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Nase voll?

10. Jan. 2021

Mögliche Erkran­kungen der oberen Atemwege

In der Herbst­ausgabe 2020 haben wir eine Themenserie mit Dr. Uso Walter begonnen, die sich mit den oberen Atemwegen befasst. Das Atemweg­system – also der Weg, den der Atem im Körper nimmt – wird in die oberen und unteren Luftwege unter­teilt. Das Fachgebiet des Hals-Nasen-Ohren-Arztes befasst sich mit den oberen Wegen: der Nase, den Nasen­ne­ben­höhlen und dem Rachenraum. Ein Lungen­facharzt behandelt insbe­sondere die unteren Atemwege: Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien und die Lunge selbst.

Teil 1 befasste sich mit der Pflege und Hygiene des Rachen­raumes und der Nasen­schleimhaut. Sie können den Beitrag nachlesen auf www.Patienten-Bibliothek.de oder www.Patienten-Bibliothek.org.

Die Schleimhaut als Front

Beim Atmen strömt die Luft durch die oberen Atemwege in die Lunge, wo Sauer­stoff aufge­nommen und Kohlen­dioxid ausge­schieden wird. Die Luft wird dabei vor allem in der Nase erwärmt, befeuchtet und gereinigt. Aber mit der Luft gelangen auch fremde Partikel, Pollen und die verschie­densten Erreger in den Körper und können krank­ma­chende Reaktionen im Bereich der oberen Atemwege auslösen. Vor allem drei Gruppen von Erkran­kungen kann man dabei unter­scheiden:

1. Entzün­dungen

Viren, Bakterien und Pilze gibt es nicht nur im Darm, sondern auch im Bereich der oberen Atemwege. Hier leben sie norma­ler­weise friedlich im Gleich­ge­wicht mit unserem Immun­system und verur­sachen keine Probleme. Bei einer Schwä­chung der Schleimhaut, z. B. durch feuchte Kälte oder Stress, aber auch bei einer Anste­ckung, kommt es zu einer plötz­lichen Vermehrung von Erregern und der Körper reagiert mit einer Abwehr­re­aktion.

Fieber, Rötung, Schnupfen und Husten sind die Folge. Auf diese Weise versuchen die Schleimhaut und die immun­kom­pe­tenten Zellen, die ungebe­tenen Eindring­linge zu elimi­nieren und ein neues Gleich­ge­wicht herzu­stellen. Was sich so unangenehm anfühlt, ist also eigentlich Ausdruck eines gut funktio­nie­renden Abwehr­systems. Damit die Infekte sich nicht festsetzen oder Kompli­ka­tionen wie eine Lungen­ent­zündung oder einen Abszess verur­sachen, kann man diese Abwehr­arbeit unter­stützen.

Befeuch­tungs­maß­nahmen wir Salzwas­ser­sprays und reichlich Flüssig­keits­zufuhr, pflanz­liche Schleim­löser und desin­fi­zie­rende Gurgel­lö­sungen helfen, den Krank­heits­verlauf abzumildern und die Symptome zu lindern. Antibiotika sind dagegen nur ganz selten erfor­derlich, da diese nur gegen Bakterien wirksam, die meisten Erkäl­tungs­krank­heiten aber viral bedingt sind.

Auch ein Arztbesuch ist bei einem banalen Infekt meist nicht erfor­derlich. Hausmittel reichen da vollkommen aus. Um die Krankheit auszu­ku­rieren und seine Mitmen­schen nicht zu gefährden, kann eine Krank­schreibung aller­dings sinnvoll sein.

Hohes Fieber, starke Allge­mein­sym­ptome und trockener Reizhusten können aller­dings für eine echte Grippe oder eine COVID-19-Infektion sprechen und erfordern die Abklärung beim Arzt.

Für einen bakte­ri­ellen Infekt sprechen starke Schmerzen, Fieber und Schwel­lungen. Auch hier ist ein Arztbesuch angezeigt. Lymph­kno­ten­schwel­lungen am Hals sind dagegen eher unspe­zi­fisch und auch eine grüne oder gelbe Verfärbung des Schleims spricht nicht unbedingt für Bakterien.

Chronisch kann eine Entzündung werden, wenn der Körper es nicht schafft, die patho­lo­gi­schen Eindring­linge zu elimi­nieren. Vor allem in den Nasen­ne­ben­höhlen und den Mandeln kann das zu immer wieder auffla­ckernden akuten Infekten und dauer­haften Beschwerden führen. In diesen Fällen können auch operative Maßnahmen helfen, die Entzün­dungs­herde wieder in den Griff zu bekommen.

2. Allergien

Fast jedes zweite Kind leidet heute bereits unter Allergien, also einer überschie­ßenden Reaktion des Immun­systems gegen an sich harmlose Stoffe, wie Gräser- oder Baumpollen, Hausstaub­milben oder Schim­mel­pilze. Das macht sich dann in Nießat­tacken, tränenden Augen oder in einer verstopften, zugeschwol­lenen Nase bemerkbar und kann die Lebens­qua­lität nachhaltig beein­träch­tigen. Im schlimmsten Fall findet ein Etagen­wechsel statt und die Allergie mündet in ein aller­gi­sches Asthma.

