiden, dann ist der HNO-Arzt erster Ansprech­partner. Die Ursache eines sog. Fließ­schnupfens kann aller­gi­scher Natur sein, aber auch eine nicht­all­er­gische Entzündung der Nasen­schleimhaut kann dazu führen, das muss abgeklärt werden. Patienten mit Erkran­kungen der unteren Atemwege − die Haupt­be­schwerden sind Atemnot. Husten und Auswurf – sollten sich, dauert es länger als acht Wochen, einem Lungenarzt vorstellen. In kriti­schen Situa­tionen, wenn der Husten z. B. verbunden ist mit blutigem Auswurf oder mit starker akuter Luftnot, dann sollte man sich rasch zum Arzt begeben. Dahinter könnte sich eine Herzschwäche oder einer Lungen­em­bolie oder auch eine Tuber­kulose verbergen.

Welche sind die häufigsten Erkran­kungen der unteren Atemwege?

Häufig sind ein vom Hausarzt nicht mehr gut einge­stelltes Asthma oder auch unklare Luftnot. Der Pneumologe wird dann mittels einer Lungen­funk­ti­ons­prüfung diffe­ren­zieren, ob es sich eher um eine Ursache im Bereich der Lunge, also Asthma oder eine COPD handelt. Eine weitere häufige Ursache der Luftnot ist eine chronische Bronchitis, die mit einer Einengung der Atemwege verbunden sein kann.

Was sollte man über eine chronische Bronchitis noch wissen?

Die chronische Bronchitis ist eine Erkrankung, die an den meisten Tagen des Jahres mit Husten und Auswurf einhergeht. Sie wird dann gefährlich, wenn sie zu einer Obstruktion führt und sich in Richtung COPD entwi­ckelt. Auch hier gilt: Risiko­fak­toren wie das Zigaret­ten­rauchen vermeiden. Was man leider nicht selbst verhindern kann, ist die Entwicklung einer COPD durch Wachs­tums­stö­rungen der Lunge in der Kindheit. Das sind später Patienten, die selbst nie geraucht haben und sich fragen, wieso bekomme ich eine COPD? Es betrifft meist Menschen, die in der Kindheit schwere Infekte hatten, die das Lungen­wachstum behindert haben. Bei ihnen führt bereits im jungen Erwach­se­nen­alter ein leichter Abfall der Lungen­funktion bald zu einer COPD. Das zu verhindern ist die Aufgabe der Eltern, nämlich Kinder keinem Zigaret­ten­rauch auszu­setzen. Auch der Verzicht auf die Zigarette in der Schwan­ger­schaft ist ein wichtiger Punkt.

Wie unter­scheiden sich die Krank­heits­bilder Asthma und COPD vonein­ander?

Das Asthma beginnt häufig in der Kindheit und Jugend, die COPD in aller Regel in der zweiten Lebens­hälfte. Asthma wird häufig ausgelöst durch Allergien, die COPD meistens durch Zigaret­ten­rauch. Bei der COPD liegt immer eine Enge der Atemwege vor, bei Asthma kann sie, muss aber nicht vorliegen. Die Atemwege reagieren  überemp­findlich mit einer Einengung(Obstruktion) nach bestimmten Reizen wie kalte Luft, Lachen, Parfüm, Duftstoffe und anderen Allergene, wie Pollen von Bäumen, Gräsern, Sträu­chern oder Tierhaaren und vielen anderen Stoffen. Das ist bei der COPD eher selten und nicht so ausge­prägt. Die COPD geht meist mit dem Erstsymptom einer Luftnot unter Belastung einher. Bei Asthma ist die Atemnot eher anfalls­artig, aus der Ruhe heraus, z. B. auch morgens oder im Schlaf. Wenn eine Enge der Atemwege vorliegt, bildet sie sich bei Asthma­tikern in der Regel eher und besser zurück als bei der COPD. Asthma­tische Akutbe­schwerden sprechen in der Regel gut auf Kortison an, was bei der COPD nicht der Fall ist.

Grund­sätzlich, und das ist wichtig für die thera­peu­ti­schen Konse­quenzen, unter­scheiden sich die Erkran­kungen bzgl. der Ursache ihrer Entzündung, die asthma­tische Entzündung sieht im Zellbild anders aus als die COPD. Zudem hat man heraus­ge­funden, dass die Verläufe von aller­gi­schem und nicht­all­er­gi­schem Asthma unter­schiedlich sind. Das aller­gische ist gekenn­zeichnet durch abnorme Reaktionen auf die Inhalation bestimmter Stoffe. Das nicht­all­er­gische wird erworben z. B. durch Infekte oder andere Ursachen. Außerdem gibt es noch eine Reihe weiterer Unter­gruppen, die man heute speziell behandeln kann.


Text: Elke Klug, freie Journa­listin, www.elkeklug.de

Fotos: Fotolia.com Gina Sanders, Adobe­Stock Andy Nowack

Der Beitrag wurde in der Winter­ausgabe 2019 der Fachzeit­schrift "Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge" veröf­fent­licht.

www.Patienten-Bibliothek.de

Schlagwörter: Asthma, Atemluft, Atemwegserkrankungen, COPD, Infekt, Lebenselexier, Luftnot, Mund, Nase, Nasennebenhöhle, Rachen, Sauerstoff, Schadstoffe

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