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Sole und mee(h)r…

31. Mai 2020

Inhalieren von Salzlö­sungen

Gerade im Hinblick auf die trockene Luft in überhitzten Räumen und häufige Atemwegs­in­fekte im Winter­halbjahr ist es von großem Vorteil, regel­mäßig zu inhalieren. Denn das Inhalieren von Salzlösung (Sole) führt zu einer besseren Befeuchtung und Durch­blutung der Atemwege und erhöht dadurch die Abwehr­kräfte der Schleim­häute gegenüber Erregern.

Trockene Luft in überhitzten Innen­räumen stellt einen großen Stress­faktor für die Atemwege dar, zudem drohen im Winter­halbjahr häufig Atemwegs­in­fek­tionen. Wer seinen Atemwegen etwas Gutes tun will, sollte – neben konse­quentem Verzicht auf das Rauchen und regel­mä­ßiger sport­licher Betätigung – möglichst häufig Sole (Salzlösung) inhalieren. Dazu raten die Lungen­ärzten der Deutschen Lungen­stiftung e.V. (DSL) – siehe auch www.lungenstiftung.de und www.lungenaerzte-im-netz.de.

Lösung von Schleim und Hemmung von Entzün­dungen

„Wissen­schaft­liche Studien belegen, dass das Inhalieren von Sole zu einer besseren Befeuchtung und Durch­blutung der Bronchien und somit zu zwei positiven Effekte führt: Der Lösung von Schleim und der Hemmung von Entzün­dungen.

Festsit­zender Schleim in den Atemwegen, aber auch einge­drungene Erreger, Schad­stoffe oder Allergene können nach dem Inhalieren einer Salzlösung besser verflüssigt und abtrans­por­tiert werden. Durch das Sole-Inhalieren wird der natür­liche Selbst­rei­ni­gungs­me­cha­nismus der Atemwege (mucozi­liäre Clearance) merklich gefördert. Die Flimmer­härchen in der Schleimhaut der Atemwege schlagen schneller, sodass Fremd­stoffe effek­tiver aus den Atemwegen heraus­be­fördert werden, gleich­zeitig wird das Abhusten erleichtert“, erläutert Professor Dr. Harald Morr, Ehren­vor­sit­zender der Deutschen Lungen­stiftung e.V.

Thera­pie­er­gänzung und Vorbeugung

Regel­mäßige Sole-Inhala­tionen können nachweislich auch die Therapie von chroni­schen Atemwegs­er­kran­kungen wie beispiels­weise COPD (chronisch veren­gende Bronchitis, Lungen­em­physem), Bronchiek­tasen  (sackförmige Auswei­tungen) sinnvoll ergänzen und unter­stützen. Beschwerden durch vermehrte Schleim­bildung, angeschwollene Schleim­häute und entzün­detes Bronchi­al­gewebe können durch das regel­mäßige Inhalieren in Ergänzung zur medika­men­tösen Therapie und Lungen­sport effek­tiver gelindert werden. Aufgrund ihrer entzün­dungs­hem­menden Wirkung kann die Sole-Inhalation außerdem zur Vorbeugung von Erkäl­tungen, akuten Entzün­dungen der Bronchien (Bronchitis) und wieder­keh­renden Stirn- oder Neben­höh­len­ent­zün­dungen dienen.

Das ist übrigens nicht nur im Winter­halbjahr von Interesse: Auch Patienten mit Heuschnupfen berichten, dass sie durch tägliches Sole-Inhalieren während der Pollen­flug­saison im Frühjahr und Sommer weniger Beschwerden haben und das Atmen wieder leichter fällt.

Quelle: www.lungenaerzte-im-netz.de

Inhalieren mit Salz

Im Prinzip kann eine Inhala­ti­ons­lösung ganz einfach selbst herge­stellt werden. Wichtig ist jedoch, dass die Lösung absolut keimfrei ist. Verun­rei­ni­gungen gilt es unbedingt zu vermeiden, da es eine zusätz­liche Belastung der Atemwege bedeuten würde. Die beste Wirkung wird mit möglichst unbehan­deltem Salz, wie z. B. Meersalz oder Steinsalz, erreicht. Jodiertes Kochsalz ist nicht geeignet. Ein Liter Wasser muss zur Keimfreiheit zunächst mindestens 3 Minuten sprudelnd gekocht werden und anschließend abkühlen. Um die richtige Mischung zu erhalten, wird dem Wasser anschließend ein gehäufter Teelöffel (= 9 Gramm) Salz hinzu­gefügt.

