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Richtig inhalieren

27. Mai 2020

…es muss in der Lunge ankommen!

Die Inhala­ti­ons­the­rapie nimmt sowohl in der Behandlung des Asthma bronchiale als auch der COPD (chronisch veren­gende Bronchitis und Lungen­em­physem) den zentralen Stellenwert ein und das mit gutem Grund: Die inhalative Therapie ist überaus wirksam.

Nur in einigen spezi­ellen Fällen wird die Darrei­chung von Medika­menten beispiels­weise in Form von Tabletten gewählt, wie manchmal z. B. bei Cortison, Antibiotika oder Antikörpern.  

Viele Vorteile dokumen­tieren, warum die inhalative „Route“ bevorzugt wird:

  • lokale Anwendung und direkter Weg an den Ort des Geschehens
  • winzigste Wirkstoff­mengen und weniger Neben­wir­kungen
  • schneller Einsatz und schnelle Wirkung   
  • lange Wirkung
  • überall, zu jeder Zeit und ohne fremde Hilfe anwendbar

Jeder kann es, aber…

Eine Inhala­ti­ons­the­rapie besteht aus zwei Kompo­nenten: der zu inhalie­renden Substanz und dem Inhala­ti­ons­gerät, welches das Medikament über die Einatmung zu den Bronchien tief in die Lungen trans­por­tieren soll. 

Damit der Wirkstoff auch wirklich in der Lunge ankommt, bedarf es jedoch der richtigen Handhabung des Inhala­ti­ons­ge­rätes. Jede Inhalation muss „sitzen“, denn nur dann kann eine Wirkung eintreten.

Die Auswahl an zur Verfügung stehenden Inhala­ti­ons­ge­räten (Devices) ist riesig groß und so vielfältig wie bei keiner anderen Therapie der Inneren Medizin. Zunächst gilt es daher heraus­zu­finden, welches Gerät indivi­duell zu welchem Patienten passt. Entscheidend für die richtige Auswahl des Gerätes ist vor allem die Stärke der Einatmung (Inspi­ra­ti­ons­fluss), die aufge­bracht werden muss, um das Medikament einatmen zu können sowie die Koordi­na­ti­ons­fä­higkeit der Atmung in Zusam­men­spiel mit der Geräte­be­dienung.

Inhala­ti­ons­geräte werden in vier verschiedene System­typen gemäß ihrer Funktio­na­lität unter­teilt: Dosier­ae­rosole (treib­gas­be­triebene Aerosole), die nochmals in Hand ausge­löste und atemzug­ge­steuerte Geräte unter­teilt werden und zudem mit einem Spacer (Inhala­ti­ons­hilfe) angewendet werden können; Trocken­pul­ver­in­ha­la­toren mit Einzel­do­sierung oder Mehrdo­sen­be­hälter; Doppel­strahlim­pak­ti­ons­in­ha­lator – das System Respimat und Vernebler.

Nach der Auswahl muss eine Einweisung und Schulung der richtigen Handhabung erfolgen, bevor es anschließend heißt: üben, üben, üben. Patient und Inhala­ti­ons­gerät müssen quasi eine „Einheit“ werden, damit jede Anwendung ganz automa­tisch richtig gelingt.

Was sich einfach anhören mag, ist es in der Realität jedoch keineswegs. „Es ist eine Kunst, das richtige Gerät mit dem entspre­chenden Patienten zu ´vermählen`, da sich die Inhala­ti­ons­systeme in ihrem Aufbau, ihrer Funktio­na­lität und in ihrer Anwendung deutlich unter­scheiden. Jedes Inhala­ti­ons­gerät fordert ein anderes (quasi system­spe­zi­fi­sches) ´optimales` Inhala­ti­ons­ma­növer“, formu­liert Dr. Voshaar, Moers. „Arzt und Patient sind gefordert, solange zu suchen, bis das System gefunden ist, mit dem der Patient wirklich zurecht­kommt. Das eine ideale und für jeden Patienten geeignete Gerät gibt es nicht.“

Tritt nicht die gewünschte Wirkung ein…

Fehler in der Anwendung der Inhalation treten sehr häufig auf. Zur Sicherheit sollte daher dem behan­delnden Arzt regel­mäßig das Anwen­dungs­ma­növer demons­triert werden, damit mögliche Fehler rasch ausge­räumt werden können.

