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Forschungsansätze zum Coronavirus

13. Aug. 2020

Lungen­for­schung aktuell

Die aktuelle Corona­virus-Lage zeigt die Bedeutung von Wissen­schaft und Forschung, auf besondere gesund­heit­liche Heraus­for­de­rungen reagieren zu können. In dieser Ausgabe der Rubrik Lungen­for­schung aktuell stellen wir Ihnen einige Forschungs­an­sätze rund um die aktuelle Corona­pan­demie vor und infor­mieren über Quellen im Internet, bei denen Sie vertrau­ens­würdige und geprüfte Infor­ma­tionen zum Corona­virus finden können.

Eine inter­es­sante Lektüre wünscht Ihnen
das Redak­ti­onsteam des Lungen­in­for­ma­ti­ons­dienstes.

Forschungs­an­sätze zum Corona­virus

Die aktuelle Corona­pan­demie stellt nicht nur die Gesell­schaft, sondern besonders auch die Wissen­schaft vor große Heraus­for­de­rungen. Möglichst schnell sollen Tests, Therapien und sogar ein Impfstoff entwi­ckelt werden. Gleich­zeitig versuchen Forschende mehr über die neue Infek­ti­ons­krankheit zu erfahren. Großan­ge­legte Stich­pro­ben­ana­lysen in zufällig ausge­wählten Haushalten sollen beispiels­weise neue Erkennt­nisse zur Verbreitung der Corona­pan­demie bringen und die Wirksamkeit der einge­lei­teten Gegen­maß­nahmen überprüfen. Auch nutzt man bereits bestehende Studi­en­ko­horten wie etwa die bundes­weite NAKO Gesund­heits­studie, die bereits seit 2014 läuft, um Erkennt­nisse über Verbreitung,

Verlauf und Auswir­kungen von CoVid-19 in Deutschland zu gewinnen. Hierfür werden alle 205.000 Teilneh­me­rinnen und Teilnehmer der NAKOS-Studie unter anderem zu ihrem Infek­ti­ons­status, zu Verhal­tens­än­de­rungen aufgrund der Pandemie und zu Sozial­kon­takten während der Pandemie befragt. Darüber hinaus werden die psycho­so­zialen Auswir­kungen der Pande­mie­si­tuation, darunter mögliche Verän­de­rungen des Erwerbs­status, des Lebens­stils und des Sozial­lebens abgefragt.

Im Rahmen der Früherken­nungs­un­ter­su­chung „Fr1da plus“, die Kinder in Bayern auf ein Frühstadium von Typ-1-Diabetes unter­sucht, sollen jetzt Antikör­per­tests gegen das neue Corona­virus durch­ge­führt werden. Die für die Studie gesam­melten Blutproben sollen dafür rückwirkend von August 2019 bis heute und fortführend über die nächsten zwei Jahre hinweg auch auf Antikörper gegen SARS-CoV‑2 getestet werden. So sollen unter anderem Erkennt­nisse über die Häufigkeit der Corona­vi­rus­in­fek­tionen bei Kindern in Bayern gewonnen werden, zudem könnten die Tests Einblicke in das Verbrei­tungs­muster geben.

Durch struk­tu­rierte Beobachtung und Auswertung der Daten von Erkrankten und auch Verstor­benen, erhalten Medizi­ne­rinnen und Mediziner mehr Einblick in den Verlauf und die gesund­heit­lichen Auswir­kungen der Krankheit.

Breit­an­ge­legte Suche nach Behand­lungs­mög­lich­keiten

Auf der Suche nach möglichen Medika­menten, zur Behandlung von CoVid-19 gehen Forschende unter­schied­liche Wege. In präkli­ni­schen Unter­su­chungen sollen beispiels­weise Wirkstoffe mit antivi­ralen und neutra­li­sie­renden Eigen­schaften identi­fi­ziert werden, um so schnell wie möglich weiter in die klinische Entwicklung zu gelangen. Unter anderem sucht man mit Hilfe künst­licher Intel­ligenz (KI) nach bereits zugelas­senen Medika­menten, die sich für die Behandlung von CoVid-19 eignen könnten. Zudem gibt es einige Studien, in denen die Wirksamkeit bereits zugelas­sener Medika­mente bei Betrof­fenen mit CoVid-19 unter­sucht wird. Remde­sivir, ein Wirkstoff, der ursprünglich gegen Ebola entwi­ckelt wurde, ist beispiels­weise ein Kandidat, der aktuell in Studien teilweise positive Ergeb­nisse zeigt.

Ein weiterer Forschungs­ansatz ist der Einsatz von Blutplasma von Genesenen, um Menschen mit CoVid-19 zu behandeln. Die Hoffnung hierbei ist, dass Personen, die die Corona­vi­rus­in­fektion bereits überstanden haben, schüt­zende Antikörper gegen das Virus entwi­ckelt haben, die man über eine Plasma­spende schwer erkrankten Personen geben könnte.

Um neue Medika­mente entwi­ckeln zu können, ist es ebenso wichtig zu verstehen, wie das Virus auf zellu­lärer Ebene agiert. Welche moleku­laren Zellei­gen­schaften beein­flussen beispiels­weise die Wahrschein­lichkeit einer Infektion, oder das Risiko für einen schweren Krank­heits­verlauf durch SARS-CoV‑2? Wie wird die Genak­ti­vität der Wirts­zellen durch das Eindringen des Virus verändert, und wie sieht die spezi­fische Immun­antwort bei CoVid-19 aus? Um dies heraus­zu­finden, werden unter anderem Big-Data- und KI-Anwen­dungen einge­setzt, die das molekulare Geschehen auf zellu­lärer Ebene analy­sieren.