Diese Salzwas­ser­mi­schung wird auch als isotone Kochsalz­lösung oder NaCl 0,9 % Lösung bezeichnet. NaCl ist die Abkürzung von Natri­um­chlorid und die chemische Bezeichnung für Kochsalz.

Wesentlich einfacher und zudem keimfrei aufge­ar­beitet sind fertige Inhala­ti­ons­salz­lö­sungen, die in der Apotheke in der Regel in Einzel­pipetten oder Ampullen erhältlich sind.

Verab­reicht werden kann die Kochsalz­lösung über sog. Feucht­ver­nebler unter­schied­lichster Techno­logie und Handhabung. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt und/oder Apotheker beraten. Hilfreiche Infor­mation zu Inhala­ti­ons­ge­räten finden Sie z. B. auf www.atemwegsliga.de oder www.copd-deutschland.de

Gradierwerk im Salinental Gad-kreuznach

Gradier­werke

Als Salz ein kostbares Gut war, entstanden zu dessen Produktion in vielen Teilen Deutsch­lands Gradier­werke. Heute werden die Gradier­werke für gesund­heit­liche Aspekte genutzt. Sie werden insbe­sondere in Kurorten mit großen Aufwand gepflegt und teilweise auch neu errichtet.

Ein tradi­tio­nelles Gradierwerk besteht aus einem Holzgerüst, das im Inneren mit Bündeln vorzugs­weise aus Schwarz­dorn­reisig gefüllt ist. Darüber spannt sich ein Dach, damit die Sole nicht durch Regen­wasser verdünnt werden kann. Die über den Schwarzdorn rieselnde Sole wird durch den Wind zerstäubt und bewirkt in der Umgebung des Gradier­werks eine hohe Luftfeuch­tigkeit und eine Anrei­cherung mit Soletröpfchen und Salzae­rosol. Dadurch werden Verun­rei­ni­gungen wie beispiels­weise Pollen und andere Allergene in der Luft gebunden, was insbe­sondere für Asthma­tiker sehr wohltuend ist. Auch die kleinen, an Wasser­tröpfchen gebun­denen Salzpar­tikel in der Umgebungsluft haben eine ausge­sprochen positive Wirkung. Sie befeuchten die Atemwege und wirken desin­fi­zierend, abschwellend und schleim­lösend.

Die positiven Wirkungen eines Gradier­werks können auch auf kleinstem Raum genutzt werden. Aus diesem Grund haben sich einige Thermen und Freizeit­bäder Miniatur-Gradier­werke bauen lassen, die eine Solein­ha­lation ermög­lichen.

Übrigens: Die Begriffe Saline und Gradierwerk werden häufig verwechselt, da Salinen und Gradier­werke häufig auf engstem Raum beisammen stehen. Ein Gradierwerk hat die Aufgabe, den Salzgehalt einer Sole zu erhöhen (gradieren). Bei der Sole handelt es sich um salzhal­tiges Wasser, das entweder natür­lichen Ursprungs ist oder durch einpumpen von Wasser in einen Salzstock künstlich erzeugt wird. Eine Saline hingegen dient direkt der Salzge­winnung.

Infor­ma­tionen zu Gradier­werken in Deutschland finden Sie auf www.kurorte-und-heilbaeder.de/gradierwerke.html.

Salzheil­stollen

Der Salzheil­stollen im Salzbergwerk in Berch­tes­gaden ist der einzige in Westeuropa. Der Salzheil­stollen ist von einem riesigen Salzstock einge­fasst. Im Obersalzberg wird seit ca. 500 Jahren Salz abgebaut. Noch heute werden ca. 500.000 Tonnen Sole jährlich gewonnen und nach Bad Reichenhall gepumpt, um dort zu Salz verar­beitet zu werden.

Der Heilstollen selbst ist mit einer Fläche von 850 qm sehr geräumig. Trotzdem werden in der Regel nur höchstens 50 Besucher in einer Einfahrt in den Heilstollen hinein­ge­führt. Der Raum ist um ein Solebecken mit konzen­triertem Natursalz und einem Spring­brunnen terras­sen­förmig angelegt. Dieser sorgt dafür, dass die Luft zusätzlich mit Salzionen angerei­chert wird und quasi ein Meeres­klima im Berg entsteht.