Tritt die gewünschte Wirkung einer Inhala­ti­ons­the­rapie nicht ein, sollte unbedingt vor einem Wechsel und insbe­sondere vor einer Erwei­terung der Therapie immer zuerst das  Inhala­ti­ons­ma­növer als mögliche Fehler­quelle überprüft werden.

Allzu oft kommt es vor, dass bereits seit längerer Zeit bestehende Fehler in der Durch­führung der Inhala­ti­ons­the­rapie dafür sorgen, dass nicht genügend Wirkstoff die Lunge erreicht.

Die Folgen sind:

  • eine schlechtere Symptom­kon­trolle
  • häufigere Kranken­haus­auf­ent­halte
  • häufigere notfall­mäßige Arztbe­suche
  • mehr Verbrauch von Antibiotika und oralen Korti­kos­te­roiden (Cortison in Tablet­tenform)

Liegt die Ursache in der falschen Handhabung der Therapie, ist eine Erwei­terung der Therapie also der falsche Schritt. Vielmehr ist eine erneute Schulung zum Erlernen der Inhala­ti­ons­technik notwendig. „Meine Auffor­derung an jeden Patienten ist, denken Sie selbst mit an diese Möglichkeit und sprechen Sie aktiv Ihren Arzt auf eine Überprüfung des Inhala­ti­ons­ma­növers an“, appel­liert Dr. Voshaar.

Gut zu wissen…

Ein unbeein­fluss­barer Faktor, wie viel Wirkstoff tatsächlich in die Lunge gelangt, ist die Anatomie des Rachens und Kehlkopfes. „Zuallererst entscheidet die Kehlkopf­region, wie viel Wirkstoff  tatsächlich in die Bronchien gelangt. Jeder Kehlkopf ist so indivi­duell wie der Abdruck eines Fingers.“

Einen weiteren, aller­dings beein­fluss­baren Faktor, gilt es ebenfalls zu verin­ner­lichen: Langsames und tiefes Einatmen. Schnelles Inhalieren führt insbe­sondere dazu, dass Teile der einge­at­meten Substanz an der Rachen­hin­terwand „hängen­bleiben“ und zudem mögli­cher­weise zu einer Pilzin­fektion (Soor) oder einer heiseren Stimme führen.

Der Vergleich mit einem zu schnell fahrenden Auto in einer Kurve kann hilfreich, sich diese Notwen­digkeit zu merken. Nur ein langsam fahrendes Auto gelangt sicher um eine Kurve.

Der Austausch eines Inhala­ti­ons­systems stellt in einer etablierten und gut einge­stellten Behandlung einen erheb­lichen Eingriff in die Patien­ten­be­treuung und die Therapie dar und kann ggf. nur medizi­nisch begründet werden. Ein Austausch in der Apotheke sollte nicht erfolgen.

Neben der Schulung der Inhala­ti­ons­the­rapie empfiehlt sich ergänzend das Anschauen des entspre­chenden Anlei­tungs­videos auf dem YouTube-Kanal der Deutschen Atemwegsliga e.V. – www.atemwegsliga.de.

Beitrag in Anlehnung an den Vortrag „Wie wichtig ist die korrekte Durch­führung der inhala­tiven Verab­rei­chung von Medika­menten?“, Dr. med. Thomas Voshaar, Ärztlicher Direktor, Chefarzt Medizi­nische Klinik III, Lungen­zentrum Krankenhaus Bethanien, Moers,  anlässlich des 12. Symposium Lunge in Hattingen


Text: Sabine Habicht, Redak­ti­ons­leitung Patienten-Bibliothek

Fotos: www.atemwegsliga.de, Fotolia UMA, Lunge­zentrum Krankenhaus Bethanien, Moers

Veröf­fent­licht in der Winter­ausgabe 2019 der Zeitschrift "Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge" www.Patienten-Bibliothek.de

Schlagwörter: Antibiotika, Antikörper, Asthma, Atemwegsliga, Bronchitis, COPD, Cortison, Devices, Dosieraerosol, Dr. Thomas Voshaar, Inhalation, Inhalatoren, inhalieren, Inspirationsfluss, Lungenemphysem, Respimat, Trockenpulverinhalator, Vernebler

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