Impfstoff ist zentraler Bestandteil zur Bekämpfung des Corona­virus

Ein wirkliches Ende der Corona­vi­ruspan­demie wird wohl nur mit einem Impfstoff erreicht werden können. Forschungs­teams in aller Welt arbeiten daher mit Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffes gegen SARS-CoV‑2.

Impfstoffe basieren oft auf inakti­vierten Viren. Um diese entwi­ckeln zu können, suchen Forschende momentan auch nach neuen oder verbes­serten Methoden, die zwar das Virus abtöten, seine Struktur – insbe­sondere die für die Immun­antwort entschei­dende Virus­hülle – aber möglichst wenig beschä­digen. 

Eine andere mögliche Art von Impfstoffen sind sogenannte RNA-Impfstoffe. Dabei wird die genetische Infor­mation (RNA) für den Bau eines ungefähr­lichen Erreger­be­stand­teils mittels Injektion verab­reicht.

Die Zellen der so geimpften Menschen produ­zierten mit Hilfe der RNA Erreger­be­stand­teile, die nicht infektiös sind und auch keine Erkrankung auslösen. Das Immun­system erkennt jedoch den fremden Erreger­be­standteil und baut eine schüt­zende Immun­antwort gegen den Erreger auf. Kommen die geimpften Personen  dann mit dem eigent­lichen Erreger in Kontakt, kann die Infektion verhindert oder ihr Verlauf zumindest abmildert werden. Das Paul-Ehrlich-Institut, Bundes­in­stitut für Impfstoffe und biome­di­zi­nische Arznei­mittel, hat die erste klinische Prüfung eines RNA-Impfstoffs gegen das neuartige Corona­virus in Deutschland bereits im April genehmigt. 

Weltweit arbeiten Forschende momentan an über 100 Impfstoff­kan­di­daten gegen SARS-CoV‑2 und auch einige klinische Studien laufen bereits.

Die gesamte Entwicklung wirksamer Impfstoffe ist jedoch überaus komplex und anspruchsvoll. Bis ein wirkungs­voller Impfstoff gefunden, zugelassen und auch in ausrei­chender Menge produ­ziert ist, wird es nach aktueller Exper­ten­meinung wahrscheinlich noch mindestens bis 2021 dauern.

Quali­täts­ge­si­cherte Infor­ma­tionen

Sie möchten sich einge­hender über das neuartige Corona­virus SARS-CoV-2und die dadurch ausge­löste Lungen­krankheit CoVid-19 infor­mieren? Im Folgenden finden Sie Linkhin­weise zu weiteren aktuellen und quali­täts­ge­si­cherten Infor­ma­tionen im Internet:

Weiter­füh­rende Infor­ma­tionen finden Sie auch auf der Schwer­punkt­seite des Lungen­in­for­ma­ti­ons­dienstes: www.lungeninformationsdienst.de/aktuelles/schwerpunktthemen/coronavirus-2019

Quellen:

Deutsches Zentrum für Lungen­for­schung: Übersicht zu Forschungs­pro­jekten DZL-assozi­ierter Arbeits­gruppen zu COVID-19 (Corona­virus SARS-CoV‑2), Stand 05.05.2020
Helmholtz Zentrum München: fightCOVID@HMGU, Stand 13.05.2020
Helmholtz-Gemein­schaft Deutscher Forschungs­zentren e.V.: Corona­virus SARS-CoV‑2 – Forschung
Medizi­nische Hochschule Hannover: FAQ: So arbeitet die MHH in der Corona-Krise
Paul-Ehrlich-Institut: Co­ro­na­vi­rus SARS-CoV‑2
Bundes­mi­nis­terium für Bildung und Forschung
Ewen Callaway: The race for corona­virus vaccines: a graphical guide. Nature 580, 576–577 (2020)
European Medicines Agency: EMA recom­mends expanding remde­sivir compas­sionate use to patients not on mecha­nical venti­lation. 11.05.2020
National Institute of Allergy and Infec­tious Diseases: NIH Clinical Trial Shows Remde­sivir Accele­rates Recovery from Advanced COVID-19. 29. April 2020
Weltge­sund­heits­or­ga­ni­sation (WHO): DRAFT landscape of COVID-19 candidate vaccines – 15 May 2020
Helmholtz Zentrum München: Etablierte Früherken­nungs­studie zu Typ-1-Diabetes testet nun Tausende Kinder auch auf Antikörper gegen SARS-CoV‑2. Presse­mit­teilung vom 06.05.2020

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www.lungeninformationsdienst.de

Das Inter­net­portal des Lungen­in­for­ma­ti­ons­dienstes bietet aktuelle, wissen­schaftlich geprüfte Infor­ma­tionen aus allen Bereichen der Lungen­for­schung und ‑medizin in verständlich aufbe­rei­teter Form, vor allem für Patienten, Angehörige und die inter­es­sierte Öffent­lichkeit. Der Lungen­in­for­ma­ti­ons­dienst wird vom Helmholtz Zentrum München in Koope­ration mit dem Deutschen Zentrum für Lungen­for­schung (DZL) betrieben und arbeitet unabhängig von jeglichen Inter­essen Dritter.

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Der Beitrag wurde in der ständigen Rubrik des Lungen­in­for­ma­ti­ons­dienstes "Lungen­for­schung aktuell" in der Sommer­ausgabe 2020 der Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge veröf­fent­licht.


Redaktion/Text:
Lungen­in­for­ma­ti­ons­dienst

Bildnachweis:
agny_illustration – Adobe­Stock
Lungen­in­for­ma­ti­ons­dienst


Schlagwörter: Corona, Coronavirus, CoVid-19, Deutsches Zentrum für Lungenforschung, DZL, Expertise, Impfstoff, Lunge, Lungenforschung, Lungeninformationsdienst, qualitätsgesicherte Informationen

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