Mehr Infor­ma­tionen erhalten Sie auf www.salzheilstollen.com.

Relaxen in einer Salzgrotte

Salzgrotten

Bei einer Salzgrotte handelt es sich um einen Raum, dessen Wände und Boden mit Salz bzw. Salzsteinen verkleidet sind. Es handelt sich somit um eine künstlich angelegte Grotte.

Im Prinzip kann jeder beliebige Raum in eine Salzgrotte umgebaut werden. Durch die mit Salz verklei­deten Wände entsteht eine salzhaltige Luft. Meist ist der Raum auf etwa 22 Grad Celsius tempe­riert. Zusätzlich wird oftmals Salznebel in den Raum geleitet. Für Besucher stehen Liege­stühle zum Entspannen bereit.

Festge­legte Standards für Salzgrotten gibt es nicht. Der medizi­nische Nutzen ist bisher unklar.

Deutsch­landweit finden sich mehr als 300 Salzgrotten.

Einen Bericht von Stiftung Warentest über Salzgrotten aus 2014 können Sie nachlesen auf  www.test.de Suchfenster „Salzgrotten“ oder direkt
https://www.test.de/Salzgrotten-Entspannung-ja-medizinische-Wirkung-fraglich-4780608–0/

 Ein Verzeichnis von Salzgrotten und Salzräumen in Deutschland finden Sie auf www.salzgrotte.com.de

Reizklima Meer

Unter dem Begriff Reizklima ist ein „Klimatyp“ definiert, der sowohl durch starke Tempe­ratur- und Luftdruck­schwan­kungen, also auch heftige Winde und intensive Sonnen­ein­strahlung einen besonders kräftigen Reiz auf den mensch­lichen Organismus ausübt und für bestimmte Erkran­kungen ein bedeut­samer Heilfaktor sein kann. Nicht nur am Meer sondern auch im Hochge­birge ist gemäß Definition somit ein Reizklima möglich.

Am Meer befindet sich neben den Reizfak­toren Wind, UV-Strahlung, Luftfeuch­tigkeit und Tempe­ratur auch der Faktor Salz. Das Salzge­misch kann Beschwerden z. B. bei Asthma, chroni­scher Bronchitis und Nasen­ne­ben­höh­len­ent­zündung lindern. Ein positiver Effekt ist dabei auch, dass die Luft am Meer arm an Pollen und Schad­stoffen ist. 

Übrigens, der Salzgehalt variiert von Meer zu Meer, so weist die Nordsee beispiels­weise deutlich mehr Salz auf als die Ostsee. Der höchste Salzgehalt befindet sich immer in der Brandungszone direkt am Meer. Die bei einem Spaziergang einge­at­meten Salzwas­ser­tröpfchen, können sich je nach Größe im Nasen-Rachenraum anrei­chern oder sogar bis in die Lungen­bläschen vordringen.

Da die „reizenden“ Klima­fak­toren den Organismus durchaus fordern, können sie manchmal auch belastend wirken. Während manche Atemwegs- und Lungen­pa­ti­enten am Meer so gut wie beschwer­defrei sind und ganz besonders vom Reizklima Meer profi­tieren, bekommen schlechter Luft – insbe­sondere bei bestehenden akuten Infekten oder entzün­deten Neben­höhlen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über einen Aufenthalt am Meer. 

Lesen Sie auch den Beitrag "Heilstol­len­the­rapie – Klima­the­ra­peu­ti­sches Natur­heil­ver­fahren als ergän­zende Maßnahme"
http://patienten-bibliothek.org/heilstollentherapie/


Fotos: Adobe­Stock bigacis, lothar nahler, Darla Hallmark, Artem Bruk

Redaktion: Sabine Habicht, Redak­ti­ons­leitung Patienten-Bibliothek

Der Beitrag wurde in der Winter­ausgabe 2019 der Fachzeit­schrift "Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge" veröf­fent­licht.

www.Patienten-Bibliothek.de

Schlagwörter: Asthma, Atemwege, Atemwegsinfekte, Bronchitis, COPD, Gradierwerk, Hemmung von Entzündungen, inhalieren, Lungenemphysem, Reizklima, Salzgrotte, Salzheilstollen, Salzinhalation, Schleimhäute, Sole, Trockene Luft

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