Heute weiß ich, dass ich der Erstdiagnose nicht genügend Bedeutung beigemessen und dadurch wertvolle Zeit verloren habe – Zeit, in der ich bereits viel für meine Gesundheit und Lebensqualität hätte tun können.
„Sie haben COPD, verursacht durch das Rauchen. Diese Lungenerkrankung ist fortschreitend und leider nicht heilbar“ erklärte mir ein anderer Pneumologe, den ich einige Jahre später aufsuchte, weil sich mein Gesundheitszustand trotz der verordneten Medikamente zunehmend verschlechtert hatte. Was ich bis dahin für eine nicht allzu schwerwiegende Bronchitis gehalten hatte, bekam plötzlich eine ganz andere Dimension: Es handelte sich jetzt um eine nicht heilbare Krankheit. Das traf mich hart. Schließlich hatte ich das Rauchen bereits Jahre zuvor aufgegeben. Vor allem die Worte „nicht heilbar“ setzten mir zu, sie beschäftigten mich so sehr, dass ich bei diesem Arztbesuch kaum noch Fragen stellen konnte und verließ die Praxis mit einer Diagnose, die mir Angst machte. An weiterführende Erklärungen oder hilfreiche Informationen kann ich mich allerdings auch bei diesem Arzt nicht erinnern.
Zu Hause versuchten meine Frau und ich, im Internet mehr über die Krankheit COPD zu erfahren. Doch anstatt Klarheit zu gewinnen, gerieten wir in einen Dschungel aus Informationen, die sich sogar teilweise widersprachen und uns zunehmend verunsicherten. Manche Berichte zeichneten ein derart düsteres Bild der Erkrankung, dass wir irgendwann darüber nachdachten, wie viel Zeit mir wohl noch bleiben würde. Mit jedem neuen Artikel, den wir fanden, wuchsen unsere Sorgen und entstanden neue Fragen. Viele davon gingen weit über das hinaus, was ein Lungenfacharzt im Rahmen eines normalen Praxisbesuchs beantworten kann.
Mit der Zeit wurde uns immer bewusster, wie wertvoll der Austausch mit Menschen ist, die die Herausforderungen des Alltags mit COPD aus eigener Erfahrung kennen. Deshalb gründete ich schließlich gemeinsam mit meiner Frau eine Selbsthilfegruppe für COPD-Betroffene und ihre Angehörigen – denn eine chronische Erkrankung betrifft nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die Menschen, die ihnen nahestehen.
In unserer Selbsthilfegruppe erleben wir immer wieder, dass Betroffene nach der Diagnosestellung nur wenig Orientierung und Unterstützung erhalten. Gerade in dieser belastenden Phase fehlt vielen die Kraft und Energie, eigenständig weiterführende Informationen oder Hilfsangebote zu suchen. Sie sind deshalb dankbar für konkrete Hinweise, wie es nach der Diagnose weitergehen kann.
Auszug – persönliche Erfahrungen bei der Erstdiagnose von Jochen Rhinow und Patricia Zündorf, COPD Selbsthilfegruppe Bonn
Die Erkrankung kennenlernen
Die meisten Patienten werden von der Diagnose COPD völlig unvorbereitet überrascht. Die vorliegenden Symptome werden häufig nicht mit einer Lungenerkrankung in Verbindung gebracht.
Die Komplexität der Erkrankung wiederum ermöglicht es einer Ärztin, einem Arzt kaum, alle notwendigen Informationen auf einmal in der wenigen zur Verfügung stehenden Zeit zu vermitteln. Auf jeden Fall ist im ersten Schritt die Einleitung vielfältiger therapeutischer Maßnahmen notwendig. Es gilt daher nun, möglichst mit großer Ruhe und so gut es geht, die Erkrankung kennenzulernen und sich mit den vorhandenen Behandlungsoptionen insgesamt vertraut zu machen. Informationen können helfen, Ängste und Ungewissheiten zu reduzieren.
Gut zu wissen: Sie selbst können sehr viel dazu beitragen, weiterhin eine hohe Lebensqualität zu behalten, trotz COPD.
Als Ergänzung zu Ihrem Gespräch mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt sowie Ihren Therapeuten möchte diese Broschüre eine Unterstützung zur Orientierung anbieten.
Inhalte der Broschüre
- Aufbau und Funktion der Lunge
- Was ist COPD/Lungenemphysem?
- Welche Symptome können auftreten?
- Welche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung?
- Wie erhalte ich eine Diagnose?
- Welche Elemente gehören zu einer guten Versorgung?
- Welche ersten Schritte sind nach der Erstdiagnose empfehlenswert?
- Maßnahmen zur Linderung der Luftnot
- Atemübungen/Physiotherapie und Lungensport
- Tipps zur Ernährung
- Medikamentöse Therapie
- Impfprophylaxe und Prävention von Infekten
- Atemtherapiegeräte und Inhalationshilfen
- Sauerstoff/Langzeit-Sauerstoffversorgung
- Therapieoptionen bei fortgeschrittener COPD
- Selbsthilfe
- Hilfreiche Adressen
Die Broschüre wird als Printversion erhältlich sein und ebenso online als download.