Verant­wortlich für die aller­gi­schen Reaktionen sind neben geneti­schen Faktoren auch Umwelt­ein­flüsse, wobei parado­xer­weise wohl vor allem die verbes­serten hygie­ni­schen Lebens­be­din­gungen der letzten Jahrzehnte den Anstieg der Allergien maßgeblich mit verur­sacht haben.

Thera­peu­tisch steht die Vermeidung des Allergens an erster Stelle. Das ist bei Milben durch spezielle Bettbezüge noch relativ leicht umzusetzen, bei Gräser- oder Baumpollen aber kaum möglich.

Das zweite Behand­lungs­prinzip sind sympto­ma­tisch wirksame Medika­mente, die die Ausschüttung von Histamin verhindern oder seine Wirkung an der Schleimhaut blockieren. Histamin ist ein körper­ei­gener Boten­stoff, der bei aller­gi­schen Reaktionen vermehrt freige­setzt wird und für die meisten unange­nehmen Symptome verant­wortlich ist. Nachteil: viele Antihist­aminika machen müde, so dass man sie nicht beliebig hoch dosieren kann. Steht eher die Nasen­schwellung im Vorder­grund, helfen in der Regel korti­son­haltige Nasen­sprays, deren Wirkstoff nicht im Blut aufge­nommen wird und die deshalb auch über längere Zeit verab­reicht werden können.

Als einzige ursäch­liche Behandlung gilt die spezi­fische Immun­the­rapie (SIT). Bei ihr werden den Betrof­fenen genau die Antigene, gegen die sie aller­gisch sind, unter die Haut gespritzt oder unter die Zunge getropft. Dadurch lernt der Körper nach und nach, nicht mehr überzu­re­agieren. Ähnlich wie bei anderen Lernpro­zessen dauert das aber seine Zeit. Empfohlen wird eine dreijährige Therapie, die von den Kranken­kassen erstattet wird.

Neben Allergien der oberen Atemwege gibt es auch Nahrungs­mittel- und Medika­men­ten­all­ergien sowie Kontakt­all­ergien gegen Kosmetika oder Wasch­mittel, die sich aber eher im Verdau­ungs­trakt oder an der Haut zeigen.

Eine Nasen­spie­gelung ermög­licht die Unter­su­chung und eine Gewebe­ent­nahme in der inneren Nase und den Nasen­gängen

3. Klima­tische Einflüsse

Nicht nur Keime und aller­gische Reaktionen setzen der Schleimhaut der oberen Atemwege zu, sondern auch klima­tische Faktoren. Vor allem Trockenheit durch Heizungsluft, Klima­an­lagen oder die immer heißer werdenden Sommer führen zu Problemen. Der Schleim dickt ein und behindert die Nasen­atmung und das Schlucken. Räusper­zwang, Kloßge­fühle und eine behin­derte Nasen­atmung können die Folge sein.

Feinstaub und Partikel in der Luft belasten die Schleim­häute ebenfalls, vor allem in Ballungs- und Indus­trie­ge­bieten. Das empfind­liche Flimmer­epithel (eine Schicht aus beweg­lichen „Härchen“, die den größten Teil der Atemwege auskleidet und für den Abtransport von Schad­stoffen jeglicher Art sorgt) kommt dann mit dem Abtransport der kleinen und kleinsten Fremd­körper nicht mehr hinterher und es kann zu einer Immun­re­aktion bis hin zu chroni­schen Entzün­dungen kommen.

Reine, gut befeuchtete Luft ist hier das beste Gegen­mittel und viele Patienten, die unter den Symptomen einer solchen klima­tisch überlas­teten Schleimhaut leiden, fühlen sich im Urlaub am Meer plötzlich beschwer­defrei. Die Verbes­serung des Raumklimas ist hier neben regel­mä­ßigen Befeuch­tungs- und Reini­gungs­maß­nahmen, z. B. durch Meersalz­sprays, ein probates Gegen­mittel.

Fazit

Die Schleimhaut der oberen Atemwege steht täglich im Kreuz­feuer aller möglichen Reize und Belas­tungen und erfüllt, in der Regel unbemerkt, ihre schwere Aufgabe. Hierfür ist sie von der Evolution bestens ausge­stattet. Kommt es trotzdem zu einer Invasion von Keimen, einer aller­gi­schen Überre­aktion oder einer klima­ti­schen Überlastung, kann sich das aller­dings sehr unangenehm auswirken und im schlimmsten Fall sogar krank machen.

In diesen Fällen ist der HNO-Facharzt der richtige Ansprech­partner, da er mit seinen Optiken und Ultra­schall Licht ins Dunkel der oberen Atemwege bringen und auf der Basis seiner fachärzt­lichen Diagnose die richtige Behandlung einleiten kann.  


Dr. Uso Walter
Facharzt für Hals-Nasen-Ohren­heil­kunde
Gemein­schafts­praxis Duisburg
www.hno-praxis-duisburg.de
Vorsit­zender HNOnet NRW
www.hnonet.de


Bildnachweis:
Dr. Uso Walter
Adobe­Stock – Edler von Raben­stein
HNOnet NRW – www.hnonet.de

Der Beitrag wurde in der Winter­ausgabe 2020 der Patienten-Bibliothek – Atemwege und Lunge veröf­fent­licht.


Schlagwörter: Atemwege, Dr. Uso Walter, Entzündungen, Fieber, Hals-Nasen-Ohren, Infekt, Luft, Luftnot, Lunge, Nase, Nase voll, obere Atemwege, Schleimhaut

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